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Legasthenie, Lesen und Schriftspracherwerb >> Wie lernt (m)ein Kind eigentlich lesen?
Teil 1 - der Wert von Symbolen

Dipl. Päd. Uta Reimann-Höhn

Lesen ist für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit, die sie Tag für Tag nahezu automatisch benutzen, um sich im Alltag zurechtzufinden. In der gesamten Grundschulzeit wird neben der Vermittlung anderer Kulturtechniken wie Schreiben und Rechnen großer Wert auf das Erlernen des Lesens gelegt. An den langwierigen Prozess des Lesenlernens können sich die wenigsten jedoch noch deutlich erinnern, es sei denn, sie hätten außergewöhnliche Schwierigkeiten damit gehabt, wie es beispielsweise bei einer Leseschwäche, einer Legasthenie, der Fall ist. Aber auch bei einer vollkommen normalen Entwicklung dauert es viele Jahre und bedarf unterschiedlicher Vorraussetzungen, bis ein Mensch fließend und sinnerfassend lesen kann.

Hören und Sehen sind grundsätzliche Vorraussetzungen, die ein Kind haben muss, um problemlos lesen lernen zu können. Ein waches, aufmerksames, interessiertes und normal entwickeltes Kind lernt bald, dass die Dinge und Personen in seiner Kinderwelt Namen haben. Fragt man Sandra, wo denn ihre Nase sei, so zeigt sie mit großer Freude darauf. Das Kind hat also gelernt, dass das Ding mitten in seinem Gesicht "Nase" heißt. Bald weiß Sandra auch, dass nicht nur in ihrem Gesicht eine "Nase" ist, sondern auch in allen anderen Gesichtern, die sie sieht. Der Name "Mama" jedoch, der ist nur einer Person vorenthalten - auch dies ist eine wichtige Erkenntnis für Sandra.

Namen ermöglichen dem Kind etwas zu benennen und folglich auch zu bekommen, auf das es nicht mit dem Finger zeigen kann, weil man es gerade jetzt nicht sehen kann. Diese Erkenntnis führt bei fast allen Kleinkindern dazu, dass sich ihr Wortschatz schnell erweitert. Ihnen wird die Bedeutung eines Namens für Dinge, Personen oder Tätigkeiten als Platzhalter bewusst.

Die Kinder beobachten ihre Umwelt mit großem Interesse, und so wird ihnen bald klar, dass auch bestimmte Zeichen sich wiederholen und als Platzhalter für eine Bedeutung herhalten. Und so ist die erste große Hürde des Lesenlernens genommen, wenn ein Kind zum Beispiel das Schild "Kinderspielplatz" mit dem realen Spielplatz verbindet. Auch bekannte Firmenlogos, wie beispielsweise das Mac Donalds Zeichen, das Coca Cola Symbol oder die Mickey Maus erkennen Kinder schnell und ordnen sie den dazugehörenden Inhalten mühelos zu. Viele Kinder behaupten nun gerne von sich, dass sie schon lesen können. Und in der Tat weckt dieses erste "Lesen" von Zeichen das Interesse des Kindes an unserer komplizierten Schriftsprache und sollte unbedingt gefördert werden.

Sehr gut eignen sich dafür Lesebücher, in denen bestimmte, geeignete Nomen durch Bilder im Text ersetzt sind. Beim gemeinsamen "Lesen" liest der Erwachsene den Text bis zu einem Bild, das Bild "liest" dann das Kind und der Erwachsene fährt anschließend fort. Von dieser Bücherart gibt es immer wieder neue, schöne Geschichten, ein bisschen Wühlen in der Buchhandlung lohnt sich. Als eines der ersten dieser Gattung empfehle ich: Pony, Bär und .......Geschichten von Sigrid Heuck

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