ADHS · MEDIKAMENTE · KINDER
ADHS Medikamente bei Kindern: Wirkung, Ritalin & Alternativen
Medikamente können bei ADHS ein wichtiger Bestandteil der Behandlung
sein. Sie sind aber weder für jedes Kind notwendig noch ersetzen sie
Beratung, pädagogische Unterstützung oder andere sinnvolle Maßnahmen.
Ob eine medikamentöse Behandlung infrage kommt, muss individuell
ärztlich entschieden werden.
Wichtig:
Nicht der Name eines Präparats steht am Anfang der Entscheidung.
Entscheidend sind unter anderem Alter, Ausprägung der ADHS,
Beeinträchtigungen im Alltag, mögliche Begleiterkrankungen und
die bisherige Behandlung.
Wann kommen Medikamente bei ADHS infrage?
Die Entscheidung für oder gegen Medikamente sollte gemeinsam mit
Fachpersonen getroffen werden. Dabei geht es nicht nur darum,
ob ein Kind unruhig oder unkonzentriert ist, sondern darum,
wie stark ADHS seinen Alltag tatsächlich beeinträchtigt.
👧 Das Kind
Alter, Symptome, Belastung, Begleiterkrankungen und persönliche
Bedürfnisse werden berücksichtigt.
🏠 Der Alltag
Wie stark beeinträchtigt ADHS Schule, Familie, Freundschaften
und das Wohlbefinden?
⚖️ Nutzen & Risiken
Erwartete Wirkung, mögliche Nebenwirkungen und Alternativen
werden gegeneinander abgewogen.
Welche ADHS-Medikamente gibt es?
Eltern begegnen vielen Präparatenamen. Wichtiger ist zunächst der
Wirkstoff dahinter. Zur medikamentösen Behandlung von ADHS stehen
unterschiedliche Wirkstoffe und Zubereitungsformen zur Verfügung.
| Wirkstoff |
Gruppe |
Einordnung |
| Methylphenidat |
Stimulans |
Einer der etablierten und häufig eingesetzten Wirkstoffe
zur Behandlung von ADHS.
|
| Lisdexamfetamin |
Stimulans |
Gehört ebenfalls zu den möglichen medikamentösen
Behandlungsoptionen.
|
| Amfetamin / Dexamfetamin |
Stimulans |
Weitere Wirkstoffe aus der Gruppe der Stimulanzien;
Auswahl und Einsatz erfolgen ärztlich.
|
| Atomoxetin |
Nicht-Stimulans |
Eine mögliche nicht-stimulierende Behandlungsoption.
|
| Guanfacin |
Nicht-Stimulans |
Kann bei Kindern und Jugendlichen unter bestimmten
Voraussetzungen eingesetzt werden.
|
Was sollen ADHS-Medikamente bewirken?
Ziel einer Behandlung ist nicht, ein Kind „ruhigzustellen“ oder
seine Persönlichkeit zu verändern. Eine erfolgreiche Behandlung
soll ADHS-Symptome und die damit verbundenen Beeinträchtigungen
verringern.
🎯
Aufmerksamkeit
Aufgaben besser verfolgen und weniger leicht abschweifen.
⏸️
Impulsivität
Reaktionen besser steuern und eher innehalten können.
🧩
Alltag
Schule, Beziehungen und Selbstorganisation besser bewältigen.
💡 Eine wichtige Frage:
Nicht nur „Wirkt das Medikament?“, sondern:
Was wird für dieses Kind im Alltag tatsächlich besser?
Eine Veränderung sollte an vorher vereinbarten Zielen beurteilt
und regelmäßig ärztlich überprüft werden.
Retardiert oder unretardiert – was bedeutet das?
Methylphenidat und andere Wirkstoffe können je nach Präparat
unterschiedlich freigesetzt werden. Deshalb können sich Einnahme,
Wirkverlauf und Wirkdauer unterscheiden.
⏱️ Unretardierte Präparate
Der Wirkstoff wird vergleichsweise rasch freigesetzt.
Wie lange die Wirkung anhält, ist individuell und hängt
vom jeweiligen Präparat ab.
🕒 Retardierte Präparate
Der Wirkstoff wird über einen längeren Zeitraum beziehungsweise
in mehreren Phasen freigesetzt. Das kann eine längere Abdeckung
des Tages ermöglichen.
Welches Präparat und welche Zubereitungsform geeignet sind,
hängt vom individuellen Tagesablauf, dem gewünschten Wirkprofil,
möglichen Nebenwirkungen und weiteren medizinischen Faktoren ab.
Ritalin & Methylphenidat
Was ist Ritalin eigentlich?
Ritalin ist ein Handelsname für ein Medikament mit dem Wirkstoff
Methylphenidat. Deshalb ist es sinnvoller, bei der Behandlung
zunächst über den Wirkstoff Methylphenidat zu sprechen und nicht
nur über einen einzelnen Produktnamen.
Ritalin ist nicht gleichbedeutend mit ADHS-Medikamenten
Der Begriff „Ritalin“ wird umgangssprachlich manchmal für
ADHS-Medikamente insgesamt verwendet. Das ist nicht korrekt.
Methylphenidat ist nur einer von mehreren Wirkstoffen, die bei
ADHS eingesetzt werden können.
1
Ritalin ist ein Präparat – Methylphenidat der Wirkstoff.
Auch andere Arzneimittel können Methylphenidat enthalten.
2
Nicht jedes Kind mit ADHS bekommt Methylphenidat.
Ob Medikamente überhaupt sinnvoll sind und welcher Wirkstoff
infrage kommt, wird individuell entschieden.
3
Die richtige Einstellung braucht Beobachtung.
Wirkung, Alltag und mögliche unerwünschte Wirkungen müssen
im Verlauf kontrolliert werden.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Wie andere Arzneimittel können auch ADHS-Medikamente unerwünschte
Wirkungen haben. Welche auftreten können, hängt unter anderem vom
Wirkstoff, vom Präparat und vom einzelnen Kind ab.
🍽️ Appetit
Bei Stimulanzien kann beispielsweise der Appetit vermindert sein.
🌙 Schlaf
Veränderungen beim Einschlafen oder Schlafen sollten beobachtet
und mit der behandelnden Praxis besprochen werden.
🤕 Körperliche Beschwerden
Beispielsweise Kopf- oder Bauchschmerzen können auftreten und
sollten bei der Verlaufskontrolle angesprochen werden.
❤️ Kreislauf
Auch körperliche Parameter wie Puls und Blutdruck gehören je nach
Medikament zur ärztlichen Verlaufskontrolle.
🩺 Medikamente brauchen Verlaufskontrollen
✓
Wirkt die Behandlung auf die vereinbarten Ziele?
✓
Gibt es unerwünschte Wirkungen?
✓
Wie entwickeln sich Appetit und Gewicht?
✓
Wie geht es dem Kind mit der Behandlung?
✓
Passt der Wirkverlauf zum Tagesablauf?
✓
Muss die Behandlung angepasst werden?
Häufige Fragen von Eltern
Wird mein Kind durch Medikamente „ruhiggestellt“?
Das ist nicht das Behandlungsziel. Ziel ist eine Verringerung
belastender ADHS-Symptome und eine bessere Bewältigung des Alltags.
Wirkt ein Kind ungewöhnlich gedämpft oder verändert, sollte das
mit der behandelnden Praxis besprochen werden.
Muss mein Kind Medikamente dauerhaft nehmen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Notwendigkeit
einer medikamentösen Behandlung sollte im Verlauf regelmäßig
überprüft werden.
Kann ich die Dosis selbst verändern?
Nein. Dosierung und Veränderungen der medikamentösen Behandlung
gehören in die Hände der behandelnden Ärztin oder des behandelnden
Arztes.
Was ist das beste ADHS-Medikament?
Ein allgemein „bestes“ Präparat gibt es nicht. Wirkstoff,
Zubereitungsform und Behandlung müssen zur individuellen
Situation passen.
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Über die Autorin
Uta Reimann-Höhn
Uta Reimann-Höhn ist Pädagogin, Lerntherapeutin und Autorin
zahlreicher Ratgeber rund um Lernen und Schule. Mit
lernfoerderung.de begleitet sie seit vielen Jahren Eltern und
Kinder durch den Lern- und Familienalltag – fundiert, praxisnah
und ohne Druck.
Bücher von Uta Reimann-Höhn zu ADS & ADHS
ADS / ADHS – Kinder stärken und unterstützen
Praktische Hilfen für Eltern und den Familienalltag.
AD(H)S in der Pubertät
Jugendliche stärken und Krisen meistern.