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Zeugnis - verbale Beurteilungen - Was bedeutet das denn?

 

Zeugnisberichte besser verstehen
Bald ist es wieder soweit! Das Schulhalbjahr ist geschafft und Ihr Kind in der ersten oder zweiten Klasse bekommt eine schriftliche Aussage über seinen Leistungsstand in Form eines Zeugnisses. Doch nicht immer vermitteln die schriftlichen Formulierungen und begleitende Lehrergespräche Eltern ein klares Bild. Lesen Sie hier, wie Sie die Berichtszeugnisse Ihres Grundschulkindes leichter verstehen können.

 Aussagekräftige Zeugnisse sollten das Ziel jeder Schule sein, damit Eltern und Kinder nachvollziehen können, wo ihre Stärken und Schwächen sind und wie sie sich weiterentwickeln können. Je umfangreicher und differenzierter eine Beurteilung ist, desto klarer wird das Bild eines Kindes vermittelt. Die ausschließliche Benotung durch Ziffern, in der Grundschule ab dem Jahrgangszeugnis der 2.Klasse und der Sekundarstufe I mit den Noten1- 6, lässt viele Fragen offen. Verbale und schriftliche Beurteilungsformen sind da eindeutiger und werden in den ersten drei Grundschulhalbjahren bundesweit der reinen Ziffernbenotung vorgezogen. In freien Schulen oder Projektschulen wird zum Teil auch weit über die Grundschule hinaus die Form der schriftlichen Beurteilung, manchmal auch in Verbindung mit Ziffernoten, gewählt. Ab und zu werden auch Portfolios und weitere Formen der Schülerbeteiligung an der Leistungsbeurteilung an ausgewählten Schulen ausprobiert. Es finden sich beispielsweise:

  1. verbale Beurteilung in der ersten und zweiten Grundschulklasse
  2. Lernentwicklungsbericht mit Portfolio und Leistungsbeispielen in manchen Gesamtschulen oder Projektschulen
  3. Noten kombiniert mit verbalen Kommentaren zum Arbeits- und Sozialverhalten
  4. klassische Notenzeugnisse

Ausführliche Beurteilungen der Hauptfächer
Die Leistungen eines Grundschulkindes in den Hauptfächern Deutsch und Mathematik sind für Eltern besonders interessant, da die Empfehlung für eine weiterführende Schul e später hauptsächlich von ihnen abhängt. Deshalb sind die Leistungen in diesen Fächern auch in den ersten zwei Schuljahren schon ein ernst zu nehmendes Zeichen. Aber auch die zunehmend wieder eingeführten Kopfnoten geben wichtige Hinweise über das Arbeitsverhalten und die Leistungsbereitschaft . Ab dem Jahrgangszeugnis am Ende der 2. Klasse geben die Ziffernoten zumindest ein genaues Bild darüber ab, wie eine Lehrkraft das spezielle Kind einstuft. Doch wie sieht es am Anfang oder in der Mitte der zweiten Klasse aus? Was bedeutet es, wenn Ihr Kind eine Beurteilung " teilweise unsicher" für seinen Umgang mit dem Rechnern im Zehnerübergang erhält?

In den meisten Schulen werden bis zur Mitte der zweiten Klasse verbale und schriftliche Beurteilungen an Stelle von Noten vergeben. Doch nicht immer ist es für Eltern ganz einfach, diese Beurteilungen auch richtig zu verstehen.






Grundlage für Berichtszeugnisse
Die in den Zeugnissen festgehaltenen Bewertungen der Lehrerinnen und Lehrer erfolgen auf der Grundlage von Beobachtungen im Unterricht sowie von mündlichen, schriftlichen und anderen fachspezifischen Lernkontrollen. Die in diesen Zeugnissen festgehaltenen Beurteilungen über das Arbeit- und Sozialverhalten beziehen auch Beobachtungen mit ein, die sich über den Unterricht hinaus auch über das gesamte Schulleben erstrecken.

Von sicher bis sehr unsicher
Die verbalen Beurteilungen werden nicht wahllos erdacht sondern richten sich nach bestimmten Kriterien , die das Leistungsverhalten eines Kindes differenziert abbilden sollen. Zu den verschiedenen Bereichen der einzelnen Fächer werden die Leistungen der Schülerin oder des Schülers in vier aufeinander aufbauende Stufen eingeteilt. Im Vergleich mit dem Leistungsstand der gesamten Klasse wird das Können des einzelnen als sicher, überwiegend sicher, teilweise unsicher oder sehr unsicher (in Bayern werden die Kopfnoten Buchstaben A bis D benutzt) eingestuft. Jeder einzelne Lernbereich wird von den Lehrerinnen und Lehrern nun auf diese Einschätzung hin überprüft und entsprechend formuliert.

Beurteilungsbereiche in der 2. Klasse in Deutsch
Im Fach Deutsch geht im Verlauf des 2. Schuljahres im Großen und Ganzen darum, dass Ihr Kind Folgendes lernt:

  • lange unbekannte Wörter durchgliedern
  • bekannte Texte in Druck und Schreibschrift lesen
  • unbekannte Texte flüssig lesen
  • den Sinn unbekannter Texte entnehmen
  • Gedichte auswendig vortragen
  • zusammenhängend und verständlich erzählen
  • Geschichten folgerichtig gliedern
  • Geschichten einfallsreich schreiben
  • Wortarten erkennen
  • Sätze als Einheit erkennen
  • Texte fehlerfrei abschreiben
  • Großschreibung brachten
  • Wörterlisten nach dem ABC benutzen

 

Beurteilungsbereiche in der 2. Klasse in Mathematik
Im Fach Mathematik geht es am Ende des zweiten Schuljahres um die Beurteilung der folgenden Anforderungen

  • Darstellung der Zahlen im Zahlenraum bis 100
  • addieren und subtrahieren ohne Zehnerübergang
  • addieren und subtrahieren mit Zehnerübergang
  • Multiplikation verstehen
  • Division verstehen
  • bisher gelernte Einmaleins Reihen beherrschen
  • Kopfrechnen können
  • einfache Sachaufgaben mit Geld oder Längen lösen
  • Urzeiten lesen können und Zeitspannen ermitteln
  • einfache Flächenformen kennen
  • Muster fortsetzen und symmetrische Figuren ergänzen

Lehrer dürfen individuell formulieren
Um die bisher gelernten Inhalte und den Leistungsstand eines Schülers oder eine Schülerin in einem Zeugnisbericht wiederzugeben, stehen eine Lehrkraft eine ganze Reihe von Formulierungshilfen und Textbausteinen zur Verfügung. Jede Schule einigt sich dabei auf interne Standards für Inhalt, Stil und Form der Zeugnisberichte. Dies führt dazu, dass manche Beurteilungen sehr differenziert und recht lang ausfallen, andere jedoch kurz und knapp nur das Wichtigste wiedergeben. Vergleichen zwei Eltern der gleichen Klasse die Zeugnisse ihrer Kinder, so können sie daraufhin meist sehr genau einschätzen, wie die einzelnen Formulierungen gemeint sind. Werden jedoch zwei Zeugnisse unterschiedlicher Schulen und verschiedener Lehrer im selben Jahrgang verglichen, so kann es durchaus enorm große Unterschiede geben. Daher ist es verständlich, dass Eltern immer wieder die verbalen Aussagen in den Zeugnissen ihrer Kinder missverstehen und anders interpretieren, als sie eigentlich gemeint sind.

Fordern Sie das "er"klärende Gespräch
Jeder Lehrer, der Zeugnisse schreibt und seine Schülerinnen und Schüler dadurch beurteilt, sollte in der Lage sein seine Aussagen erklären und genauer begründen zu können. Fragen Sie also unbedingt nach, wenn sich Ihnen die genaue Aussage der Beurteilung Ihres Kindes nicht erschließt, oder wenn Sie in einigen Punkten abweichender Meinung sind. Auch die Lehrer sollten ein Interesse daran haben , dass Eltern sich um die Lernentwicklung ihrer Kinder kümmern und sie zu Hause darin adäquat unterstützen können.

 Nicht nur beurteilen sondern auch beraten
Eine Zeugnisbeurteilung dient nicht nur dazu die bisher geleisteten Anstrengungen eines Kindes präzise zu beschreiben, sie soll auch einen sinnvollen Weg für die weitere Lernzukunft aufzeigen. Leistungsbeurteilung sollen stärker als Lernberatung verstanden werden und damit der individuellen Förderung dienlich sein. Dabei sollte Ihr Kind aber auch erfahren, dass es eine Mitverantwortung für sein Lernen trägt. Sätze wie: " Du bist noch sehr unsicher beim Lesen unbekannter Texte. (schlechteste Bewertung auf der Skala). Versuche nicht nur in der Schule, sondern auch in deiner Freizeit etwas mehr zu lesen, damit dir dies in Zukunft besser gelingt," tragen dazu bei, dass Eltern und Kinder nicht im Trüben fischen, sondern konkrete Anregungen für den Lernfortschritt bekommen.

Nebenfächer und Schrift
Auch für die weiteren Schulfächer wie es Sachunterricht, Religion, Musik, Kunst, technisches und textiles Werken und Sport sowie die Schrift werden verbale Formulierungen im Zeugnis auftauchen. Hier wird beschrieben, ob Ihr Kind

  • Interesse an den behandelten Themen zeigt
  • Sachverhalte mündlich richtig wiedergeben kann
  • den Unterricht durch eigene Beiträge bereichert
  • Freude am Unterricht zeigt
  • Gestaltungsaufgaben sicher umsetzt
  • eigene Vorstellungen einbringt
  • Bewegungsaufgaben umsetzen kann
  • sauber und formgerecht schreibt
  • und seine Hefte und Mappen ordentlich führt.

Kopfnoten werden wieder wichtig
In immer mehr Bundesländern werden und wurden die inzwischen bereits fast bundesweit abgeschafften Kopfnoten nun sukzessive wiedereingeführt. Aussagen zum Arbeits- und Sozialverhalten sollen die Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten, dass die so genannten soft skills nicht unwichtig, sondern für das weitere Berufsleben durchaus von großer Bedeutung sind. Auch hier werden die geforderten Fähigkeiten meistens in vier Stufen beurteilt: Fast immer, überwiegend Ja, wechselnd, überwiegend nein .

Das Lern- und Arbeitsverhalten beinhaltet u.a.:

  • Interesse und Motivation (Offenheit, Neugier und Mitarbeit)
  • Konzentration und Ausdauer (Lerneifer und Anstrengungsbereitschaft)
  • Lern- und Arbeitsweise (Organisation, Präsentationen, Selbstständigkeit, Techniken und Fertigkeiten)

Das Sozialverhalten beinhaltet u.a.:

  • soziale Verantwortung (Hilfsbereitschaft, Toleranz, Regeleinhaltung, Verlässlichkeit)
  • Kooperation (Kontakt, Teamfähigkeit und Einfühlungsvermögen)
  • Kommunikation (Gesprächsverhalten, Zuhören, Aufgeschlossenheit)
  • Konfliktverhalten (Selbsteinschätzung, Kompromissbereitschaft, Konfliktlösung)

Fragen Sie, wenn Sie etwas nicht verstehen
Ebenso wie bei den Leistungsbeurteilungen sind auch in den Bereichen Arbeits- und Sozialverhalten viele Formulierungen möglich , die sich jedoch immer auf die oben gezeigten Inhalte beziehen. Ein typischer Satz wäre: " Du arbeitest (fast) immer planvoll und zielgerichtet - weiter so!" Diese sehr gute Beurteilung der Lern- und Arbeitsweise ist nicht mehr zu steigern. Steht hingegen im Zeugnis: " Du kannst dich noch nicht lange genug konzentrieren und bringst angefangene Arbeitsaufträge daher selten zu Ende ," ist Gefahr im Verzug. Hier wird eine nicht ausreichende Konzentrationsfähigkeit angesprochen, der Eltern und Lehrer gemeinsam auf den Grund gehen sollten. Ganz wichtig : Falls Sie sich Formulierungen nicht erklären können, sollten Sie auf jeden Fall das persönliche Gespräch suchen.