Konzentration verbessern: 10 einfache Übungen für Kinder

Konzentration üben muss nicht bedeuten, dass dein Kind noch länger am Schreibtisch sitzt. Im Gegenteil: Viele gute Konzentrationsübungen fühlen sich eher wie ein Spiel an.

Genau darum geht es bei diesen zehn Ideen. Dein Kind hört genau hin, beobachtet, merkt sich etwas, bewegt sich oder bleibt für kurze Zeit bewusst bei einer Sache.

Du brauchst dafür weder ein kompliziertes Trainingsprogramm noch jeden Tag eine halbe Stunde zusätzliche Lernzeit. Probiert einzelne Übungen aus und schaut, was deinem Kind Spaß macht.

Mein Tipp: Macht lieber eine kurze Übung regelmäßig, als einmal ein großes Konzentrationstraining daraus zu machen. Drei bis zehn Minuten können für viele dieser Spiele völlig ausreichen.

Welche Konzentrationsübung passt zu deinem Kind?

Nicht jedes Kind mag dieselbe Art von Aufgabe. Deshalb findest du hier ganz unterschiedliche Ideen.

Ruhige Kinder

Probiert Stille Minute, Atemübung, Puzzle oder Labyrinth aus. Hier geht es darum, die Aufmerksamkeit bewusst auf eine Sache zu richten.

Kinder mit Bewegungsdrang

Der Konzentrationslauf oder bewegte Aufmerksamkeitsspiele verbinden Fokus mit körperlicher Aktivität.

Kinder, die schnell gelangweilt sind

Memory, Klanggeschichte und Suchspiele wechseln schnell zwischen Beobachten, Erinnern und Handeln.

10 einfache Konzentrationsübungen für Kinder

Du kannst sofort anfangen. Für die meisten Übungen brauchst du kaum Material.

1

Die stille Minute

Du brauchst: nichts

Dein Kind setzt sich bequem hin und versucht eine Minute lang, möglichst genau auf die Geräusche in seiner Umgebung zu achten.

Danach: Welche drei Geräusche hast du gehört? Welches war am leisesten? Welches am weitesten entfernt?
2

Memory mit Köpfchen

Du brauchst: Memorykarten

Spielt ein normales Memory. Dein Kind versucht aber zusätzlich, sich ganz bewusst zu merken, wo bereits aufgedeckte Karten liegen.

Variation: Beginnt mit wenigen Paaren und erhöht die Anzahl erst, wenn das Spiel zu leicht wird.
3

Der Konzentrationslauf

Du brauchst: einen kurzen Weg

Beim Gehen oder langsamen Laufen richtet dein Kind seine Aufmerksamkeit abwechselnd auf bestimmte Dinge: zuerst die eigenen Schritte, dann Geräusche, Farben oder Gegenstände.

Aufgabe: Finde unterwegs fünf rote Dinge oder merke dir vier unterschiedliche Geräusche.
4

Die Klanggeschichte

Du brauchst: Alltagsgegenstände oder kleine Instrumente

Erzähle eine kurze Geschichte und ordne bestimmten Begriffen ein Geräusch zu. Bei „Regen“ wird beispielsweise mit den Fingern getrommelt, bei „Tür“ zweimal geklopft.

Schwieriger: Dein Kind übernimmt die Geräusche und muss genau auf das passende Wort warten.
5

Puzzle-Zeit

Du brauchst: ein passendes Puzzle

Ein Puzzle fordert genaues Hinsehen, Vergleichen und Dranbleiben. Wichtig ist, dass die Schwierigkeit zu deinem Kind passt.

Strategie: Erst Randteile suchen, dann Farben oder auffällige Bildbereiche sortieren.
6

Ruhig atmen

Du brauchst: nichts

Dein Kind setzt sich bequem hin und beobachtet einige Atemzüge lang, wie die Luft ein- und wieder ausströmt.

Einfach halten: Nicht möglichst tief atmen und nicht lange die Luft anhalten. Ruhig einatmen und etwas länger ausatmen reicht.
7

Ich sehe was ganz genau

Du brauchst: eure Umgebung

Eine Variante von „Ich sehe was, was du nicht siehst“: Beschreibt nicht nur eine Farbe, sondern mehrere Merkmale.

Beispiel: „Ich sehe etwas Grünes, das rund ist und weiter oben liegt.“ Dein Kind muss mehrere Hinweise gleichzeitig beachten.
8

Eine Minute Schreibfokus

Du brauchst: Papier und Stift

Gib deinem Kind ein einfaches Thema wie „Sommer“, „Fußball“ oder „Hund“. Eine Minute lang schreibt es alle passenden Wörter auf, die ihm einfallen.

Danach: Wörter zählen oder gemeinsam nach Kategorien sortieren. Es geht nicht um Rechtschreibung oder schöne Schrift.
9

Suchbild-Challenge

Du brauchst: Suchbild, Wimmelbild oder Buchstabengitter

Dein Kind sucht gezielt nach bestimmten Details. Das trainiert vor allem, den Blick bewusst zu steuern und trotz vieler Reize bei einem Suchziel zu bleiben.

Variation: „Finde alle Tiere“, „Suche fünf Dinge mit Rädern“ oder „Markiere jedes A“.
10

Labyrinth zeichnen

Du brauchst: Papier und Stift

Diesmal löst dein Kind nicht nur ein Labyrinth, sondern zeichnet selbst eines. Es plant Wege, Sackgassen und einen Ausgang.

Danach: Tauscht die Labyrinthe und versucht, den Weg des anderen zu lösen.

Welche Übung hilft wobei?

Wähle nicht nach dem Motto „möglichst schwierig“, sondern nach dem, was dein Kind gerade üben möchte.

Genau hinschauen

Memory, Puzzle, Suchbild und Labyrinth verlangen visuelle Aufmerksamkeit.

Genau hinhören

Stille Minute und Klanggeschichte richten den Fokus bewusst auf Geräusche.

Zur Ruhe kommen

Ruhiges Atmen oder eine kurze stille Minute können vor dem Lernen einen Übergang schaffen.

Bewegung nutzen

Der Konzentrationslauf ist besonders interessant für Kinder, die nach langem Sitzen Bewegung brauchen.

Konzentration lässt sich auch im Alltag spielerisch fordern

Es muss nicht immer eine extra Übung sein. Aufmerksamkeit steckt in vielen normalen Alltagssituationen.

Beim Kochen

Drei Zutaten merken, einen Arbeitsschritt ausführen und danach prüfen, was als Nächstes kommt.

Unterwegs

Bestimmte Autofarben zählen, Straßennamen suchen oder sich drei Dinge auf einem Weg merken.

Beim Spielen

Brett- und Kartenspiele verlangen Zuhören, Regeln merken, abwarten und auf Veränderungen reagieren.

Beim Vorlesen

Nach einer kurzen Passage fragen: Was ist gerade passiert? Welche Person kam vor? Was könnte als Nächstes passieren?

Eine kleine Konzentrationswoche

Wenn ihr ausprobieren möchtet, was deinem Kind gefällt, könnt ihr fünf Tage lang jeweils nur wenige Minuten einplanen.

Montag

Stille Minute + genau hinhören

Dienstag

Memory oder Suchbild

Mittwoch

Konzentrationslauf draußen

Donnerstag

Puzzle oder Labyrinth

Freitag

Lieblingsübung wiederholen

Der wichtigste Punkt: Es darf Spaß machen

Wenn dein Kind ohnehin jeden Nachmittag mit Schule und Hausaufgaben kämpft, sollten diese Übungen nicht zur nächsten Pflichtaufgabe werden.

Beobachte lieber, bei welchen Spielen dein Kind von selbst dabeibleibt. Genau dort kannst du ansetzen.

  • Dein Kind darf eine Übung auswählen.
  • Hört auf, solange es noch Spaß macht.
  • Steigert die Schwierigkeit langsam.
  • Vergleicht dein Kind nicht mit Geschwistern.
  • Ein schlechter Tag ist kein Rückschritt.

Was Konzentrationsübungen nicht leisten können

Spielerisches Üben kann hilfreich sein – aber nicht jedes Konzentrationsproblem lässt sich damit lösen.

Keine Wunderwirkung

Ein Kind wird nicht automatisch bei Mathe konzentrierter, nur weil es regelmäßig Memory spielt. Entscheidend ist immer auch die konkrete Lernsituation.

Keine Diagnose

Ob eine ausgeprägte Aufmerksamkeitsproblematik oder ADHS vorliegt, lässt sich mit Konzentrationsspielen weder feststellen noch ausschließen.

Kein Ersatz für gute Bedingungen

Schlafmangel, Dauerstress, Überforderung oder ständige Ablenkungen lassen sich nicht einfach „wegtrainieren“.

Dein Kind hat beim Lernen trotzdem große Schwierigkeiten?

Dann würde ich nicht einfach immer mehr Konzentrationsübungen machen. Viel wichtiger ist herauszufinden, wann und unter welchen Bedingungen die Probleme auftreten.

Mit unserer Konzentrations-Checkliste kannst du dein Kind einige Tage beobachten und nach konkreten Mustern suchen.

Zur Checkliste Konzentration

Konzentration üben – ohne zusätzlichen Lernstress

Such dir für den Anfang einfach eine der zehn Übungen aus. Wenn dein Kind Spaß daran hat, wiederholt sie ein paar Tage später.

Konzentration entwickelt sich nicht durch Druck. Sie wächst durch Erfahrung, passende Herausforderungen und die Möglichkeit, Aufmerksamkeit immer wieder bewusst einzusetzen.

Mein Tipp:
Nicht alle zehn Übungen machen.

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