AD(H(S | Arbeitsplatz | Schreibtisch: Das sollten Sie beachten

AD(H)S und SchreibtischAuf alle Eltern von Schulkindern kommt früher oder später die Frage nach einem Schreibtisch zu. Und auch der passende Stuhl muss besorgt werden. Selbstverständlich stellt sich diese Frage auch bei Kindern, die AD(H)S haben. Ist ein Kind besonders zappelig, können sich seine Eltern oft gar nicht vorstellen, dass es eine halbe Stunde oder länger am Schreibtisch sitzt und lernt. In der Tat ist das ein großes Problem.

Bei unkonzentrierten, impulsiven und möglicherweise hyperaktiven Kindern gibt es bei den Hausaufgaben oder dem Lernen zu Hause eine Reihe von Schwierigkeiten:

  • sie sind unmotiviert, weil ihnen das Sitzen am Schreibtisch keinen Spaß macht
  • sie lassen sich sehr leicht und sehr gerne ablenken, weil sie sowieso keine Lust zum Arbeiten haben
  • ihnen fällt ständig etwas herunter oder sie stoßen etwas um oder sie suchen etwas
  • oft wissen sie gar nicht, was sie am Schreibtisch machen sollen
  • sie finden keinen Anfang
  • sie finden weder die passenden Hefte, noch die Stifte oder Bücher
  • sie lauschen auf jedes Geräusch aus der Wohnung, sodass sie sich überhaupt nicht auf ihre Arbeit konzentrieren können
  • sie möchten nicht alleine sein, fühlen sich einsam

Eltern berichten über AD(H)S und Schreibtisch

Schreibtisch AD(H)SMutter von Leon, 3. Klasse: „Wir haben schon in der 1. Klasse einen tollen Schreibtisch gekauft, der sich gut verstellen lässt, aus Naturholz gemacht ist und mitwächst. Leon benutzt ihn häufig, aber nicht für die Hausaufgaben. Auf dem Tisch stapeln sich seine Farben und Malsachen, denn er ist ein begeisterter Zeichner. Die Hausaufgaben macht er nur mir in der Küche. Ohne meine ständige Kontrolle würde er sie nicht hinbekommen.“

Mutter von Clara, 4. Klasse: „Wir haben ein ganz normalen Schreibtisch, der nicht genutzt wird. Da stehen ihre Sammelbilder drauf, Hausaufgaben werden am auf dem Fußboden erledigt. Aber nicht ohne Hilfe.“

Vater von Nils, 3. Klasse: „Damit Nils seine Hausaufgaben an seinem Schreibtisch macht, müssten wir ihn in seinem Zimmer einsperren. Er hat überhaupt keine Lust, sich nach der Schule alleine mit seinen Hausaufgaben zu beschäftigen. Den schönen, neuen Arbeitsplatz hat er schon in der ersten Woche mit Filzstiften beschmiert und mit seiner Bastelschere etwas hinein geritzt. Wir würden nie wieder einen teuren Schreibtisch kaufen.

Die Lösungen der Eltern

AD(H)S und SchuleMutter von Sophie, 4. Klasse: Für jedes Unterricht Fach gibt es eine eigene Ablage. Mit der dazugehörigen Farbe. Z. B Englisch lila oder Deutsch rot. Und dann markieren wir noch auf dem Stundenplan die Fächer in den gleichen Farben.

Vater von Baptist, 2. Klasse: „Ich habe meinem Sohn einen weißen Schreibtisch gekauft und den dann mit ihm zusammen bunt angemalt. Auf die Wand, auf die er beim Arbeiten schaut, haben wir eine beruhigende Wald-Tapete geklebt. Ich selber hasste es schon als Kind, auf die langweilige Wand zu starren. Ich fand das furchtbar  und wollte für meinen Sohn etwas anderes. Baptist mag seinen Arbeitsplatz, auch wenn er immer wieder zum Lernen angehalten werden muss.“

Mutter von Sarah, 4. Klasse: „Bei uns ist das Problem nicht so sehr der Schreibtisch, sondern eher der Schreibtischstuhl. Erst hatten wir einen mit Rollen, mit dem ist Sara ständig durchs ganze Zimmer gerollt. Dann haben wir einfach einen Küchenstuhl an den Schreibtisch gestellt, aber das war auch nicht so gut. Jetzt haben wir uns einen einen Sitzhocker ohne Rollen geholt, auf dem Sara ihren Bewegungsdrang ausagieren kann. Das klappt sehr gut.

Schreibtisch bei ADHS: wenig Ablenkung und praktisch

Sitzhocker KindKinder mit ADHS müssen sich langsam ans selbstständige Lernen gewöhnen, das dauert eine ganze Zeit. Oft müssen die Eltern noch bis in die Pubertät hinein das Lernen kontrollieren, weil es alleine einfach nicht klappt. Ein Schreibtisch ist natürlich wichtig, aber in der Grundschule wird der häufig noch gar nicht optimal genutzt. Trotzdem sollte er höhenverstellbar sein, eine Rille am unteren Ende haben, damit die Stifte nicht dauernd auf die Erde rollen und über ein oder 2 Schubladen verfügen. 8 Tipps für den Kinderschreibtisch

Ein teures Modell kann ich Ihnen nicht empfehlen, denn mit großer Wahrscheinlichkeit wird ein Kind mit ADHS allerlei Unsinn mit seinem Schreibtisch anstellen. Es trommelt mit den Füßen gegen die Beine, wird etwas in die Platte ein oder verziert den Tisch mit fantasievollen Zeichnungen. Die passende Größe und die Stabilität sind die beiden wichtigsten Faktoren für den Schreibtisch bei ADHS.

Mein Tipp: Regen Sie sich nicht auf, wenn Ihr Kind den Schreibtisch beschmiert. Freuen Sie sich lieber darüber, dass es überhaupt am Schreibtisch sitzt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Dabei sollten Sie unbedingt darauf achten, den Schreibtisch positiv zu besetzen. Nutzen Sie ihn nicht als Strafe!!