PISA 2025: Was 15-Jährige heute können sollten – Checkliste für Eltern

PISA 2025 · Checkliste für Eltern

PISA 2025: Was 15-Jährige heute können sollten

Lesen, rechnen, Informationen beurteilen und Wissen anwenden: Die neuen PISA-Ergebnisse zeigen, wo Jugendliche Schwierigkeiten haben. Aber was bedeutet das ganz konkret für dein Kind?

Die PISA-Ergebnisse 2025 sind für Deutschland erneut ernüchternd. In Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erreichen 15-jährige Schülerinnen und Schüler die niedrigsten Werte, die für Deutschland seit Beginn der PISA-Studien gemessen wurden.

Viel wichtiger als ein Platz in einer internationalen Rangliste ist für Eltern aber eine andere Frage: Beherrscht mein Kind grundlegende Fähigkeiten, die es im Alltag, in der Ausbildung und später im Beruf tatsächlich benötigt?

PISA prüft nicht einfach Schulwissen. Jugendliche müssen Informationen verstehen, Zusammenhänge erkennen, Daten beurteilen und ihr Wissen auf neue Situationen übertragen. Genau deshalb können Eltern viele dieser Fähigkeiten auch im Alltag beobachten.

PISA 2025: Deutschland erreicht einen neuen Tiefstand

Nach dem ersten „PISA-Schock“ im Jahr 2000 verbesserten sich die Leistungen deutscher Schülerinnen und Schüler zunächst. Seit etwa Mitte der 2010er-Jahre zeigt die Entwicklung jedoch wieder nach unten.

464 Mathematik
Deutschland 2025
465 Lesen
Deutschland 2025
486 Naturwissenschaften
Deutschland 2025

Zum Vergleich: 2022 erreichten die Jugendlichen in Deutschland durchschnittlich 475 Punkte in Mathematik, 480 Punkte beim Lesen und 492 Punkte in den Naturwissenschaften.

Der Rückgang ist also nicht ausschließlich ein kurzfristiger Corona-Effekt. In Mathematik lag Deutschland 2012 beispielsweise noch bei 514 Punkten, beim Lesen wurden 2015 noch 509 Punkte erreicht.

Das größere Problem: Es fehlen Basiskompetenzen

Durchschnittswerte sind abstrakt. Für Eltern ist deshalb eine andere Zahl interessanter: 34 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland erreichen in Mathematik nicht Kompetenzstufe 2. Beim Lesen erreichen 68 Prozent mindestens Stufe 2, in den Naturwissenschaften 73 Prozent.

Das bedeutet nicht, dass diese Jugendlichen überhaupt nicht rechnen oder lesen können. Die Schwierigkeiten beginnen häufig dort, wo Wissen angewendet werden muss.

📖 verstehen
🔎 Informationen finden
🧩 Zusammenhänge erkennen
💡 Wissen anwenden

Gerade beim Lesen ist deshalb nicht nur entscheidend, ob dein Kind einen Text flüssig vorlesen kann. Es muss auch verstehen, was darin steht, wichtige Informationen erkennen und Aussagen beurteilen können. Mehr dazu findest du in meinen 7 Schritten zur Lesekompetenz .

Was wird bei PISA eigentlich geprüft?

PISA untersucht 15-Jährige und damit Jugendliche gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit. 2025 standen die Naturwissenschaften im Mittelpunkt. Zusätzlich wurden Mathematik und Lesen untersucht. Außerdem gehörte erstmals der innovative Bereich „Learning in the Digital World“ zur Erhebung.

Dabei geht es weniger um die Frage: „Kennst du diese Formel?“ Entscheidend ist vielmehr: Kannst du dein Wissen benutzen? Ein Jugendlicher soll beispielsweise Daten interpretieren, Lösungswege vergleichen oder aus einem Text die entscheidenden Informationen herausfiltern.

Checkliste 1: Lesen und Informationen verstehen

Mein Kind kann einen altersgerechten längeren Text lesen und anschließend erklären, worum es hauptsächlich geht.
Es kann gezielt eine bestimmte Information in einem Text finden.
Es erkennt wichtige und weniger wichtige Informationen.
Es kann Informationen aus verschiedenen Textstellen miteinander verbinden.
Es kann eine Aussage mit Informationen aus dem Text begründen.
Es versteht auch Texte, bei denen nicht jede Information ausdrücklich genannt wird.
Es kann zwischen einer Tatsache und einer Meinung unterscheiden.
Es kann überlegen, ob ein Text informieren, überzeugen oder beispielsweise etwas verkaufen möchte.
PISA-Basisniveau: Ein 15-Jähriger sollte mindestens die Hauptaussage eines mittelschweren Textes erkennen, Informationen nach bestimmten Kriterien finden und über Zweck und Form eines Textes nachdenken können.

Checkliste 2: Mathematik im Alltag

Mein Kind kann Prozentangaben aus dem Alltag verstehen und damit rechnen.
Es kann Preise vergleichen und Rabatte ungefähr einschätzen.
Es versteht einfache Tabellen und Diagramme.
Es kann Entfernungen, Zeiten, Mengen und Größen miteinander vergleichen.
Es erkennt bei einer Alltagssituation, welche Rechnung benötigt wird.
Es kann einen Lösungsweg nachvollziehbar erklären.
Es kann abschätzen, ob ein berechnetes Ergebnis realistisch sein kann.
Es kann Informationen aus Texten, Tabellen oder Grafiken miteinander verbinden.
PISA-Basisniveau: Jugendliche auf Kompetenzstufe 2 können eine einfache Situation selbstständig mathematisch erfassen – beispielsweise zwei Routen vergleichen oder mit einem vorgegebenen Wechselkurs rechnen.

Checkliste 3: Naturwissenschaften verstehen

Mein Kind kann bei einem bekannten naturwissenschaftlichen Phänomen eine plausible Erklärung erkennen.
Es versteht, dass Behauptungen durch Daten oder Beobachtungen überprüft werden müssen.
Es kann aus einer einfachen Tabelle oder Grafik eine Schlussfolgerung ziehen.
Es erkennt, wenn vorhandene Daten eine Behauptung nicht ausreichend belegen.
Es kann zwischen Beobachtung und Schlussfolgerung unterscheiden.
Es versteht einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge.
Es kann Wissen auf Themen wie Gesundheit, Ernährung, Klima, Energie oder Umwelt anwenden.
Es fragt bei wissenschaftlich klingenden Behauptungen: „Woher weiß man das eigentlich?“
PISA-Basisniveau: Mit 15 Jahren sollte ein Jugendlicher bekannte wissenschaftliche Phänomene erklären beziehungsweise passende Erklärungen erkennen und anhand einfacher Daten beurteilen können, ob eine Schlussfolgerung gerechtfertigt ist.

Digital denken: eine immer wichtigere Kompetenz

PISA 2025 hat erstmals auch den Bereich „Learning in the Digital World“ erhoben. Dabei geht es unter anderem darum, digitale Werkzeuge zum Lernen und Problemlösen einzusetzen, den eigenen Lösungsweg zu kontrollieren und Strategien anzupassen.

Wichtig zum Stand 2026:
Die vollständigen Ergebnisse dieses neuen PISA-Bereichs werden erst 2027 veröffentlicht. Die folgenden Punkte sind deshalb keine deutsche PISA-2025-Rangliste, sondern eine Orientierung an den Kompetenzen, die in diesem Bereich untersucht werden.
Mein Kind überlegt bei einem digitalen Problem zunächst, worin das Problem bestehen könnte.
Es kann Informationen aus verschiedenen digitalen Quellen zusammenführen.
Es überprüft, ob eine Internetquelle glaubwürdig ist.
Es kann eine Aufgabe in kleinere Schritte zerlegen.
Es verändert seine Strategie, wenn der erste Lösungsweg nicht funktioniert.
Es übernimmt Ergebnisse von Suchmaschinen oder KI nicht grundsätzlich ungeprüft.

Gerade beim Umgang mit künstlicher Intelligenz wird diese Fähigkeit immer wichtiger. KI kann beim Lernen unterstützen – sie sollte das eigene Denken aber nicht ersetzen. Mehr dazu findest du in meinem Beitrag Künstliche Intelligenz im Klassenzimmer .

Lernen lernen: Kann dein Kind sein Lernen selbst steuern?

PISA betrachtet nicht nur fachliche Leistungen, sondern auch Einstellungen und Verhaltensweisen beim Lernen. Für Jugendliche wird zunehmend wichtig, dass sie ihr Lernen selbst organisieren, überprüfen und verändern können.

🗓️ Planen
Was muss ich lernen – und wann fange ich an?
🔍 Überprüfen
Habe ich das wirklich verstanden oder nur gelesen?
🔄 Strategie ändern
Was mache ich, wenn mein bisheriger Lernweg nicht funktioniert?

Wenn dein Kind hier Schwierigkeiten hat, findest du auf Reimann-Höhn weitere Anregungen zum Lernen lernen und zur Lernorganisation .

Digitale Ablenkung gehört ebenfalls zum Problem

Digitale Medien sind nicht grundsätzlich schlecht fürs Lernen. Entscheidend ist, wie sie eingesetzt werden. PISA 2025 zeigt erneut einen Zusammenhang zwischen digitaler Ablenkung im Unterricht und schlechteren Lernergebnissen.

Gleichzeitig gehören KI, Suchmaschinen und digitale Lernangebote längst zum Alltag vieler Jugendlicher. Deshalb müssen sie lernen zu unterscheiden: Wann hilft mir ein digitales Werkzeug beim Denken – und wann nimmt es mir das Denken ab?

Was Eltern aus PISA 2025 mitnehmen können

Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass du dein Kind nun mit noch mehr Übungsblättern beschäftigen solltest. Viel sinnvoller ist es, Wissen immer wieder im Alltag anzuwenden.

📰 Beim Lesen „Was ist eigentlich die wichtigste Aussage dieses Artikels?“
🛒 Beim Einkaufen „Welches Angebot ist wirklich günstiger?“
📊 Bei einer Grafik „Was können wir daraus ablesen – und was gerade nicht?“
🤖 Bei KI & Social Media „Woher kommt diese Behauptung und welche Belege gibt es dafür?“

Genau solche kleinen Alltagssituationen trainieren Fähigkeiten, die über das reine Auswendiglernen hinausgehen: Informationen verstehen, Wissen anwenden, Ergebnisse hinterfragen und selbstständig Lösungen finden.

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Nicht nur: „Welche Note hat mein Kind in Mathe oder Deutsch?“ Sondern: Kann mein Kind das, was es gelernt hat, auch anwenden, wenn die Aufgabe einmal anders aussieht als im Schulbuch? Genau diese Fähigkeit wird für Schule, Ausbildung und Alltag immer wichtiger.

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