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Legasthenie, Lesen und Schriftspracherwerb >> Wie lernt (m)ein Kind eigentlich lesen?
Teil 2 - die phonologische Bewusstheit

Dipl. Päd. Uta Reimann-Höhn

Wenn ein Kind verstanden hat, dass bestimmte Bilder als Platzhalter für Wörter stehen, ist es dem Lesen schon sehr nah gekommen. Nun möchte es meist selbst versuchen, ihm vertraute und bekannte Dinge zu schreiben und auch zu lesen. Das beginnt in der Regel mit dem eigenen Namen oder den Namen enger Familienangehöriger. Das Wort OMA kann auch ein Vorschulkind schnell lesen, denn es prägt sich das Wortbild einfach ein. Ohne die einzelnen Buchstaben zu kennen oder benennen zu können, erliest es doch das ganze Wort OMA, wenn es ihm in genau dieser Schreibweise präsentiert wird. In einem anderen Wort kann es jedoch ohne weitere Übung keinen dieser Buchstaben erlesen, erkennen oder identifizieren.

Jetzt ist es Zeit, dem Vorschulkind in spielerischer Art und Weise die Lautvielfalt unserer Sprache nah zu bringen. Ohne direkt das Lesen zu trainieren, eignen sich Lautgebärden, Reime und Wortspiele sehr gut dazu, ein Gefühl für die Laute unserer Sprache zu entwickeln. Auch Hand-Klatschspiele, besonders bei Mädchen sehr beliebt, trainieren das Gefühl für Wort-Rhythmus und Reimformen.

Matthias kann noch nicht lesen, aber er liebt Reimspiele im Kindergarten. Am besten gefällt es ihm, wenn zwei Kindergruppen gegeneinander antreten und zu einem vorgegebenen Wort passende Reimwörter finden sollen. HAUS - MAUS - AUS - STRAUSS - KLAUS - HERAUS ...... Mit der Zeit geht das immer schneller und alle Kinder entwickeln ein richtig gutes Sprachgefühl. Matthias kann jetzt zum Beispiel schon bei vielen Wörtern erkennen, ob der Laut "AU" am Anfang, in der Mitte oder am Ende des Wortes vorkommt.

Mit spielerischen Übungen wie "Wo hörst du bei dem Wort Onkel das "O"?" lernen Kinder nach und nach das Analysieren der Buchstabenreihenfolge in einem Wort. Nun wird das Geheimnis des Wortes OMA nach und nach gelüftet, und auch in anderen Worten, wie beispielsweise OPA, wird das "O" von den Kindern erkannt.

Diese sogenannte phonologische Bewusstheit, das genaue Hinhören und Lokalisieren von Lauten, hält man heute für die zentrale Grundlage des Schriftspracherwerbs. Verschiedene Testläufe, bei denen eine große Anzahl von Kindergärten im Vorschulbereich ein Programm zur Schulung dieser phonologischen Bewusstheit regelmäßig angewendet haben, zeigen erste Erfolge. Die Kinder sind weniger auffällig im Schriftspracherwerb, sie machen weniger Fehler und lernen schneller und leichter Lesen und Schreiben. Auch eine Lese- oder Rechtschreibschwäche wird seltener festgestellt.

Die Sorgfalt beim Vermitteln der Grundlagen des Lesens und Schreibens scheint sich auszuzahlen. Die Grundschulkinder beginnen ihre Schullaufbahn mit einer soliden Vorbildung im phonologischen Bereich. Eine flächendeckende Vorschulerziehung mit solch einem Programm hätte viele Vorteile, unter anderem auch eine Angleichung der Eingangsbedingungen aller Kinder.

Folgendes Programm ist wissenschaftlich begleitet und wird mit zunehmendem Erfolg eingesetzt: Hören, Lauschen, Lernen: Petra Küspert und Wolfgang Schneider, 1999

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