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Legasthenie >> 27% sind Risikokinder
 
"27 Prozent sind Risikokinder" vom 30.7.2005
 

FULDA (af)
Eigentlich sollen Kinder am Ende des zweiten Schuljahres lesen können. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Noch am Ende der vierten Klasse kann jeder dritte Schüler nicht richtig lesen. Dies ist eine der vielen beunruhigenden Zahlen der oft zitierten Pisa-Studie. Und nur von 15 Prozent aus der entsprechenden Altersgruppe können 50 vorgegebene Wörter richtig schreiben.
27 Prozent eines Grundschuljahrgangs gelten inzwischen als Risikokinder, erläutert Dr. Michael Imhof. Der frühere Leiter des Lehrerfortbildungsinstitut Help ist seit Anfang des Jahres im Staatlichen Schulamt Fulda tätig. Diese Risikokinder haben große Probleme, lesen und schreiben zu erlernen. "Jungs sind besonders gefährdet", weist Imhof auf die Geschlechterunterschiede hin. Zwei Drittel der Risikogruppe sind seinen Angaben zufolge männlich.

Die Statistik verzeichnet noch mehr über Kinder und Jugendliche, die beim Lesenlernen Schwierigkeiten haben: 50 Prozent von ihnen finden sich in Hauptschulen. Eine gewisse Rolle spielt die Zuwanderung. Zwar haben 53 Prozent der Risikogruppe einen Migrationshintergrund, aber nur 36 Prozent sind nicht in Deutschland geboren. Dies bedeutet, dass auch hier geborene Kinder Sprachschwierigkeiten haben. Ein Hinweis auf Defizite bei der Integration.

Legasthenie ist hingegen nur ein Faktor für Schwierigkeiten bei Rechtschreibung und Leseverständnis. Nach Angaben der Psychologin Dr. Petra Küspert von der Universität Würzburg, der Autorin des Würzburger Trainingsprogramms, sind sieben bis neun Prozent der Kinder einer Jahrgangsstufe von dieser Lese-Rechtschreib-Schwäche betroffen; Jungs dreimal so häufig wie Mädchen. Dies bedeutet, dass 18 bis 20 Prozent eines Jahrgangs Lese- und Schreibprobleme haben, die nichts mit Legasthenie zu tun haben. Diese verwächst sich nach Küsperts Angaben allerdings nicht. Je früher aber eine Förderung einsetze, desto erfolgversprechender sei sie.

Werden von Legasthenie Betroffene nicht gefördert, so könne dies schwerwiegende Folgen haben. Küspert berichtet "von Angst, psychosomatischen Störungen bis hin zu massiven körperlichen Erkrankungen". Sei es erst soweit gekommen, lasse sich für das einzelne Kind "auch bei intensiver therapeutischer Unterstützung nur schwerlich ein Ausweg finden". [weiter]