Eben noch fröhlich, plötzlich wütend und kurz darauf traurig: Kinder erleben jeden Tag viele unterschiedliche Gefühle. Doch nicht immer können sie sagen, was gerade in ihnen vorgeht.
Gefühle verstehen beginnt mit dem Erkennen. Wenn dein Kind seine Gefühle benennen kann, fällt es ihm mit der Zeit leichter, darüber zu sprechen und mit ihnen umzugehen.
Welche Gefühle gibt es bei Kindern?
Natürlich gibt es noch viele weitere Gefühle: Stolz, Neid, Unsicherheit, Eifersucht oder Dankbarkeit. Manchmal treten mehrere Gefühle gleichzeitig auf.
Gefühle sind wie das Wetter
Kein Wetter bleibt für immer. Auch Gefühle können sich verändern.
Was bewirken Gefühle bei deinem Kind?
Im Körper
Angst kann Herzklopfen auslösen. Wut macht manchmal ganz angespannt.
Beim Lernen
Starke Sorgen oder Ärger können die Konzentration erschweren.
Im Miteinander
Enttäuschung kann Rückzug auslösen, Wut manchmal Streit.
Für die Entwicklung
Gefühle verstehen hilft, sich selbst und andere besser kennenzulernen.
Warum auch Wut, Angst und Traurigkeit wichtig sind
„Sei nicht traurig!“
„Du brauchst keine Angst zu haben!“
„Ich sehe, dass du traurig bist.“
„Was macht dir gerade Angst?“
Alle Gefühle sind erlaubt – aber nicht jedes Verhalten. Dein Kind darf wütend sein. Es darf deshalb aber niemanden schlagen oder verletzen.
Und wenn dein Kind nicht über seine Gefühle sprechen möchte? Dann kann es helfen, Gefühle einfach zu zeigen. Im nächsten Abschnitt lernst du unser kostenloses Launometer kennen – ein Stimmungsbarometer zum Ausdrucken und gemeinsamen Ausprobieren.
Gefühle sichtbar machen: Das kostenlose Launometer
Manchmal möchte dein Kind dir zeigen, wie es ihm geht, ohne lange darüber zu sprechen. Genau dafür gibt es unser Launometer: ein einfaches Stimmungsbarometer mit sieben Gesichtsausdrücken und einem verschiebbaren Anzeiger.
Mein Launometer zum Ausdrucken
Gemeinsam basteln, Gefühle entdecken und miteinander ins Gespräch kommen. Die Vorlage eignet sich für zu Hause und als freiwillige Übung in der Grundschule.
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So lernt dein Kind, Gefühle auszudrücken
Das Launometer funktioniert am besten ohne Druck. Du kannst deinem Kind anbieten, den Anzeiger zu verschieben. Ob es anschließend darüber sprechen möchte, entscheidet es selbst.
1. Wahrnehmen
„Wie fühlt sich mein Körper gerade an?“
2. Zeigen
„Welches Gesicht passt zu meiner Stimmung?“
3. Mitteilen
„Möchte ich erzählen, was passiert ist?“
Mein Tipp: Nutzt das Launometer nicht nur bei Wut oder Traurigkeit. Auch Freude, Stolz und Entspannung verdienen Aufmerksamkeit. So wird das Gefühlsbarometer nicht zum „Problem-Melder“, sondern zu einem normalen Bestandteil eures Alltags.
Wie gehst du mit schwierigen Gefühlen deines Kindes um?
Dein Kind ist wütend, weil es beim Spielen verloren hat. Oder es weint, weil es nicht zum Geburtstag eingeladen wurde. Vielleicht möchtest du die Situation sofort lösen. Häufig hilft es aber mehr, zunächst das Gefühl wahrzunehmen.
„Das ist doch nicht so schlimm. Jetzt hör auf zu weinen!“
„Du bist sehr enttäuscht. Ich verstehe, dass dich das traurig macht.“
Ein Gefühl ernst zu nehmen bedeutet nicht, jedem Wunsch nachzugeben. Du kannst Verständnis zeigen und gleichzeitig bei einer notwendigen Grenze bleiben.
Vier schwierige Gefühle – vier hilfreiche Reaktionen
„Du bist richtig sauer.“ Bleibe möglichst ruhig und verhindere, dass jemand verletzt wird. Erst wenn sich dein Kind beruhigt hat, sucht ihr nach einer Lösung.
„Ich bin da, wenn du mich brauchst.“ Biete Nähe an, ohne sofort aufzumuntern oder das Problem kleinzureden.
„Was macht dir gerade am meisten Sorgen?“ Höre zu, gib Sicherheit und überlegt gemeinsam, welcher kleine Schritt helfen könnte.
„Du hattest dir das anders gewünscht.“ Lass die Enttäuschung zunächst zu. Später könnt ihr überlegen, wie es weitergeht.
Eine kleine Übung: Das Gefühlswetter
Neben dem Launometer kannst du mit deinem Kind eine einfache Übung ausprobieren, die Gefühle in Bilder übersetzt.
🌤️ Wie ist dein inneres Wetter heute?
- Frage dein Kind: „Scheint bei dir gerade die Sonne oder gibt es eher Regenwolken?“
- Lass dein Kind sein Gefühlswetter malen oder beschreiben.
- Frage vorsichtig: „Was würde dir bei diesem Wetter guttun?“
- Erzähle auf Wunsch auch von deinem eigenen Gefühlswetter.
Diese Übung eignet sich besonders für Kinder, denen es leichter fällt, Bilder zu finden als Gefühle direkt zu benennen.
Gefühle verstehen stärkt wichtige Soft Skills
Wer die eigenen Gefühle besser erkennt, kann nach und nach auch lernen, die Gefühle anderer wahrzunehmen. Das gehört zu den sozialen und persönlichen Kompetenzen, die Kinder für Freundschaften, Schule und Alltag brauchen.
Wenn Angst, Traurigkeit oder starke Wut über längere Zeit den Alltag erheblich beeinträchtigen, dein Kind sich stark zurückzieht oder sich beziehungsweise andere gefährdet, solltest du fachlichen Rat einholen. Eine Kinderärztin, ein Kinderarzt oder eine Erziehungsberatungsstelle kann eine erste Anlaufstelle sein.
Fazit: Dein Kind muss nicht immer glücklich sein
Entscheidend ist nicht, unangenehme Gefühle zu verhindern. Dein Kind soll erfahren, dass es mit Freude, Wut, Angst und Traurigkeit angenommen wird. Du kannst ihm helfen, Gefühle zu erkennen, auszudrücken und einen guten Umgang damit zu finden.
Das Launometer ist dafür ein kleiner, alltagstauglicher Anfang: Manchmal genügt ein Gesichtsausdruck, damit ein Gespräch beginnen kann.



