Unaufmerksamkeit, Impulsivität oder ein starker Bewegungsdrang können dazu führen, dass ein Kind Arbeitsaufträge vergisst, dazwischenruft, Materialien verliert oder eine Aufgabe beginnt und kurz darauf schon wieder bei etwas anderem ist. Beim vorwiegend unaufmerksamen Erscheinungsbild – häufig noch als ADS bezeichnet – fallen Kinder dagegen manchmal eher durch Verträumtheit, langsames Beginnen oder häufiges Abschweifen auf.
Für Lehrkräfte ist das anstrengend. Für das Kind allerdings auch. Diese zehn Regeln können dabei helfen, Anforderungen überschaubarer zu machen und unnötige Konflikte zu vermeiden.
10 Regeln für Kinder mit ADHS oder ADS
Wenige Regeln – aber wirklich klare
Eine lange Liste von Verboten überfordert schnell. Beschränke dich auf einige zentrale Regeln, die verständlich formuliert sind und verlässlich gelten.
Arbeitsaufträge kurz formulieren
Lange mündliche Anweisungen gehen leicht verloren. Gib Aufgaben möglichst in kurzen Schritten und überprüfe, ob der erste Schritt verstanden wurde.
Besser: „Nimm dein Mathebuch. Schlag Seite 38 auf.“
Routinen sichtbar machen
Ein Tagesplan an der Tafel, feste Abläufe zu Stundenbeginn und wiederkehrende Übergänge geben Orientierung. Je weniger ein Kind selbst im Kopf behalten muss, desto mehr Aufmerksamkeit bleibt für die eigentliche Aufgabe.
Aufmerksamkeit herstellen, bevor du sprichst
Eine Anweisung hilft wenig, wenn das Kind sie gar nicht mitbekommen hat. Sprich es kurz mit Namen an oder vereinbare ein unauffälliges Signal, bevor du eine wichtige Information gibst.
Aufgaben in kleine Schritte teilen
Ein großes Arbeitsblatt kann überwältigend wirken. Kleine überschaubare Etappen erleichtern den Einstieg und geben schneller das Gefühl: „Das habe ich geschafft.“
Die 10 Regeln auf einen Blick
Du möchtest die wichtigsten Regeln im Lehrerzimmer, am Schreibtisch oder für ein Gespräch mit Eltern griffbereit haben?
Das Plakat fasst die 10 Regeln für Kinder mit ADHS oder ADS in der Schule übersichtlich zusammen. Du kannst es kostenlos öffnen, speichern und ausdrucken.
↓ Plakat kostenlos herunterladen PNG · zum Speichern und AusdruckenErwünschtes Verhalten konkret rückmelden
Ein allgemeines „Gut gemacht“ ist nett. Noch hilfreicher ist eine konkrete Rückmeldung, die dem Kind zeigt, was funktioniert hat.
Bewegung sinnvoll ermöglichen
Ein Kind mit starkem Bewegungsdrang muss nicht jede Minute vollkommen still sitzen. Kleine, klar vereinbarte Bewegungsmöglichkeiten können sinnvoller sein als ein dauernder Kampf um völlige Bewegungslosigkeit.
Ablenkungen reduzieren
Der Sitzplatz sollte so gewählt sein, dass das Kind möglichst gut arbeiten kann. Das bedeutet nicht automatisch Einzelplatz oder erste Reihe. Entscheidend ist, wo das einzelne Kind weniger abgelenkt wird und Unterstützung gut erreichen kann.
Nicht jede Kleinigkeit zum Konflikt machen
Ständiges Ermahnen kann dazu führen, dass der Unterricht für Kind und Lehrkraft fast nur noch aus Korrekturen besteht. Unproblematische kleine Unruhe muss nicht immer kommentiert werden. Bei störendem oder verletzendem Verhalten sind dagegen klare Grenzen notwendig.
Mit Eltern und Kind zusammenarbeiten
Was funktioniert zu Hause? Was klappt in anderen Unterrichtsstunden? Welche Vereinbarungen helfen bereits? Ein kurzer Austausch kann verhindern, dass Schule und Familie völlig unterschiedliche Strategien verfolgen.
Klare Sprache hilft mehr als allgemeine Ermahnungen
| Wenig hilfreich | Konkreter |
|---|---|
| „Konzentrier dich endlich!“ | „Lies jetzt Aufgabe 1 und unterstreiche die drei wichtigen Wörter.“ |
| „Sei nicht so unruhig!“ | „Bleib für diese Aufgabe an deinem Platz. Danach kannst du die Blätter austeilen.“ |
| „Pass besser auf!“ | „Schau bitte kurz zu mir. Jetzt kommt dein erster Arbeitsschritt.“ |
| „Du hast schon wieder nicht zugehört.“ | „Sag mir bitte, was du jetzt als Erstes machen sollst.“ |
Lernstrategien bei ADHS: Was im Unterricht zusätzlich hilft
Klare Regeln schaffen einen verlässlichen Rahmen. Beim Lernen selbst brauchen Kinder mit ADHS oder ADS häufig zusätzliche Unterstützung dabei, anzufangen, ihre Aufmerksamkeit bei der Aufgabe zu halten und den Überblick nicht zu verlieren.
Eine einfache 4-Schritte-Strategie
ADS: Die stillen Kinder nicht übersehen
ADHS zeigt sich nicht immer durch Herumlaufen, Zwischenrufen oder auffällige Unruhe. Kinder mit einem vorwiegend unaufmerksamen Erscheinungsbild – häufig noch als ADS bezeichnet – wirken manchmal ruhig und angepasst, sind gedanklich aber längst nicht mehr bei der Aufgabe.
Gerade weil sie den Unterricht weniger stören, können ihre Schwierigkeiten leichter übersehen werden.
Was tun, wenn die Regeln nicht funktionieren?
Auch eine gute Regel funktioniert nicht in jeder Situation. Wenn ein Kind sie immer wieder nicht einhalten kann, lohnt sich ein genauerer Blick.
Weiß das Kind genau, welches Verhalten erwartet wird?
Oder muss das Kind sie im Gedächtnis behalten?
Kann das Kind das erwartete Verhalten in dieser Situation ausreichend steuern?
Vielleicht ist nicht die Regel, sondern der Arbeitsauftrag das Problem.
Eine unmittelbare Rückmeldung ist meist hilfreicher als eine spätere lange Ermahnung.
Lehrkräfte müssen ADHS nicht allein auffangen
Schule kann Kinder mit ADHS oder ADS unterstützen – sie kann eine fachliche Diagnostik oder Behandlung aber nicht ersetzen. Bei anhaltenden Schwierigkeiten können beispielsweise Beratungslehrkräfte, Schulpsychologie, Schulsozialarbeit, sonderpädagogische Fachkräfte oder behandelnde Fachpersonen einbezogen werden.
Eltern und Schule: Was funktioniert bereits?
Beim Austausch sollte es nicht ausschließlich darum gehen, was nicht funktioniert. Oft ist die wichtigere Frage: Wann klappt es besser – und warum?
Solche Beobachtungen können helfen, funktionierende Strategien auch in anderen Situationen einzusetzen.
Mehr zu ADHS, ADS und Schule
Lernstrategien bei ADHS: Was im Unterricht zusätzlich hilft
Klare Regeln schaffen einen verlässlichen Rahmen. Beim Lernen selbst brauchen Kinder mit ADHS oder ADS häufig zusätzliche Unterstützung dabei, anzufangen, ihre Aufmerksamkeit bei der Aufgabe zu halten und den Überblick nicht zu verlieren.
Dabei helfen oft keine komplizierten Methoden. Kleine Veränderungen im Arbeitsablauf können bereits viel bewirken.
Eine einfache 4-Schritte-Strategie
Eine solche feste Reihenfolge kann immer wieder eingesetzt werden. Das Ziel ist nicht, dass eine Lehrkraft jeden Arbeitsschritt dauerhaft begleitet. Die äußere Struktur soll dem Kind zunächst helfen und kann später schrittweise reduziert werden, wenn es Abläufe zunehmend selbst übernimmt.
ADS: Die stillen Kinder nicht übersehen
ADHS zeigt sich nicht immer durch Herumlaufen, Zwischenrufen oder auffällige Unruhe. Kinder mit einem vorwiegend unaufmerksamen Erscheinungsbild – häufig noch als ADS bezeichnet – wirken manchmal ruhig und angepasst, sind gedanklich aber längst nicht mehr bei der Aufgabe.
Sie beginnen spät, verlieren sich in Einzelheiten, vergessen Arbeitsaufträge oder brauchen ungewöhnlich lange. Gerade weil sie den Unterricht weniger stören, können ihre Schwierigkeiten leichter übersehen werden.
Was tun, wenn die Regeln nicht funktionieren?
Auch eine gute Regel funktioniert nicht in jeder Situation. Wenn ein Kind sie immer wieder nicht einhalten kann, lohnt sich deshalb ein genauerer Blick. Wiederholte Schwierigkeiten bedeuten nicht automatisch, dass das Kind nicht will.
Weiß das Kind genau, welches Verhalten jetzt erwartet wird?
Oder muss das Kind sie zusammen mit vielen anderen Informationen im Gedächtnis behalten?
Kann das Kind das erwartete Verhalten in dieser Situation überhaupt ausreichend steuern?
Vielleicht ist nicht die Regel das Problem, sondern ein zu großer oder unklarer Arbeitsauftrag.
Eine unmittelbare und konkrete Rückmeldung ist meist hilfreicher als eine lange Ermahnung am Ende der Stunde.
Lehrkräfte müssen ADHS nicht allein auffangen
Auch die engagierteste Lehrkraft kann nicht gleichzeitig unterrichten, diagnostizieren und therapeutisch arbeiten. Schule kann Kinder mit ADHS oder ADS unterstützen – sie kann eine fachliche Diagnostik oder Behandlung aber nicht ersetzen.
Bei anhaltenden Schwierigkeiten können je nach Schule und Situation beispielsweise Beratungslehrkräfte, Schulpsychologie, Schulsozialarbeit, sonderpädagogische Fachkräfte oder behandelnde Fachpersonen einbezogen werden.
Eltern und Schule: Was funktioniert bereits?
Beim Austausch zwischen Eltern und Lehrkräften sollte es nicht ausschließlich darum gehen, was nicht funktioniert. Oft ist die wichtigere Frage: Wann klappt es besser – und warum?
Vielleicht arbeitet das Kind morgens konzentrierter, profitiert von kurzen Aufgaben, benötigt einen ruhigeren Arbeitsplatz oder reagiert besonders gut auf eine bestimmte Form der Rückmeldung. Solche Beobachtungen können helfen, funktionierende Strategien auch in anderen Situationen einzusetzen.
Mehr zu ADHS, ADS und Schule
Die zehn Regeln sind nur ein Teil des Schulalltags. Auf lernfoerderung.de findest du weitere Hilfen zu Konzentration, Arbeitsplatz, Schulstart und dem vorwiegend unaufmerksamen Erscheinungsbild von ADHS.



