Sitzt Ihr Kind manchmal am Schreibtisch und starrt verzweifelt auf seine Mathe-Hausaufgaben? Braucht es endlos lange, bis endlich mal die Ergebnisse auf dem Papier stehen? Es soll 20 zweistellige Aufgaben im Stil von 28 + 9 oder 94 – 15 ausrechnen. Ihre Erklärung, zunächst bis zum nächsten Zehner zu rechnen, scheint ungehört zu verhallen.

Matheschwäche

„Ich kann das nicht!“

Ihr Kind kapiert das einfach nicht oder nickt verzweifelt, ohne die Lösung auszurechnen. Wenn Ihr Kind dieses Verhalten häufig zeigt und mit Mathematik auf Kriegsfuß steht, könnte eine Matheschwäche Grundschule oder sogar eine Rechenstörung (Dyskalkulie) die Ursache sein. Aber Achtung, hierbei handelt es sich um zwei unterschiedliche Dinge.

Eine Matheschwäche ist noch keine Dyskalkulie

Für ein Kind Mitte der 2. oder in der 3. Klasse sollten solche Rechenaufgaben wie oben beschrieben lösbar sein. Für Kinder mit einer Matheschwäche stellen sie allerdings ein kleines Problem dar. Bei einer Matheschwäche braucht das Kind einfach etwas mehr Zeit, um die Zusammenhänge zu verstehen. Grundsätzlich ist es aber dazu durchaus in der Lage, auch wenn Verständnisprobleme das Lösen erschweren. Möglicherweise sind diese durch Unterrichtsausfall oder private Sorgen entstanden.

Circa 5 % aller Kinder haben eine Dyskalkulie

Kinder mit einer Rechenstörung oder Dyskalkulie verstehen hingegen die Sprache der Mathematik einfach nicht. Dass die Zahlen 6 oder 102 für bestimmte Mengen stehen, erschließt sich ihnen nur sehr langsam.  Das dekadische System, das Stellenwertsystem ist ihnen ein Rätsel. Von einer Störung oder Dyskalkulie, sind rund 5-6  % aller Kinder betroffen. Sie haben keine Vorstellung davon, um welche Mengen es geht und versuchen oft, die Aufgaben schlichtweg auswendig zu lernen oder zählend zu lösen. Ein positives Ergebnis ist dann einfach Glückssache.

So erkennen Sie eine Dyskalkulie frühzeitig

Obwohl Ihnen nur ein anerkanntes Testverfahren absolute Sicherheit geben kann, gibt es die viele Anhaltspunkte, die Eltern oder Lehrer aufmerksam machen sollten. Bei den folgenden beispielhaften Verhaltensweisen Ihres Kindes ist es sinnvoll, ein anerkanntes Testverfahren einzuleiten, um Sicherheit zu bekommen. Hierbei handelt es sich um einen Überblick, nicht um alle Merkmale.

Merkmale einer Dyskalkulie oder Rechenstörung

  • Ihr Kind zählt bei jeder Aufgabe aufs neue, anstatt leichtere und schnellere Zugangswege auszunutzen.
  • Ihr Kind lernt Aufgaben auswendig, was auch dazu führt, dass das Gedächtnis stark überlastet wird. Hier ist das Ende der Möglichkeiten schnell erreicht.
  • Ihr Kind verzählt sich oft um eins, zum Beispiel bei Brettspielen oder beim Bezahlen.
  • Ihr Kind kann mit seinem Taschengeld nicht umgehen.
  • Ihr Kind wendet Tricks mechanisch an, ohne sie zu verstehen, z.B. „Immer wenn du mit 10 multiplizierst, bekommt das Ergebnis eine 0 ans Ende.“
  • Auf einem Zahlenstrahl können die Werte nicht richtig zugeordnet werden.
  • Vorgänger und Nachfolger werden nicht richtig erkannt.
  • Platzhalter Aufgaben (18 – ? = 9) erscheinen Ihrem Kind unlösbar, es versteht sie einfach nicht.
  • Ihr Kind erkennt die Punktzahl auf einem Würfel nicht, sondern zählt sie jedes Mal neu.
  • Zehner und Einer werden beim Schreiben vertauscht, Kind schreibt 63 statt 36.

Testen Sie, ob eine Dyskalkulie bei Ihrem Kind vorliegen könnte

Mit unserem Check können Sie überprüfen, ob Ihre Bedenken nicht grundlos sind. Sprechen Sie unbedingt die Lehrkräfte Ihres Kindes auf eine Überprüfung seiner Fähigkeiten an, wenn die Checkliste Sie in Ihren Sorgen bestärkt.

So können Sie Ihrem Kind bei einer Matheschwäche helfen

Kinder mit einer Matheschwäche Grundschule benötigen gezielte Unterstützung, um nicht an den Aufgaben oder den schulischen Anforderungen im Fach Mathematik zu verzweifeln. Nachhilfe oder auch eine regelmäßige Aufarbeitung der Defizite durch die Eltern ist oft schon ausreichend. Speziell dafür ausgebildete Lerntherapeuten sind in der Regel notwendig, um eine Dyskalkulie in den Griff zu bekommen.

Im Internet, bei den örtlichen Erziehungsberatungsstellen oder direkt über das örtliche Jugendamt finden Sie geeignete Fachleute.