Mit dem Schulabschluss verschwindet eine Legasthenie nicht automatisch. Auch in einer Ausbildung können Lesen und Rechtschreiben eine wichtige Rolle spielen – in der Berufsschule, im Ausbildungsbetrieb und besonders bei Zwischen- oder Abschlussprüfungen.

Die gute Nachricht: Auch nach der Schule können Unterstützungen und ein Nachteilsausgleich infrage kommen. Entscheidend ist, welche konkrete Beeinträchtigung besteht, welche Leistung geprüft wird und welche Prüfungsstelle zuständig ist.

Wo kann Legasthenie in der Ausbildung eine Rolle spielen?

🏫 Berufsschule Texte lesen, Fachbegriffe lernen und schriftliche Aufgaben bearbeiten.
🛠️ Ausbildungsbetrieb Anweisungen, Dokumentationen, Formulare oder Fachtexte sicher erfassen.
📝 Prüfungen Unter Zeitdruck Aufgaben lesen, verstehen und Antworten formulieren.

Typische Schwierigkeiten können sehr unterschiedlich sein

Nicht jeder Jugendliche oder junge Erwachsene mit Legasthenie hat dieselben Probleme. Deshalb sollte auch die Unterstützung nicht nach einem festen Schema erfolgen.

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Langsames Lesen

Umfangreiche Prüfungs- oder Fachtexte können deutlich mehr Zeit beanspruchen.

✏️

Rechtschreibung

Schriftliche Dokumentationen und Antworten können trotz guter Fachkenntnisse viele Rechtschreibfehler enthalten.

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Fachbegriffe

Neue und ungewöhnliche Wörter können beim Lesen und Schreiben besonders anspruchsvoll sein.

⏱️

Zeitdruck

Wenn Lesen und Schreiben mehr Zeit beanspruchen, kann eine Prüfung zusätzlich belastend werden.

Wichtig: Eine Legasthenie sagt nicht automatisch etwas darüber aus, wie gut jemand einen Beruf beherrscht. Entscheidend ist aber, welche Fähigkeiten im jeweiligen Ausbildungsberuf tatsächlich verlangt und geprüft werden.

Nachteilsausgleich in der Ausbildung

Bei Prüfungen kann ein Nachteilsausgleich dazu dienen, beeinträchtigungsbedingte Nachteile auszugleichen. Dabei werden nicht die fachlichen Anforderungen der Prüfung abgesenkt, sondern – wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – die Prüfungsbedingungen angepasst.

Entscheidend ist der Einzelfall: Welche Maßnahme infrage kommt, hängt von der konkreten Beeinträchtigung, der Prüfung und dem jeweiligen Berufsbild ab. Eine bestimmte Hilfe wird deshalb nicht allein aufgrund der Diagnose automatisch gewährt.

Welche Hilfen können infrage kommen?

⏱️

Mehr Bearbeitungszeit

Je nach Einzelfall kann eine verlängerte Prüfungszeit eine mögliche Maßnahme sein.
💻

Technische Hilfsmittel

Unter bestimmten Voraussetzungen können zugelassene technische Hilfsmittel eingesetzt werden.
☕

Angepasste Organisation

Auch Pausen oder andere organisatorische Bedingungen können je nach Beeinträchtigung eine Rolle spielen.
📝

Angepasste Prüfungsform

In geeigneten Fällen können Veränderungen der Prüfungsform geprüft werden, sofern das eigentliche Prüfungsziel dadurch nicht verändert wird.

So gehst du am besten vor

🔎 Bedarf klären
📞 Prüfungsstelle kontaktieren
📄 Nachweise einreichen
✅ Entscheidung abwarten

Warte damit nicht bis kurz vor der Prüfung. Informiere dich frühzeitig bei der für deine Ausbildung zuständigen Prüfungsstelle, welche Unterlagen sie benötigt und bis wann der Antrag gestellt werden muss.

Diese Fragen solltest du frühzeitig klären:

  • Wer ist für meine Prüfung zuständig?
  • Wann muss der Antrag auf Nachteilsausgleich gestellt werden?
  • Welche Nachweise werden verlangt?
  • Wie muss beschrieben werden, wie sich die Legasthenie auf die Prüfung auswirkt?
  • Welche Maßnahmen kommen für diese konkrete Prüfung infrage?
  • Muss für spätere Prüfungsteile erneut ein Antrag gestellt werden?

Berufsschule und Abschlussprüfung sind nicht dasselbe

Eine Unterstützung, die in der Berufsschule gewährt wurde, muss nicht automatisch genauso für eine Abschlussprüfung der zuständigen Kammer gelten. Deshalb solltest du dich nicht darauf verlassen, dass eine bisherige schulische Regelung einfach übernommen wird.

Mein Tipp: Wenn bereits Unterlagen über eine Lese- oder Rechtschreibstörung oder einen früher gewährten Nachteilsausgleich vorhanden sind, sammle sie frühzeitig. Frage dann die zuständige Prüfungsstelle, welche aktuellen Nachweise sie für deinen Antrag tatsächlich benötigt.

Legasthenie im Ausbildungsalltag: Was zusätzlich helfen kann

Nicht jede Unterstützung muss ein formeller Nachteilsausgleich sein. Im normalen Ausbildungsalltag können einfache Strategien helfen: Arbeitsaufträge übersichtlich strukturieren, Fachbegriffe gezielt sichern, digitale Hilfen sinnvoll einsetzen und für umfangreiche Texte genügend Zeit einplanen.

Auch hier gilt: Nicht möglichst viele Methoden ausprobieren, sondern herausfinden, welche Unterstützung die konkrete Schwierigkeit wirklich verringert.

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