Bei Kindern, die an einer Rechenschwaeche leiden, entwickeln sich mathematische Faehigkeiten und Fertigkeiten nur schlecht. Die
Betroffenen koennen aber fruehzeitig erkannt werden. Das haben Psychologen von der Uni Wuerzburg bei einer mehrjaehrigen Studie
herausgefunden. Jetzt pruefen sie, wie sich die mathematisch schwaecheren Kinder foerdern lassen.
Insgesamt 134 Kinder aus den Landkreisen Wuerzburg, Main-Spessart, Schweinfurt und Kitzingen waren in die Studie einbezogen. Die
Entwicklungspsychologen Kristin Krajewski und Wolfgang Schneider testeten zunaechst im letzten Kindergartenjahr verschiedene kognitive, vor allem zahlenrelevante Faehigkeiten. Dann beobachteten sie bis zum Ende der Grundschulzeit im Sommer 2003 die mathematische Entwicklung der Kinder. Deren Leistung wurde jeweils am Ende des Schuljahres mit dem Deutschen Mathematiktest beurteilt.
Es zeigte sich: Die schon im Kindergarten festgestellten Unterschiede in den mathematischen Kompetenzen blieben bis zum Ende der Grundschule erhalten - mathematisch "schwache" Kindergartenkinder waren spaeter auch mathematisch "schwache" Grundschueler. Fuer das unterschiedliche Abschneiden war neben der allgemeinen intellektuellen Faehigkeit ganz entscheidend das mengen- und zahlenbezogene Vorwissen verantwortlich, ueber das die Kinder schon vor der Einschulung verfuegten.
Zu diesem Vorwissen gehoeren die Faehigkeiten, ein Element in eine vorgegebene Reihe einordnen zu koennen und zu erkennen, dass die Anzahl einer Menge nicht durch deren raeumliche Ausdehnung gekennzeichnet ist. Wichtig ist auch das Zahlenwissen, wie die Kenntnis der Zahlbilder bis 10 und das Zuordnen von Zahlbildern zu akustisch vorgegebenen Zahlen bis 20. Hinzu kommen Zaehlfertigkeiten (vorwaerts und rueckwaerts zaehlen, Vorgaenger und Nachfolger von Zahlen bestimmen) und erste
Rechenfertigkeiten.
Durch einen Test all dieser Faehigkeiten laesst sich im letzten Kindergartenjahr das Risiko fuer eine Rechenschwaeche vorhersagen.
Gemeinsam mit ihrer Wuerzburger Kollegin Gerhild Nieding erarbeiten die Psychologen nun ein Trainingsprogramm, um die rechenschwachen Kinder zu foerdern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstuetzt dieses neue Projekt finanziell.
Fuer Kinder mit Lese- und Rechtschreibproblemen haben Wolfgang Schneider und sein Team bereits in den vergangenen Jahren ein Trainingsprogramm erarbeitet. Es heisst "Hoeren, Lauschen, Lernen" und kommt in vielen Kindergaerten zum Einsatz. Dagegen steht die Erforschung der Rechenschwaeche noch am Anfang. Kristin Krajewski: "Viele Eltern und Lehrer kennen die Lese-Rechtschreibschwaeche, haben aber von der Rechenschwaeche oder der Dyskalkulie noch nie etwas gehoert." Laut
Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie sind hiervon bundesweit 130.000 Schueler betroffen.
Weitere Informationen: Dr. Kristin Krajewski, T (0931) 31-2746, Fax
(0931) 31-2763, E-Mail:
krajewski@psychologie.uni-wuerzburg.de
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