DYSKALKULIE · ANZEICHEN · CHECKLISTE
Dyskalkulie: Anzeichen erkennen
Dein Kind übt und übt – trotzdem bleiben selbst einfache
Rechenaufgaben schwierig? Es zählt kleine Mengen immer wieder
ab oder verwechselt Zahlen? Solche Beobachtungen können auf
besondere Rechenschwierigkeiten hinweisen. Sie bedeuten aber
noch nicht automatisch, dass eine Dyskalkulie vorliegt.
Wichtig: Eine Checkliste stellt keine Diagnose.
Einzelne Auffälligkeiten kommen bei vielen Kindern zeitweise
vor. Interessant wird es besonders dann, wenn mehrere
grundlegende Schwierigkeiten über längere Zeit bestehen,
trotz Übung kaum besser werden und den Mathematikunterricht
deutlich erschweren.
Checkliste: Mögliche Anzeichen einer Dyskalkulie
Kreuze gedanklich an, welche Beobachtungen du bei deinem Kind
häufiger machst. Entscheidend ist nicht ein einzelner Punkt,
sondern das Gesamtbild.
●●
1. Mengen und Zahlen
Kleine Mengen werden immer wieder einzeln abgezählt.
Das Kind kann Mengen nur schwer auf einen Blick erfassen.
Es fällt schwer zu entscheiden, wo mehr oder weniger ist.
Ziffer und dazugehörige Menge werden nicht sicher verbunden.
Vorgänger und Nachfolger einer Zahl sind häufig unsicher.
Zahlen auf einem Zahlenstrahl einzuordnen fällt schwer.
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2. Zahlaufbau und Stellenwerte
Zehner und Einer werden häufig verwechselt.
Zahlen wie 34 und 43 werden verwechselt oder vertauscht.
Der Aufbau unseres Zehnersystems bleibt schwer verständlich.
Zehnerübergänge bereiten außergewöhnlich große Schwierigkeiten.
Größere Zahlen können nur schwer gelesen oder eingeordnet werden.
Zahlen zu zerlegen – etwa 8 in 5 + 3 – fällt schwer.
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3. Rechnen und Rechenstrategien
Einfache Aufgaben werden lange durch Abzählen gelöst.
Rechenwege werden schnell wieder vergessen.
Plus und Minus oder andere Rechenoperationen werden verwechselt.
Das Kind kann seinen eigenen Rechenweg kaum erklären.
Bereits geübte Aufgaben wirken kurze Zeit später wieder völlig neu.
Ergebnisse werden geraten, statt aus Zahlbeziehungen abgeleitet.
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4. Einmaleins und weiterführendes Rechnen
Einmaleinsaufgaben werden nur schwer behalten.
Tauschaufgaben oder verwandte Aufgaben werden nicht erkannt.
Rechenregeln werden auswendig gelernt, aber nicht verstanden.
Überträge und Entbündelungen beim schriftlichen Rechnen bereiten große Probleme.
Rechnen mit Geld, Uhrzeiten oder Maßeinheiten fällt ungewöhnlich schwer.
Ergebnisse können nur schwer überschlagen oder auf Plausibilität geprüft werden.
Der entscheidende Punkt: Was bedeutet eine Zahl?
Zahl und Menge gehören zusammen
Eine geschriebene 5 zu erkennen ist etwas anderes, als eine
sichere Vorstellung von der Menge fünf zu besitzen. Gerade
solche grundlegenden Zahlvorstellungen sind für das weitere
Rechnen wichtig.
Viele Häkchen sind noch keine Dyskalkulie-Diagnose.
Die Checkliste hilft dir dabei, Beobachtungen zu sammeln und
Schwierigkeiten genauer zu beschreiben. Ob tatsächlich eine
Rechenstörung vorliegt, lässt sich daraus allein nicht ableiten.
Dafür ist eine fachliche Diagnostik notwendig.
Weitere Anzeichen im Schulalltag
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5. Sach- und Textaufgaben
Es fällt schwer, aus einer Geschichte die passende Rechnung abzuleiten.
Relevante und unwichtige Zahlen werden nur schwer unterschieden.
Das Kind weiß nicht, welche Rechenoperation zur Aufgabe passt.
Auch einfache mathematische Alltagssituationen wirken verwirrend.
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6. Orientierung und mathematische Begriffe
Begriffe wie mehr, weniger, größer oder kleiner sind unsicher.
Reihenfolgen und Zahlenfolgen bereiten Schwierigkeiten.
Links und rechts oder andere Lagebeziehungen können unsicher sein.
Räumliche oder geometrische Aufgaben fallen besonders schwer.
Auch das Verhalten kann sich verändern
Wenn Mathematik über längere Zeit immer wieder zu Misserfolgen
führt, kann das für ein Kind sehr belastend werden. Solche
Reaktionen sind keine eigentlichen Dyskalkulie-Merkmale, können
aber als Folge anhaltender Schwierigkeiten auftreten.
Mögliche Begleitreaktionen
Diese Reaktionen können viele Ursachen haben und sind deshalb
für sich genommen kein Hinweis auf eine Rechenstörung.
Mathe vermeiden
Hausaufgaben werden hinausgezögert oder möglichst vermieden.
Angst vor Klassenarbeiten
Schon vor Mathematiktests entsteht starke Anspannung.
„Ich kann kein Mathe“
Das Kind verliert zunehmend das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Ganz wichtig: Diese Anzeichen beweisen keine Dyskalkulie.
Rechenprobleme können unterschiedliche Ursachen haben.
Kinder entwickeln sich außerdem unterschiedlich schnell.
Auch Konzentration, Unterricht, Fehlzeiten, emotionale
Belastungen oder andere Lernschwierigkeiten können die
Mathematikleistung beeinflussen. Deshalb darf aus einer
Checkliste keine eigene Diagnose abgeleitet werden.
Was solltest du beobachten?
1
Wie häufig?
Tritt die Schwierigkeit nur gelegentlich auf oder immer wieder?
2
Wie lange?
Besteht das Problem seit wenigen Wochen oder schon über einen längeren Zeitraum?
3
Trotz Übung?
Wird es mit Erklärung und Übung besser oder bleiben grundlegende Probleme bestehen?
Wie wird Dyskalkulie sicher festgestellt?
Wenn du mehrere dieser Auffälligkeiten über längere Zeit bei
deinem Kind beobachtest, solltest du sie zunächst sammeln und
mit der Lehrkraft besprechen. Für die sichere Einordnung reicht
eine Checkliste aber nicht aus.
Vom Verdacht zur fachlichen Abklärung
Beobachtungen von Eltern und Lehrkräften sind wichtige
Informationen. Die eigentliche Diagnostik gehört jedoch
in fachkundige Hände.
1
Beobachten
Auffälligkeiten und typische Aufgaben notieren.
2
Schule einbeziehen
Mit der Lehrkraft über die Schwierigkeiten sprechen.
3
Fachliche Diagnostik
Geeignete standardisierte Untersuchungen durchführen lassen.
4
Förderung planen
Aus den Ergebnissen passende nächste Schritte ableiten.
Wo können Eltern Hilfe bekommen?
Welche Stelle vor Ort zuständig ist, kann regional unterschiedlich
sein. Geeignete Ansprechpartner können beispielsweise folgende
Stellen sein:
SP
Schulpsychologischer Dienst
Schulpsychologische Beratungsstellen können bei schulischen
Lernproblemen beraten und über geeignete Möglichkeiten
der weiteren Abklärung informieren.
EB
Erziehungs- und Familienberatungsstellen
Sie können Eltern beraten und je nach Angebot bei der
Suche nach einer geeigneten diagnostischen Stelle helfen.
Ψ
Psychologische oder psychotherapeutische Fachstellen
Qualifizierte Fachkräfte können eine umfassendere
diagnostische Abklärung durchführen oder an geeignete
Stellen weiterverweisen.
KA
Kinder- und Jugendärztliche Praxis
Auch die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann eine
erste Anlaufstelle sein und bei Bedarf weitere
diagnostische Schritte empfehlen.
Die Checkliste ist ein Hinweisgeber – kein Test.
Wenn du viele Punkte wiedererkennst, bedeutet das nicht
automatisch, dass dein Kind Dyskalkulie hat. Es bedeutet:
Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Sicherheit kann erst
eine fachliche Diagnostik geben.