Strafen in der Schule: Was Lehrer 2026 dürfen – und was verboten ist
Nachsitzen, Strafarbeit, Handy wegnehmen oder Unterrichtsausschluss: Welche Konsequenzen dürfen Lehrkräfte verhängen – und wo sind klare Grenzen?
Wer im Unterricht stört, ständig zu spät kommt, Hausaufgaben verweigert oder andere SchülerInnen beleidigt, muss mit Konsequenzen rechnen. Trotzdem darf eine Lehrkraft nicht einfach irgendeine Strafe verhängen. Konflikte mit Lehrkräften gehören dabei zu den häufigen Schulproblemen , bei denen Eltern zunächst genau klären sollten, was passiert ist.
Denn Schulrecht ist Ländersache. Die Regeln unterscheiden sich deshalb zwischen Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Berlin und den anderen Bundesländern. Entscheidend ist immer das jeweils geltende Schulgesetz und gegebenenfalls die Schulordnung.
Strafen in der Schule heißen heute meistens anders
Der Begriff „Strafe“ erinnert schnell an hundertfaches Abschreiben oder klassisches Nachsitzen. Im Schulrecht geht es jedoch vielmehr darum, auf Fehlverhalten pädagogisch zu reagieren und einen geordneten und sicheren Schulalltag zu gewährleisten.
Eine Konsequenz kann beispielsweise dazu dienen, versäumten Stoff nachzuholen, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen, einen Schaden wiedergutzumachen oder weitere Störungen zu verhindern.
Was dürfen Lehrer grundsätzlich – und was nicht?
- Ermahnung oder Gespräch
- passende Nacharbeit
- Wiedergutmachung
- Umsetzen im Klassenraum
- Nachsitzen
- Handy einziehen
- schriftlicher Verweis
- Unterrichtsausschluss
- körperliche Bestrafung
- Erniedrigung
- Bloßstellung
- willkürliche Sanktionen
Ist Nachsitzen 2026 noch erlaubt?
Ja, Nachsitzen beziehungsweise Nacharbeit ist nicht grundsätzlich abgeschafft. Die konkrete Ausgestaltung unterscheidet sich jedoch zwischen den Bundesländern.
Entscheidend ist beispielsweise: Warum soll dein Kind nachsitzen? Wie lange? Was soll es währenddessen tun? Und welche Regelung gilt im jeweiligen Bundesland?
Eltern sollten deshalb weder davon ausgehen, dass Nachsitzen immer erlaubt ist, noch dass es grundsätzlich verboten wäre. Mehr dazu findest du in meinem ausführlichen Beitrag über Strafarbeit und Nachsitzen in der Schule .
Darf eine Lehrkraft eine Strafarbeit aufgeben?
Hier kommt es besonders darauf an, was dein Kind tun soll und warum. Eine Aufgabe, die in einem nachvollziehbaren Zusammenhang mit dem Verhalten oder versäumtem Unterricht steht, ist etwas anderes als eine reine Beschäftigungs- oder Demütigungsstrafe.
Kommt es wegen einer solchen Maßnahme zum Konflikt, hilft meistens ein sachliches Gespräch mehr als eine Auseinandersetzung zwischen Tür und Angel. Wie du dich darauf vorbereitest, zeige ich dir in meinen Tipps für ein gutes Gespräch mit der Lehrkraft .
Was ist mit Kollektivstrafen?
Solche Situationen sind besonders problematisch, wenn Kinder bestraft werden, die an dem Fehlverhalten überhaupt nicht beteiligt waren.
Rechtlich muss auch hier zwischen pädagogischen Reaktionen und förmlichen Ordnungsmaßnahmen unterschieden werden. Gerade bei Ordnungsmaßnahmen spielt die individuelle Verantwortlichkeit eine wichtige Rolle.
War tatsächlich die gesamte Klasse an einer Störung beteiligt, darf eine Lehrkraft selbstverständlich mit der Gruppe arbeiten. Etwas anderes ist jedoch eine Sanktion nach dem Prinzip: „Einer war es – deshalb bestrafe ich alle.“
Welche Strafen sind eindeutig tabu?
Außerdem gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Ein vergessenes Arbeitsheft und massive Gewalt gegen andere Kinder sind völlig unterschiedliche Vorfälle und können nicht mit vergleichbaren Maßnahmen beantwortet werden.
Geht es nicht nur um Regelverstöße, sondern um Bedrohungen oder körperliche Übergriffe, findest du auf Reimann-Höhn einen ausführlichen Beitrag darüber, wie Eltern ihr Kind bei Gewalt und Bedrohungen in der Schule unterstützen können.
Erziehungsmaßnahme oder Ordnungsmaßnahme?
Diese Unterscheidung ist für Eltern besonders hilfreich. Nicht jede Reaktion einer Lehrkraft ist gleich eine förmliche Ordnungsmaßnahme.
Der Grundgedanke dahinter: Nicht jedes Fehlverhalten rechtfertigt sofort die stärkste mögliche Reaktion.
Wann kann ein Kind vom Unterricht ausgeschlossen werden?
Bei schwerem oder wiederholtem Fehlverhalten können Schulen deutlich weitergehende Maßnahmen ergreifen. Das kann beispielsweise bei massiver Gewalt, erheblichen Bedrohungen, schweren wiederholten Unterrichtsstörungen oder einer Gefährdung anderer Personen relevant werden.
Je schwerwiegender die Maßnahme ist, desto wichtiger werden die gesetzlichen Voraussetzungen, Zuständigkeiten und Verfahrensregeln des jeweiligen Bundeslandes. Zum möglichen äußersten Schritt findest du hier einen eigenen Überblick über Schulverweis, Rechte und Handlungsmöglichkeiten .
Was kannst du tun, wenn dir eine Strafe unangemessen erscheint?
Nicht jede unangenehme Konsequenz ist automatisch unzulässig. Gleichzeitig müssen Eltern eine Maßnahme, die ihnen fragwürdig erscheint, nicht einfach ungeprüft hinnehmen.
Für das Gespräch mit der Schule lohnt sich eine kurze Vorbereitung: Was genau ist passiert? Was sagt dein Kind? Welche Maßnahme wurde verhängt? Und was möchtest du im Gespräch erreichen? Meine Checkliste für das Lehrergespräch hilft dir dabei, die wichtigsten Punkte vorher zu sortieren.
Wenn hinter dem Konflikt mehr steckt
Manchmal ist eine schulische Sanktion nur der sichtbare Teil eines größeren Problems. Wird dein Kind beispielsweise wiederholt provoziert, ausgegrenzt oder gemobbt, sollte nicht nur das Verhalten deines Kindes betrachtet werden. Auf Reimann-Höhn findest du dazu meinen ausführlichen Beitrag Mobbing in der Schule erkennen und richtig reagieren .
Mehr zum Thema Schule und Konflikte
Entscheidend sind der konkrete Anlass, der pädagogische Zweck, die Verhältnismäßigkeit und vor allem das Schulrecht des jeweiligen Bundeslandes. Bei Zweifeln lohnt es sich deshalb, erst nachzufragen und dann die konkrete Regelung zu prüfen.



