Was ist ein Legastheniker?
Als Legastheniker bezeichnet man heutzutage allgemein
Menschen, die überdurchschnittliche Schwierigkeiten
beim Erlernen des Lesens und/oder der Schriftsprache
haben, obwohl sie über eine "normale"
Intelligenz verfügen. In den meisten Fällen
haben die betroffenen Kinder nicht nur mit dem Schreiben
große Probleme, sondern entwickeln auch gegen
das Lesen eine Abneigung, da es ihnen sehr schwer
fällt. Im Laufe der Schulzeit wirkt sich die
Legasthenie auf fast alle Schulfächer aus,
da das Lesen und Schreiben zentraler Bestandteil
aller Fächer ist.
Und was ist Legasthenie?
Legasthenie ist eine resistente Störung (Sprachentwicklungsstörung),
deren Hauptmerkmal eine ausgeprägte Beeinträchtigung
der Entwicklung der Lese- und Rechtschreibfähigkeit
ist. Mit einer präzisen Diagnostik, einer klaren
Lernstrategie und einem einfühlsamen Unterrichtsstil
können Legastheniker ihre Schwierigkeiten Schritt
für Schritt überwinden.
Wann wird Legasthenie festgestellt?
Legasthenie wird in der Regel während der Schulzeit
festgestellt. Es gibt einen Test, der schon im Vorschulalter
auf eine Legasthenie Hinweise gibt - das Bielefelder
Screening. Ab der ersten Klasse erzielt man zur
Zeit mit der Hamburger Schreibprobe gute Einsichten
in den Schriftsprach - Entwicklungsstand der Grundschüler.
Besonders förderbedürftige Kinder werden
hiermit gut erkannt. Die Schulen, bzw. die Lehrkräfte
sind gehalten, den besonderen Förderbedarf
der Kinder per Klassenkonferenz festzustellen und
ihnen Förderunterricht zu erteilen. Dieser
Förderunterricht muss dokumentiert werden,
und nach Absprache mit den Eltern wird die Rechtschreibnote
vorerst ausgesetzt. Jedes Bundesland hat eigene
Bestimmungen zum Umgang mit der Lese- Rechtschreibschwäche.
In vielen Ländern haben die Betroffenen ein
Recht auf Nachteilsausgleich in Form von z.B. Notenschutz
oder Zeitzugaben. Leider passiert es immer wieder,
dass Legastheniker zu spät oder gar nicht erkannt
werden.
Kosten einer Förderung?
Ist eine legasthene Störung sehr ausgeprägt,
so dass eine eine drohende seelische Behinderung
befürchtet werden muss, wird eine außerschulische,
individuelle Förderung und Therapie notwendig.
Mit einer fachärztlichen Diagnose und einer
differenzierten Stellungnahme des/derzuständigen
Lehrers/Lehrerin können die Erziehungsberechtigten
versuchen, die Kosten für eine Legasthenietherapie
beim örtlichen Jugendamt nach den Richtlinien
des KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) über
den § 35a erstattet zu bekommen. Es bestehen
jedoch gezielte Bestrebungen, die Möglichkeit
zu streichen, da die Kommunen dadurch finanziell
hoch belastet sind. Ein neues Urteil in Hessen lässt die Jugendämter jedoch nicht aus der Verantwortung. Ein Kostenerstattung durch die
Krankenkassen ist in der Regel nicht möglich.
Legasthenietherapie
Eine Legasthenietherapie stellt das legasthene Kind
in den Mittelpunkt der Förderung und arbeitet
mit dessen positiven Ressourcen. Die Therapie erstreckt
über einen längeren Zeitraum und bezieht
Lehrer/innen und Eltern regelmäßig in
die Entwicklung ein. In unserem Konzept (AG Päd.
Lernförderung e.V.) wird anfangs einzeln gearbeitet,
später auch in kleinen Gruppen von bis zu drei
Kindern, im Durchschnitt mit zwei Stunden pro Woche.
Das verwendete Fördermaterial richtet sich
nach den Bedürfnissen der Kinder. Auf eine
Stärkung von Selbstbewusstsein und Motivation
der Schüler wird sehr viel Wert gelegt. Rund
70% der Legastheniker überhaupt, und auch in
unserer Einrichtung, sind Jungen.
[Legasthenie in der Schule]