Viele Eltern kennen das: Beim Lego, Zeichnen oder Computerspiel bleibt ihr Kind lange bei der Sache – bei den Hausaufgaben schweifen die Gedanken dagegen schnell ab. Wie passt das zusammen? Die Antwort liegt darin, dass Konzentration keine Stoppuhr-Fähigkeit ist.
Wie lange sollte sich ein Kind konzentrieren können?
Darauf gibt es keine einfache Antwort. Die Fähigkeit, Aufmerksamkeit bewusst zu steuern und über längere Zeit aufrechtzuerhalten, entwickelt sich während der Kindheit weiter. Jüngere Kinder lassen sich leichter durch neue und interessante Reize ablenken.
Aber auch zwei gleichaltrige Kinder können sich sehr unterschiedlich lange mit derselben Aufgabe beschäftigen. Deshalb sind Tabellen wie „6 Jahre = 15 Minuten, 10 Jahre = 25 Minuten“ höchstens grobe Orientierung – und keine Messlatte dafür, ob mit einem Kind etwas nicht stimmt.
Schau darauf, wobei dein Kind die Konzentration verliert, wann das passiert und unter welchen Bedingungen es deutlich besser klappt.
Konzentrationsspanne hängt nicht nur vom Alter ab
Interesse
Was spannend und verständlich ist, bindet Aufmerksamkeit leichter.Anforderung
Zu leichte und zu schwere Aufgaben können Konzentration erschweren.Tagesform
Müdigkeit, Hunger, Stress und schlechte Stimmung spielen ebenfalls eine Rolle.So entsteht Konzentration
Konzentration bedeutet nicht, dass ein Kind möglichst lange still auf ein Blatt schaut. Es muss seine Aufmerksamkeit immer wieder auf das Wesentliche richten und Unwichtiges ausblenden.
Reiz wahrnehmen
auswählen
dabeibleiben
Ablenkung ausblenden
Aufgabe beenden
Diese Fähigkeiten entwickeln sich mit zunehmendem Alter. Deshalb ist es völlig normal, dass ein Grundschulkind seine Aufmerksamkeit noch nicht genauso steuern kann wie ein Jugendlicher oder Erwachsener.
Beobachte lieber Situationen statt Minuten
🟢 Konzentration gelingt
Dein Kind versteht die Aufgabe, beginnt selbstständig, bleibt eine Weile dabei und findet nach kleinen Ablenkungen wieder zurück.
🟠 Konzentration bricht ab
Dein Kind springt zwischen Aufgaben, beginnt immer wieder neu, verliert den Faden oder braucht ständig Aufforderungen von außen.
Gerade dieser Vergleich ist hilfreich: Was ist in den Situationen anders, in denen es gut funktioniert? Oft findet man hier bereits Ansatzpunkte, ohne sofort an ADHS oder eine Konzentrationsstörung denken zu müssen.
Uta Reimann-Höhn über Konzentration und ADHS
Ich bin Diplom-Pädagogin, Lerntherapeutin und Autorin und beschäftige mich seit vielen Jahren mit Kindern, denen Lernen, Konzentration oder die Steuerung ihrer Aufmerksamkeit schwerfällt. Mir ist besonders wichtig, nicht nur auf Schwierigkeiten zu schauen, sondern herauszufinden, unter welchen Bedingungen ein Kind gut lernen und seine Stärken zeigen kann.
AD(H)S – So stärken Sie Ihr Kind
Ein Ratgeber für Eltern, die ihr Kind besser verstehen und es im Familien- und Lernalltag gezielt unterstützen möchten.
AD(H)S in der Pubertät
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Wird die Konzentrationsspanne von Kindern immer kürzer?
Kinder wachsen heute mit Smartphone, Videos, Spielen, Nachrichten und vielen schnell wechselnden Reizen auf. Daraus lässt sich aber nicht einfach ableiten, dass eine ganze Generation ihre Konzentrationsfähigkeit verliert.
Für den Familienalltag ist eine andere Frage hilfreicher: Wie viele Unterbrechungen muss die Aufmerksamkeit deines Kindes bewältigen?
Ein Smartphone neben dem Arbeitsblatt, eingehende Nachrichten, laufender Fernseher, Geschwister im Zimmer oder ständig wechselnde Aufgaben machen konzentriertes Arbeiten schwieriger. Auch Schlaf spielt eine Rolle: Wer müde ist, kann seine Aufmerksamkeit schlechter steuern.
Entscheidend sind unter anderem Nutzungsdauer, Zeitpunkt, Inhalte und die Frage, was durch Bildschirmzeit verdrängt wird. Besonders Mediennutzung kurz vor dem Schlafengehen kann ungünstig sein, wenn dadurch Schlaf leidet – und Müdigkeit macht konzentriertes Lernen am nächsten Tag schwieriger.
6 Wege, die Konzentrationsspanne zu stärken
Ablenkungen reduzieren
Beim Lernen muss nicht gleichzeitig das Smartphone erreichbar sein. Weniger konkurrierende Reize erleichtern es, bei einer Sache zu bleiben.
Aufgaben überschaubar machen
Ein großer Arbeitsberg wirkt schnell entmutigend. Kleine, klar erkennbare Etappen erleichtern den Einstieg.
Pausen einplanen
Eine Pause ist kein Scheitern der Konzentration. Sie kann helfen, anschließend wieder aufmerksam weiterzuarbeiten.
Bewegung zulassen
Bewegungspausen können eine sinnvolle Unterbrechung sein – besonders nach längeren Sitzphasen.
Nur eine Sache gleichzeitig
Arbeitsblatt, Lernvideo, Chat und Musik gleichzeitig sind kein gutes Konzentrationstraining. Eine klare Aufgabe erleichtert die Fokussierung.
Erfolge sichtbar machen
Nicht nur Fehler zählen. Zeige deinem Kind auch: „Heute bist du nach der Pause wieder gut in die Aufgabe hineingekommen.“
Die bessere Lernstrategie: Konzentration in Etappen
eine Aufgabe
konzentriert arbeiten
kurz erholen
Das Ziel ist also nicht, dass dein Kind möglichst lange am Schreibtisch sitzen bleibt. Es soll lernen, seine Aufmerksamkeit gezielt einzusetzen, rechtzeitig eine Pause zu machen und anschließend wieder in die Aufgabe zurückzufinden.
Wann solltest du genauer hinschauen?
Wenn Konzentrationsprobleme über längere Zeit sehr deutlich sind, in verschiedenen Lebensbereichen auftreten und dein Kind beim Lernen oder im Alltag stark beeinträchtigen, lohnt sich eine genauere Abklärung. Konzentrationsprobleme allein bedeuten jedoch noch nicht, dass ADHS vorliegt.
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