LERNVERHALTEN · SELBSTVERTRAUEN

Mein Kind glaubt nicht an sich

„Ich kann das sowieso nicht.“ – Wenn dein Kind solche Sätze häufig sagt, helfen große Versprechen oft wenig. Viel wichtiger sind kleine Erfahrungen, bei denen es merkt: Ich kann etwas verändern und Schwierigkeiten bewältigen.

Selbstvertrauen bedeutet nicht: Immer erfolgreich sein.

Viel wichtiger ist die Erfahrung: Ich kann Schwierigkeiten bewältigen. Ich darf Fehler machen. Und ein Misserfolg sagt nicht, wer ich bin.

Was macht deinem Kind gerade zu schaffen?

Unsicherheit beim Lernen kann ganz unterschiedlich aussehen. Vielleicht erkennst du dein Kind in einer dieser Situationen wieder.

„Ich kann das sowieso nicht.“

Dein Kind gibt innerlich auf, bevor es die Aufgabe überhaupt richtig ausprobiert hat.

Eine schlechte Note wirft alles um

Aus „Die Arbeit lief schlecht“ wird schnell: „Ich bin schlecht.“

Angst vor Fehlern

Dein Kind radiert ständig, fragt bei jedem Schritt nach oder beginnt lieber gar nicht.

Es gibt sofort auf

Sobald etwas nicht klappt, sinkt die Bereitschaft, einen zweiten Weg auszuprobieren.

Ständige Vergleiche

Die Leistungen anderer Kinder werden wichtiger als die eigenen Fortschritte.

Eigentlich kann es den Stoff

Zu Hause klappt alles – doch unter Stress oder in der Klassenarbeit ist plötzlich vieles nicht mehr abrufbar.

Drei Sätze, die du heute verändern kannst

Eltern wollen Mut machen. Doch manchmal hilft es mehr, die Schwierigkeit ernst zu nehmen und gemeinsam den nächsten machbaren Schritt zu finden.

Statt „Du kannst das doch!“
Besser „Zeig mir mal, bis wohin du gekommen bist.“
Statt „Das ist doch ganz einfach.“
Besser „Was genau ist daran gerade schwierig?“
Statt „Super, alles richtig!“
Besser „Du bist drangeblieben und hast verschiedene Wege ausprobiert.“

10 Tipps für mehr Selbstvertrauen beim Lernen

Selbstvertrauen lässt sich nicht einfach einreden. Es wächst durch Erfahrungen. Hier kommen die ersten fünf Schritte.

1
„Ich kann das nicht“ ernst nehmen

Diskutiere nicht sofort dagegen. Frage lieber: „Was klappt gerade nicht?“ So wird aus einem riesigen Problem oft eine konkrete Schwierigkeit.

2
Nicht nur gute Ergebnisse loben

Achte auch auf Anstrengung, Ausdauer, gute Strategien und darauf, dass dein Kind nach einem Fehler noch einmal neu beginnt.

3
Selbst ausprobieren lassen

Springe nicht bei jeder Schwierigkeit sofort ein. Gib deinem Kind Zeit zum Nachdenken und Ausprobieren.

4
Fehler nicht größer machen, als sie sind

Ein Fehler zeigt zunächst nur: Hier hat etwas noch nicht funktioniert. Gemeinsam könnt ihr überlegen, warum.

5
Nicht mit anderen vergleichen

Vergleicht lieber die Entwicklung deines Kindes mit sich selbst: Was war vor einigen Wochen schwierig und klappt heute schon besser?

Das ist entscheidend „Das habe ich selbst geschafft“ wirkt stärker als „Du kannst das!“

Gib deinem Kind die Chance, kleine Schwierigkeiten selbst zu bewältigen. Genau solche Erfahrungen können das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wachsen lassen.

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Die nächsten 5 Tipps

6
Mit einem machbaren Schritt beginnen

Zerlegt schwierige Aufgaben. Sucht zuerst den Teil, den dein Kind bewältigen kann. Ein echter kleiner Erfolg hilft mehr als ein großes Versprechen.

7
Leistung und Persönlichkeit trennen

„Die Arbeit ist schlecht gelaufen“ bedeutet nicht: „Du bist schlecht in Mathe.“ Eine einzelne Leistung ist kein Urteil über dein Kind.

8
Enttäuschung erst einmal zulassen

Nach einer schlechten Note muss nicht sofort analysiert, getröstet oder ein neuer Lernplan erstellt werden. Manchmal darf dein Kind zunächst einfach enttäuscht sein.

9
Schule ist nicht alles

Freundschaft, Kreativität, Humor, Sport, Musik, Hilfsbereitschaft und praktische Fähigkeiten gehören genauso zum Selbstbild deines Kindes.

10
Bei dauerhaften Selbstzweifeln genauer hinschauen

Wenn dein Kind sich dauerhaft abwertet, immer mehr Situationen vermeidet oder stark unter seinen Selbstzweifeln leidet, sollte genauer betrachtet werden, was dahintersteckt.

Fortschritte sichtbar machen

Kinder sehen häufig vor allem das, was noch nicht klappt. Hilf deinem Kind deshalb, seine eigene Entwicklung wahrzunehmen.

Fragt nicht nur: „Welche Note hast du?“

Interessanter sind manchmal ganz andere Fragen:

Was kannst du heute, was vor einem Monat noch schwierig war?
Wo hast du diesmal länger durchgehalten?
Welchen Fehler hast du selbst entdeckt?
Was hast du ohne Hilfe geschafft?

Eine schlechte Leistung ist kein schlechtes Kind

Nicht „Ich bin schlecht in Mathe.“
Sondern „Diese Mathearbeit ist nicht gut gelaufen.“

Diese sprachliche Trennung ist wichtig. Eine Klassenarbeit beschreibt eine einzelne Leistungssituation. Sie beschreibt nicht die Persönlichkeit und auch nicht den Wert deines Kindes.

Vier gute Fragen für Eltern

„Was genau ist gerade schwierig?“
„Welchen Teil kannst du schon alleine?“
„Was könntest du als Nächstes ausprobieren?“
„Was hat diesmal schon besser geklappt?“

Mehr zum Thema: Hier kannst du weiterlesen

Selbstvertrauen steht selten für sich allein.

Manchmal fehlt deinem Kind der Mut, manchmal die Motivation, manchmal macht Frust den Anfang schwer. Deshalb findest du hier weitere Beiträge zu den Themen, die eng mit Selbstvertrauen und Lernen zusammenhängen.

Zum Mitnehmen Selbstvertrauen wächst nicht nur durch Erfolg.

Es wächst auch dann, wenn dein Kind erlebt: Das war schwierig. Ich war enttäuscht. Ich wollte vielleicht aufgeben – aber ich habe einen nächsten Schritt gefunden.