Eine Nachricht an Freunde ist schnell getippt: „Kommst du später?“, „Schick mal die Hausaufgaben“ oder einfach ein 👍. Doch spätestens wenn du einer Lehrerin, einem Praktikumsbetrieb oder einem Verein schreiben möchtest, reicht das nicht mehr.
Eine gute E-Mail ist wie ein kurzer digitaler Brief: Die andere Person soll sofort erkennen, wer schreibt, worum es geht und was du von ihr möchtest.
E-Mails schreiben ist eine Alltagskompetenz
Eine Lehrkraft um einen Termin bitten, nach einem Praktikumsplatz fragen, sich für einen Kurs anmelden oder später eine Bewerbung verschicken: E-Mails wirst du immer wieder brauchen.
Deshalb lohnt es sich, schon in der Schule zu lernen, klar, höflich und verständlich zu schreiben.
Wann müssen Schülerinnen und Schüler E-Mails schreiben?
Schule
Lehrkraft kontaktieren, nachfragen, entschuldigen oder einen Termin vereinbaren.
Praktikum
Nach einem Praktikumsplatz fragen oder Unterlagen verschicken.
Alltag
Verein, Musikschule, Kursanbieter, Firma oder eine andere Einrichtung anschreiben.
So ist eine gute E-Mail aufgebaut
Eine E-Mail braucht keinen komplizierten Aufbau. Sechs Bausteine reichen meistens vollkommen aus.
Beispiel: E-Mail an eine Lehrerin
Sehr geehrte Frau Schneider,
ich habe noch eine Frage zu unserer Präsentation am Donnerstag. Dürfen wir dafür auch ein kurzes Video in die Präsentation einbauen?
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
Mit freundlichen Grüßen
Jonas Weber, Klasse 7b
Die 6 Bausteine einer E-Mail
Empfänger
Prüfe die E-Mail-Adresse genau. Ein falscher Buchstabe reicht und die Nachricht kommt nicht an.
Betreff
Schreibe kurz, worum es geht: „Frage zum Praktikum“ statt einfach nur „Hallo“.
Anrede
Zum Beispiel „Sehr geehrte Frau Becker,“ oder bei vertrauten Personen „Hallo Herr Klein,“.
Anliegen
Erkläre möglichst früh und verständlich, warum du schreibst.
Schlusssatz
Zum Beispiel: „Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.“
Gruß und Name
Beende eine formelle E-Mail zum Beispiel mit „Mit freundlichen Grüßen“ und deinem vollständigen Namen.
Der Betreff: klein, aber wichtig
Der Betreff ist wie eine Überschrift. Die Empfängerin oder der Empfänger soll schon vor dem Öffnen wissen, worum es geht.
Betreff: Hallo
Man weiß überhaupt nicht, worum es geht.
Betreff: Frage
Auch das ist viel zu ungenau.
Frage zur Mathearbeit am Freitag
Das Thema ist sofort klar.
Anfrage Schülerpraktikum Mai 2027
Auch ein Betrieb erkennt sofort das Anliegen.
Eine gute E-Mail beantwortet möglichst schnell drei Fragen: Wer schreibt? Warum schreibt die Person? Was möchte sie von mir?
Medienkompetenz heißt auch: den Bildschirm ausschalten können
Digitale Medien gehören zum Alltag – aber eben nicht zu jeder freien Minute. In meinem Buch „100 Ideen ohne Bildschirm“ findest du viele konkrete Ideen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene: kreativ sein, ausprobieren, spielen, bewegen und gemeinsam etwas erleben.
100 Ideen ohne Bildschirm ansehen Partnerlink zu AmazonEine E-Mail ist keine WhatsApp-Nachricht
Der Empfänger entscheidet über den Ton
Einer Freundin kannst du „Hi, bist du morgen da?“ schreiben. Eine Nachricht an eine Lehrkraft oder einen Praktikumsbetrieb braucht dagegen Anrede, vollständige Sätze und einen höflichen Abschluss.
Gute Kommunikation bedeutet auch, den eigenen Schreibstil an die Situation anzupassen.
Beispiel 1: E-Mail an eine Lehrkraft
Sehr geehrter Herr Wagner,
ich war am Dienstag krank und konnte deshalb nicht am Unterricht teilnehmen. Könnten Sie mir bitte sagen, welche Arbeitsblätter wir bearbeitet haben und welche Aufgaben ich nachholen soll?
Vielen Dank für Ihre Hilfe.
Mit freundlichen Grüßen
Lena Hoffmann, Klasse 8a
Beispiel 2: E-Mail für ein Schülerpraktikum
Sehr geehrte Frau Neumann,
ich besuche zurzeit die 8. Klasse der Beispielschule und interessiere mich sehr für den Beruf des Mediengestalters.
Deshalb möchte ich gerne fragen, ob es in Ihrem Unternehmen vom 3. bis 14. Mai 2027 die Möglichkeit gibt, ein Schülerpraktikum zu machen.
Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Sam Becker
Von WhatsApp zu E-Mail: Übersetze den Schreibstil
Chat
hi frau meier
war krank was muss ich machen
lg tim
Sehr geehrte Frau Meier,
ich war gestern krank und möchte die Aufgaben gerne nachholen.
Könnten Sie mir bitte mitteilen, was wir bearbeitet haben?
Vielen Dank und freundliche Grüße
Tim Schneider, 7a
Diese Fehler solltest du vermeiden
Die Empfängerin weiß vor dem Öffnen nicht, worum es geht.
Direkt mit dem Anliegen zu starten wirkt schnell unhöflich.
„hi“, „kp“, „pls“ oder nur Kleinschreibung passen nicht zu formellen Mails.
Die andere Person sollte nicht erraten müssen, was du möchtest.
Besonders Lehrkräfte müssen erkennen können, welches Kind geschrieben hat.
Vor dem Absenden prüfen, ob angekündigte Dateien wirklich angehängt sind.
Übung: Kannst du diese E-Mail verbessern?
Betreff: –
hallo
ich wollte fragen wegen praktikum ob das geht bei ihnen
können sie mal antworten
lg max
Was fehlt oder sollte verbessert werden?
- ein aussagekräftiger Betreff,
- eine passende Anrede,
- Informationen zu Schule und Zeitraum,
- eine verständliche Begründung,
- ein höflicher Schlusssatz,
- der vollständige Name.
Schreibe die E-Mail anschließend vollständig neu. So wird aus „irgendwie eine Nachricht schicken“ echte Schreibkompetenz.
Der 30-Sekunden-Check vor dem Absenden
E-Mail schreiben ist Schreibkompetenz und Medienkompetenz
Kinder müssen nicht nur wissen, welche Knöpfe sie in einer Mail-App drücken. Sie müssen einschätzen können, mit wem sie kommunizieren, welcher Ton angemessen ist und wie sie ihr Anliegen so formulieren, dass eine andere Person es versteht.



