Mit dem Schulabschluss verschwindet eine Legasthenie nicht automatisch. Auch in einer Ausbildung können Lesen und Rechtschreiben eine wichtige Rolle spielen – in der Berufsschule, im Ausbildungsbetrieb und besonders bei Zwischen- oder Abschlussprüfungen.
Wo kann Legasthenie in der Ausbildung eine Rolle spielen?
Typische Schwierigkeiten können sehr unterschiedlich sein
Nicht jeder Jugendliche oder junge Erwachsene mit Legasthenie hat dieselben Probleme. Deshalb sollte auch die Unterstützung nicht nach einem festen Schema erfolgen.
Langsames Lesen
Umfangreiche Prüfungs- oder Fachtexte können deutlich mehr Zeit beanspruchen.
Rechtschreibung
Schriftliche Dokumentationen und Antworten können trotz guter Fachkenntnisse viele Rechtschreibfehler enthalten.
Fachbegriffe
Neue und ungewöhnliche Wörter können beim Lesen und Schreiben besonders anspruchsvoll sein.
Zeitdruck
Wenn Lesen und Schreiben mehr Zeit beanspruchen, kann eine Prüfung zusätzlich belastend werden.
Nachteilsausgleich in der Ausbildung
Bei Prüfungen kann ein Nachteilsausgleich dazu dienen, beeinträchtigungsbedingte Nachteile auszugleichen. Dabei werden nicht die fachlichen Anforderungen der Prüfung abgesenkt, sondern – wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – die Prüfungsbedingungen angepasst.
Welche Hilfen können infrage kommen?
Mehr Bearbeitungszeit
Je nach Einzelfall kann eine verlängerte Prüfungszeit eine mögliche Maßnahme sein.Technische Hilfsmittel
Unter bestimmten Voraussetzungen können zugelassene technische Hilfsmittel eingesetzt werden.Angepasste Organisation
Auch Pausen oder andere organisatorische Bedingungen können je nach Beeinträchtigung eine Rolle spielen.Angepasste Prüfungsform
In geeigneten Fällen können Veränderungen der Prüfungsform geprüft werden, sofern das eigentliche Prüfungsziel dadurch nicht verändert wird.So gehst du am besten vor
Warte damit nicht bis kurz vor der Prüfung. Informiere dich frühzeitig bei der für deine Ausbildung zuständigen Prüfungsstelle, welche Unterlagen sie benötigt und bis wann der Antrag gestellt werden muss.
Diese Fragen solltest du frühzeitig klären:
- Wer ist für meine Prüfung zuständig?
- Wann muss der Antrag auf Nachteilsausgleich gestellt werden?
- Welche Nachweise werden verlangt?
- Wie muss beschrieben werden, wie sich die Legasthenie auf die Prüfung auswirkt?
- Welche Maßnahmen kommen für diese konkrete Prüfung infrage?
- Muss für spätere Prüfungsteile erneut ein Antrag gestellt werden?
Berufsschule und Abschlussprüfung sind nicht dasselbe
Eine Unterstützung, die in der Berufsschule gewährt wurde, muss nicht automatisch genauso für eine Abschlussprüfung der zuständigen Kammer gelten. Deshalb solltest du dich nicht darauf verlassen, dass eine bisherige schulische Regelung einfach übernommen wird.
Legasthenie im Ausbildungsalltag: Was zusätzlich helfen kann
Nicht jede Unterstützung muss ein formeller Nachteilsausgleich sein. Im normalen Ausbildungsalltag können einfache Strategien helfen: Arbeitsaufträge übersichtlich strukturieren, Fachbegriffe gezielt sichern, digitale Hilfen sinnvoll einsetzen und für umfangreiche Texte genügend Zeit einplanen.
Auch hier gilt: Nicht möglichst viele Methoden ausprobieren, sondern herausfinden, welche Unterstützung die konkrete Schwierigkeit wirklich verringert.
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