„Mein Kind kann sich einfach nicht konzentrieren.“ Diesen Satz höre ich von Eltern sehr oft. Aber bevor du dir Sorgen machst, lohnt sich ein genauerer Blick: Wann klappt die Konzentration – und wann nicht?
Vielleicht arbeitet dein Kind bei Mathe zehn Minuten konzentriert und schweift dann ab. Vielleicht schafft es Hausaufgaben morgens problemlos, am Nachmittag aber kaum. Oder es kann eine Stunde bauen, malen oder lesen, aber bei Schulaufgaben ist nach wenigen Minuten Schluss.
Genau solche Unterschiede sind wichtig. Denn Konzentration ist keine Eigenschaft, die ein Kind entweder besitzt oder nicht besitzt. Sie hängt unter anderem von Aufgabe, Motivation, Umgebung, Tagesform und Belastung ab.
Unkonzentriert ist nicht gleich unkonzentriert
Drei Beobachtungen helfen dir mehr als die Frage: „Kann sich mein Kind konzentrieren – ja oder nein?“
Bei welcher Aufgabe?
Klappt es beim Lesen besser als beim Rechnen? Bei Spielen besser als bei Hausaufgaben? Bei kurzen Aufgaben besser als bei langen?
Unter welchen Bedingungen?
Wie wirken Lärm, Handy, Geschwister, Hunger, Müdigkeit oder ein voller Schreibtisch auf dein Kind?
Seit wann?
War dein Kind schon immer leicht ablenkbar oder ist die Veränderung erst seit einigen Wochen oder Monaten auffällig?
Checkliste Konzentration: Beobachte dein Kind eine Woche lang
Du musst hier keine Punkte zählen. Markiere einfach, was dir häufiger auffällt. Noch hilfreicher ist es, daneben ein konkretes Beispiel zu notieren.
1. Beim Lernen und bei den Hausaufgaben
2. Ablenkbarkeit
3. Organisation und Arbeitsgedächtnis
4. Körper und Tagesform
5. Wenn etwas wirklich interessant ist
Jetzt wird es interessant: Suche nicht nach Punkten, sondern nach Mustern
Schau dir deine Beobachtungen nach einigen Tagen noch einmal an. Oft ergibt sich ein viel genaueres Bild als durch ein einfaches „Mein Kind ist unkonzentriert“.
- Nur bei bestimmten Schulfächern? Dann kann auch der Lernstoff eine Rolle spielen.
- Vor allem am Nachmittag? Müdigkeit und Belastung könnten wichtig sein.
- Besonders bei langen Aufgaben? Kleinere Arbeitsschritte können helfen.
- Vor allem bei Handy und Geräuschen? Prüfe zuerst die Lernumgebung.
- Auch bei Lieblingsbeschäftigungen? Dann lohnt sich genaueres Hinsehen.
- In Schule und Familie ähnlich? Beobachtungen aus mehreren Situationen sind besonders aufschlussreich.
Hinter Konzentrationsproblemen kann vieles stecken
Deshalb hilft es wenig, vorschnell eine einzige Ursache anzunehmen.
Müdigkeit
Zu wenig Schlaf oder ein anstrengender Schultag können Aufmerksamkeit und Ausdauer deutlich beeinflussen.
Ablenkung
Handy, Geräusche, Geschwister oder ein unruhiger Arbeitsplatz machen das Dranbleiben unnötig schwer.
Überforderung
Ist eine Aufgabe zu schwierig oder unklar, sieht das von außen manchmal wie mangelnde Konzentration aus.
Unterforderung
Auch sehr einfache oder monotone Aufgaben können dazu führen, dass die Aufmerksamkeit abschweift.
Stress und Sorgen
Konflikte, Schulstress, Prüfungsangst oder andere Belastungen können Gedanken binden, die dann beim Lernen fehlen.
Aufmerksamkeitsprobleme
Sind Schwierigkeiten stark ausgeprägt, dauerhaft und in mehreren Lebensbereichen vorhanden, kann eine fachliche Abklärung sinnvoll sein.
Vier Dinge kannst du sofort ausprobieren
Bevor du komplizierte Trainingsprogramme suchst, verändere zunächst einige einfache Bedingungen.
Handy weg
Während einer Lernphase sollte das Smartphone nicht sichtbar und möglichst nicht in Griffweite liegen.
Aufgabe verkleinern
Nicht „Mach jetzt Mathe“, sondern: „Bearbeite zunächst diese drei Aufgaben.“
Pause einplanen
Nicht erst pausieren, wenn gar nichts mehr geht. Kurze Unterbrechungen können Teil des Lernplans sein.
Ein Ziel setzen
Ein sichtbares, erreichbares Ziel hilft vielen Kindern besser als eine offene Lernzeit ohne klaren Endpunkt.
Mein Vorschlag: Mach eine kleine Konzentrationswoche
Ändere nicht alles gleichzeitig. Sonst weißt du am Ende nicht, was deinem Kind tatsächlich geholfen hat.
Zwei Tage nur beobachten
Noch nichts verändern. Notiere lediglich Aufgabe, Uhrzeit, Dauer und auffällige Ablenkungen.
Eine Sache verändern
Zum Beispiel das Handy entfernen oder die Aufgabe in kleinere Abschnitte aufteilen.
Wirkung beobachten
Wird das Arbeiten leichter? Gibt es weniger Unterbrechungen? Braucht dein Kind weniger Erinnerungen?
Behalten oder verwerfen
Was funktioniert, bleibt. Was keinen Unterschied macht, muss nicht Teil eures Alltags werden.
Du möchtest die Konzentration genauer einschätzen?
Dafür haben wir eine eigene Seite. Der Konzentrationstest für Kinder stellt gezieltere Fragen zu Aufmerksamkeit, Organisation, Ablenkbarkeit und Verhalten.
Auch dieser Test kann keine Diagnose stellen. Er kann dir aber dabei helfen, deine Beobachtungen zu ordnen und zu entscheiden, ob du das Thema weiter verfolgen möchtest.
Zum Konzentrationstest für KinderWann solltest du genauer hinschauen?
Ein verträumter Nachmittag oder eine nervige Hausaufgabensituation sind noch kein Grund, von einer Konzentrationsstörung auszugehen.
Eine fachliche Einschätzung kann aber sinnvoll sein, wenn die Schwierigkeiten:
- über längere Zeit bestehen,
- deutlich stärker sind als früher,
- in unterschiedlichen Situationen auftreten,
- Schule, Familie oder Freundschaften erheblich belasten,
- zu dauerhaftem Leidensdruck bei deinem Kind führen.
Sprich dann beispielsweise zunächst mit der Lehrkraft und der kinderärztlichen Praxis. Je nach Situation können weitere Fachstellen einbezogen werden.
Beobachten ist hilfreicher als vorschnell bewerten
Wenn ein Kind sich beim Lernen schlecht konzentriert, ist die erste Frage nicht: „Was stimmt mit ihm nicht?“
Viel hilfreicher ist: Wann gelingt Konzentration? Wann wird sie schwierig? Was verändert die Situation?
Nicht:
„Mein Kind ist unkonzentriert.“
Sondern:
„Unter welchen Bedingungen kann mein Kind gut arbeiten?“
Mehr zum Thema Konzentration
Hier kannst du je nach Beobachtung gezielt weitermachen.
Konzentration bei Kindern
Ursachen verstehen und die Konzentrationsfähigkeit im Alltag fördern.
Konzentration verbessernKonzentrationstest
Wenn du die Schwierigkeiten deines Kindes genauer einschätzen möchtest.
Zum KonzentrationstestFlüchtigkeitsfehler
Wenn dein Kind den Stoff eigentlich beherrscht, aber unnötige Fehler macht.
Flüchtigkeitsfehler verringernZeitmanagement
Wenn Organisation, Aufschieben und fehlende Planung das eigentliche Problem sind.
Zeitmanagement verbessernLernprobleme
Wenn Konzentrationsprobleme möglicherweise durch Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen entstehen.
Lernprobleme erkennenADHS
Wenn die Auffälligkeiten ausgeprägt sind und sich in mehreren Lebensbereichen zeigen.
Informationen zum ADHS-Test


