Prüfungsangst

Vor lauter Anspannung können Kinder mit Prüfungsangst nicht richtig lernen, und in der Klassenarbeit fällt ihnen nichts ein. Herzklopfen, feuchte Hände, Watte im Kopf und zittrige Knie: So macht sich Prüfungsangst bemerkbar.

Sie kommt nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen vor. Magenschmerzen, Übelkeit und Schlafstörungen sind als Begleiterscheinung keine Seltenheit.

vor Klassenarbeiten kann verschiedene Ursachen haben. Die Leere im Kopf, das schwarze Loch und seine Folgen sowie die leichten und schweren körperlichen Symptome im Vorfeld der befürchteten Situation können zu einem Teufelskreis führen und sollten auf jeden Fall ernst genommen werden.

Der Teufelskreis von Versagen und Prüfungsangst

Allein entkommen die Kinder und Jugendlichen der Prüfungsangst meist nicht. Oft fehlt den betroffenen Kindern schon in der Vorbereitungsphase die notwendige Ausdauer und Konzentration; in der Prüfungssituation selbst kämpfen sie dann mit Angstzuständen und dem befürchteten Blackout sowie der Angst vor dem Versagen.

Das fehlende Wissen und die Aufregung führen zu schlechten Arbeitsergebnissen. Die schlechten Noten wiederum bestärken die Angst vor dem Versagen. Der Druck durch die Schule und das Elternhaus wächst, denn schnell droht das Sitzenbleiben und damit die vermeintliche gesellschaftliche Abstufung.

Je öfter ein Kind das schlechte Abschneiden in einer Arbeit erlebt, desto größer wird seine Angst vor der nächsten Prüfung – und desto mehr steigen der Druck und die Erwartung, eine besonders gute Note zu schreiben, um die schlechten Ergebnisse schnell auszugleichen.

Oft fehlt Selbstbewusstsein bei Prüfungsangst

Die Ursachen der Prüfungsangst sind vielfältig, fast immer liegt ihnen aber auch ein mangelndes Selbstbewusstsein des Kindes zugrunde. Falsche Lernstrategien, hohe familiäre Erwartungen und Überforderung kommen als Ursache in Frage.

Auch ein zynischer Lehrer kann durch seinen Unterrichtsstil solchen Druck ausüben, dass die Klassenarbeit zur befürchteten Kontrollinstanz wird. Aus lauter Angst der Kinder, den vermeintlichen oder realen Erwartungen ihres Umfeldes nicht genügen zu können, baut sich die Angst immer weiter auf.

Nicht nur die schlechten Noten, sondern der damit verbundene Verlust der sozialen Achtung macht den meisten Schülern und Schülerinnen zu schaffen. Prüfungsangst ist somit immer auch die Angst vor dem persönlichen Versagen. Betroffene Kinder brauchen Hilfe von Eltern, Lehrern oder psychologisch-pädagogischen Fachkräften.

Übelkeit und Schlafprobleme

Wenn Kinder nachts nicht mehr ruhig schlafen, weil am nächsten Tag eine Klassenarbeit geschrieben wird, hat das Thema Prüfungen definitiv zu viel Gewicht bekommen. Und wenn Schülerinnen und Schuler sich morgen übergeben, weil sie Angst vor einem Test haben, läuft etwas total schief. Wir zeigen Ihnen, wie Ihr Kind diese Ängste mit Ihrer Hilfe Schritt für Schritt überwinden kann.

Etwas Aufregung vor einem Test oder einer Klassenarbeit ist ganz normal und fördert sogar das konzentrierte Arbeiten. Auch wenn Kinder ab und zu Angst davor haben, wegen eines Tests in die Schule zu gehen, überwinden sie sich in der Regel schnell. Spätestens im Klassenraum, wenn die Hefte ausgepackt werden, sind die Sorgen dann vergessen. In manchen Fällen steigern Kinder sich jedoch in Ängste hinein und lassen sich davon beherrschen. Das gefürchtete Blackout wird zum Normalfall und bedroht die Schulkarriere. Dann sollten Sie schnell handeln, damit sich dieses Verhalten nicht verfestigt.

Finden Sie die Gründe heraus und stellen Sie diese gemeinsam mit Ihrem Kind ab

Das klingt einfach, ist es aber nicht immer. Einige Kinder können die Gründe nicht benennen oder die Ursachen sind Teil des Schulsystems und können nur schwer verändert werden. Trotzdem ist der erste Schritt klar, die Ursachensuche. Mit der folgenden Checkliste können Sie und Ihr Kind dem Problem auf den Grund gehen.

Checkliste Prüfungsangst Ursachen

Ihr Kind hat das Gefühl, die Prüfung wäre besonders wichtig. Es misst ihr subjektiv einen hohen Wert zu, weil:

  • der Respekt der Klasse damit verbunden ist
  • die Einschätzung des Lehrers daran hängt
  • die Reaktion der Eltern gefürchtet wird
  • es eine undefinierbare Angst spürt
  • eine reale Konsequenz damit zusammenhängt, beispielsweise die Versetzung

Ihr Kind hat das Gefühl, das Bestehen der Prüfung ist zumindest zweifelhaft. Es könnte also versagen. Dafür gibt es Gründe, nämlich:

  • Ihr Kind hat sich nicht ausreichend vorbereitet
  • Ihr Kind versteht den Schulstoff nicht, ist überfordert
  • Ihr Kind kennt die Situation eines Blackouts und fürchtet diesen
  • Ihr Kind ist krank, unausgeschlafen, hat Unterricht versäumt
  • Ihr Kind traut sich generell wenig zu

Checken Sie doppelt

Diese Checkliste können Sie selber FÜR Ihr Kind machen, aber sie kann auch von Ihrem Kind beantwortet werden. So bringt sie möglicherweise neue Erkenntnisse. Und diese Schritte helfen Ihrem Kind.

So helfen Sie Ihrem Kind

Schritt 1: Rücken Sie die Klassenarbeit in die 2. Reihe

Wie wichtig ist die Prüfung wirklich? Gehen Sie mit Ihrem Kind die Ängste aktiv an und räumen Sie diese Ängste gründlich aus. Wegen einer schlechten Note hat noch kein Kind den respekt seiner Freunde verloren, die anderen Kinder kann es getrost ignorieren. Den Lehrer beeindruckt Ihr Kind auch mit einem Referat oder einer Zusatzaufgabe, entwickeln Sie Alternativen. Angst vor den Eltern können Sie ebenfalls leicht ausräumen, indem Sie eine schlechte Note einfach mal feiern. Schließlich hat sich Ihr Kind für die Arbeit vorbereitet und angestrengt, das darf auch bei einem schlechten Ergebnis belohnt werden. Auch wenn es um die Versetzung geht, sollten Sie Druck reduzieren, denn der hilft nicht weiter.

Schritt 2: Stärken Sie das Zutrauen Ihres Kindes in seine Fähigkeiten

Auch wenn Ihr Kind Angst hat zu versagen, können Sie etwas tun. Gegen klare Ursachen, wie eine schlechte Vorbereitung, hilft bei künftigen Tests und Klassenarbeiten ein Vorbereitungsplan. Unterstützen Sie Ihr Kind darin, jeden Tag etwas von dem geforderten Schulstoff zu wiederholen. Nach und nach werden sich seine Leistungen verbessern. Ist Ihr Kind jedoch grundsätzlich überfordert, müssen Sie über eine Nachhilfe, Lerntherapie, eine Klassenwiederholung oder einen Schulwechsel nachdenken.

Schritt 3: Nehmen Sie Unterstützung in Anspruch

Unklare Ängste, denen Sie nicht beikommen, gehören in die Hände von Fachleuten. Beispielsweise wenn sich das Blackout immer wiederholt, obwohl Sie bereits einiges probiert haben. Manchmal sind Eltern eben einfach machtlos und sollten das auch akzeptieren. Schulpsychologen, niedergelassene Kindertherapeuten oder Jugendpsychiater, Psychologen oder Pädagogen in den örtlichen Erziehungsberatungsstellen haben viel Erfahrung mit Ängsten und kommen oft schnell auf den Punkt. Zögern Sie nicht zu lange bei diesen Fachleuten einen Termin auszumachen, denn Ängste setzen sich gerne fest. Dann wird es immer schwieriger, ihnen beizukommen.

Mein Tipp: Ich hab´s geschafft – Galerie

Immer wenn Ihr Kind sich verbessert hat, weniger Angst zeigte oder seine Angst überwunden hat, sollte es sich seinen Erfolg auch verdeutlichen. Nutzen Sie dazu die Urkundenvorlage auf Seite 5. Je mehr dieser Urkunden Ihr Kind erhält, desto besser. Aufgereiht über dem Schreibtisch oder im Flur kann es so ganz konkret sehen, welche Fortschritte es bereits gemacht hat.

Schulangst

Obwohl Prüfungsangst bei allen Betroffenen letztlich der Ausdruck einer Versagensangst ist, können die Ursachen von Kind zu Kind unterschiedlich sein.

Um die richtigen Hilfsmaßnahmen ergreifen zu können, müssen die Eltern sich zuerst ein umfassendes Bild der Angst ihres Kindes machen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, sensibel und vorsichtig.

Folgende Fragen helfen dabei, die Ursachen einzukreisen. Versuchen Sie im Gespräch mit Ihrem Kind die folgenden Fragen zu beantworten. Sie bringen Sie der Ursache näher.

  • Hat Ihr Kind schon in der Vorbereitungsphase Angst?
     
  • Hat Ihr Kind erst in der Prüfung Angst?
     
  • Hat Ihr Kind vor einem bestimmten Fach Angst?
     
  • Ängstigt sich Ihr Kind vor einer bestimmten Lehrkraft?
     
  • Hat sich die Angst langsam ausgeweitet?
     
  • Hat Ihr Kind vor den Reaktionen der Klasse Angst?
     
  • Hat Ihr Kind bei mündlichen Vorträgen Angst?
     
  • Ist Ihr Kind generell ängstlich?
     
  • Leidet Ihr Kind unter Zeitdruck?
     
  • Steht Ihr Kind generell unter hohem Druck?
     
  • Fühlt sich Ihr Kind schnell überfordert?

Falls eine Überforderung des Kindes vorliegt, die Lehrkraft unangemessen Druck ausübt oder das Kind unter “Freizeitstress” leidet, sind die Hilfsmaßnahmen leicht umzusetzen. Schulwechsel, Lehrergespräch und Kündigung von Freizeitangeboten können schon die notwendige Entlastung schaffen, um die Prüfungsangst loszuwerden.

Liegt das Problem woanders, können Lob und Anerkennung der Anstrengungen, Lernpläne und Entspannungstechniken weiterhelfen.

Selbstbewusstsein stärken

Kinder und Jugendliche mit Prüfungsangst leiden in den meisten Fällen unter einem schlecht ausgebildeten Selbstbewusstsein. Um die Angst zu verlieren, muss dieses Selbstwertgefühl aufgebaut werden, und dafür können Eltern sehr viel tun. Eltern und Angehörige sollten sich bemühen, den schulischen Bewertungen keinen zu hohen Stellenwert zuzumessen.

Natürlich sind Noten wichtig, aber eine Fixierung darauf verursacht Erfolgsdruck und forciert Prüfungsangst. Sie degradiert das Kind in erster Linie zu einem Schulkind, obwohl es doch ebenso Sohn oder Tochter, Sportler/in, Freund/in oder Haustierbesitzer/in ist.