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Jungen besser fördern
Jungen sind nicht dümmer als Mädchen, das ist statistisch klar erwiesen. Sie sind ebenso interessiert, wissbegierig und begeisterbar wie Mädchen, nur eben in anderen Bereichen und auf andere Art und Weise. Ihre angeborenen Verhaltensweisen und Vorlieben und ihre körperliche Entwicklung entsprechen oft nicht den Anforderungen und Angeboten, die das moderne Bildungssystem ihnen präsentiert. Die typische Schule und der klassische Unterricht sind meistens nicht jungengerecht gestaltet. Wenn Ihr Sohn ein typischer Junge ist, könnte er in der Schule Schwierigkeiten bekommen.


Checkliste: Ist mein Sohn ein typischer Junge?


Was trifft auf Ihren Sohn zu?

Ja

Nein

1. Mein Sohn braucht viel Zuwendung.

 

 

2. Mein Sohn bewegt sich gerne und viel.

 

 

3. Mein Sohn liest nicht besonders gerne und zieht andere Beschäftigungen meistens vor.

 

 

4. Mein Sohn konzentriert sich eher kurz, nach ca. 20 Minuten braucht er eine Pause.

 

 

5. Mein Sohn ist für sein Alter noch sehr verspielt.

 

 

6. Mein Sohn tut sich eher schwer damit, seine Schnürsenkel zu binden oder mit Messer und Gabel zu essen.

 

 

7. Mein Sohn tobt und kämpft gerne mit anderen.

 

 

8. Mein Sohn ist eher impulsiv.

 

 

9. Mein Sohn kann sich gut orientieren.

 

 

10. Mein Sohn hat ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.

 

 

11. Mein Sohn ist sehr selbstbewusst.

 

 

12. Mein Sohn hat eine eher schlechte Schrift.

 

 

13. Die Schulhefte meinesSohnes sind eher unordentlich.

 

 

14. Mein Sohn hält sich bei Aufsätzen eher zurück und schreibt kurz und knapp.

 

 

15. Mein Sohn braucht beim Lernen Hilfe und Motivation.

 

 

16. Mein Sohn liebt es, seine Kräfte zu messen und Wettkämpfe auszutragen.

 

 

7 Tipps, wie Sie und Ihr Sohn typische Jungenprobleme meistern

  1. Alter: Sehen Sie genau hin!
    Sprechen Sie vor der Einschulung unbedingt mit den Erzieherinnen des Kindergartens , dem Kinderarzt und der Lehrerin, die Ihren Sohn vermutlich unterrichten wird. Fragen Sie genau nach, ob Ihr Kind wirklich intellektuell, emotional und körperlich der Einschulung gewachsen ist. Falls nicht, versuchen Sie über den Kinderarzt eine Rückstellungsempfehlung zu bekommen.

  2. Feinmotorik: Das lässt sich trainieren!
    Trainieren Sie unbedingt regelmäßig die feinmotorischen Fähigkeiten Ihres Sohnes. Das geht auch jungenfreundlich: mit Flugzeug-Bausätzen, beim Fahrradreparieren, beim Zubinden der Fußballschuhe, beim Entfernen von Zecken aus dem Hundefell, beim Notieren der Bowlingergebnisse oder beim Kartoffelschälen für selbstgemachte Chips zur Sportschau.

  3. Still sitzen: Muss ja nicht immer sein!
    Der Bewegungsdrang bei Jungen ist so groß, dass ihnen das lange Stillsitzen kaum gelingt. Suchen Sie einen anderen Weg, die Bewegung zu kanalisieren, ohne andere zu stören oder das Arbeiten unterbrechen zu müssen. Zum Beispiel mit einem Knautschball, der bei Unruhe in der Hand gedrückt werden kann - sogar im Unterricht. Oder bei den Rechenaufgaben barfuß unterm Schreibtisch Nüsse aufheben. Kritisieren Sie Ihren Sohn nicht, wenn er unruhig wird, sondern loben Sie lieber lange Phasen von Konzentration und Ruhe.
  1. Lesen: Mit Tricks wird das Problem kleiner!
    Bieten Sie Ihrem Sohn unkonventionelle Orte zum Lesen an. Der Text aus dem Schulbuch liest sich leichter in einer Hängematte (=Bewegung), im Baumhaus oder auf dem Heimtrainer. Natürlich sind auch Comics, Fußballzeitungen oder ein Hiphop Magazin als Lektüre erlaubt. Fragen Sie nach und lassen Sie sich erzählen, was Ihr Sohn da so interessiert gelesen hat.
  1. Impulsivität: Luft anhalten und zählen!
    Bei sehr impulsiven Jungen hilft nur ein Training. Üben Sie mit Ihrem Kind, vor jeder Gesprächsunterbrechung innerlich bis 5 zu zählen. Dabei wird Ihr Sohn gezwungen, sich zu überlegen, ob es seinen Einwurf wirklich direkt machen muss, oder besser einen guten Zeitpunkt dafür abpasst. Mit der Zeit automatisiert es dieses Verhalten und macht eine kleine Pause, bevor es etwas sagt. Das reicht meist, um die Impulsivität auszubremsen.
  1. Kämpfchen: Ohne Gewalt kein Problem!
    Körperliche Rangeleien sind für die meisten Jungen so schön, wie für Mädchen das lange Telefonat mit der besten Freundin. Geben Sie Ihrem Sohn dazu unbedingt die Gelegenheit. Schon kleine Jungen raufen wahnsinnig gerne mit dem Papa, später können sie eine Kampfsportart erlernen oder sich an einem Boxsack im Kinderzimmer austoben. Machen Sie Ihrem Sohn stets klar, wo die Grenzen sind. Niemand darf verletzt werden. Je mehr Ihr Sohn sich außerhalb der Schule austoben kann, desto weniger wird er diese Leidenschaft in der Schule ausüben.
  1. Hausaufgaben: Kurz und schmerzlos!
    Seien Sie von Anfang an kompromisslos, denn über die Hausaufgaben wird nicht diskutiert. Wenn Ihr Sohn vom ersten Schultag an verinnerlicht, dass zur Schule auch am Nachmittag noch die Hausaufgaben gehören, wird er sie bis zur Pubertät widerspruchslos erledigen. Beachten Sie aber auch hier: viel Bewegung einbauen, Lesen an unüblichen Orten, den PC als Motivation einsetzen und Lob für konzentriertes Arbeiten.

Lesen Sie mehr in Lernen und Fördern mit Spaß, dem monatlichen Newsletter von Dipl. Päd. Uta Reimann-Höhn