Lesen leichter machen

Dein Kind verrutscht beim Lesen ständig in der Zeile, verliert das aktuelle Wort oder ist schon nach wenigen Sätzen erschöpft? Dann kann eine einfache Lesehilfe tatsächlich entlasten.

Dabei geht es nicht darum, deinem Kind das Lesen abzunehmen. Eine gute Lesehilfe reduziert eine konkrete Schwierigkeit: Sie gibt Orientierung, macht einen Text übersichtlicher oder unterstützt dein Kind dabei, Schritt für Schritt weiterzulesen.

Die beste Lesehilfe ist nicht die aufwendigste. Sie sollte genau zu dem Problem passen, das dein Kind gerade hat – und später auch wieder überflüssig werden dürfen.

Welche Lesehilfe passt zu welchem Problem?

Beobachte zuerst, was dein Kind beim Lesen konkret stört. Dann kannst du eine Hilfe gezielt ausprobieren.

1

Es verliert die Zeile

Ein Leselineal, Lesefenster oder Lesefinger kann den Blick führen.

2

Zu viel Text überfordert

Ein Lesefenster kann den sichtbaren Textausschnitt verkleinern.

3

Das Lesen stockt häufig

Gemeinsames Lesen kann schwierige Stellen überbrücken.

4

Die Buchseite wirkt unübersichtlich

Große Schrift, kurze Zeilen und eine klare Gestaltung können entlasten.

Leselineal, Lesepfeil oder Lesefenster?

Alle drei Hilfen verfolgen ein ähnliches Ziel: Sie reduzieren Ablenkung und helfen deinem Kind, beim aktuellen Wort oder in der richtigen Zeile zu bleiben.

Leselineal

Ein Leselineal liegt unter der aktuellen Zeile. Es gibt dem Auge eine klare Orientierung und kann verhindern, dass dein Kind versehentlich in die nächste oder vorherige Zeile rutscht.

Gut bei: Zeile verlieren und unruhiger Blickführung

Lesepfeil oder Lesefinger

Der Pfeil beziehungsweise Finger wandert beim Lesen unter den Wörtern mit. Dadurch sieht dein Kind unmittelbar, an welcher Stelle es gerade liest. Das kann besonders am Anfang sehr praktisch sein.

Gut bei: Wort für Wort orientieren

Lesefenster

Ein Lesefenster deckt einen Teil der Seite ab und lässt nur eine Zeile oder einen kleinen Textbereich sichtbar. Das kann hilfreich sein, wenn eine volle Buchseite dein Kind ablenkt oder überfordert.

Gut bei: zu vielen sichtbaren Informationen

Auch die Gestaltung eines Textes kann helfen

Manchmal braucht dein Kind gar kein zusätzliches Hilfsmittel. Schon ein übersichtlicher Text kann das Lesen angenehmer machen.

Kurze, übersichtliche Zeilen

Eine gut lesbare Schrift, ausreichend Abstand und nicht zu lange Zeilen können LeseanfängerInnen die Orientierung erleichtern.

Der Hund läuft in den Garten.

Dort entdeckt er einen Ball.

Er stupst ihn mit der Nase an.

Dann rollt der Ball davon.

Das Auge muss hier nicht durch eine dicht gefüllte Textfläche wandern.

Flattersatz statt dichter Textblöcke

Beim Flattersatz sind die Zeilen unterschiedlich lang. Das kann Texte optisch übersichtlicher machen und erleichtert manchen Kindern die Orientierung.

Am Nachmittag geht Mia

mit ihrem Hund in den Park.

Dort treffen sie

ihre Freundin Emma.

Wichtig ist allerdings nicht nur der Zeilenumbruch: Auch Wortwahl, Satzlänge und Schwierigkeitsgrad müssen zum Kind passen.

Das richtige Buch ist ebenfalls eine Lesehilfe

Ein Buch hilft wenig, wenn dein Kind nach drei Sätzen erschöpft ist. Altersangaben auf Büchern können eine Orientierung sein, aber entscheidender ist das tatsächliche Leseniveau deines Kindes.

Für LeseanfängerInnen und Kinder, denen Lesen noch schwerfällt, können zunächst Bücher mit überschaubaren Textmengen sinnvoll sein.

gut lesbare Schrift
übersichtliche Seiten
kurze Textabschnitte
passender Wortschatz
interessantes Thema
bewältigbare Schwierigkeit
Nicht am Alter festhalten: Ein einfacheres Buch ist keine Niederlage. Ein Text, den dein Kind bewältigen kann, schafft eher Lesepraxis als ein altersgemäßes Buch, an dem es nach wenigen Minuten aufgibt.

Gemeinsam lesen: Unterstützung ohne ständiges Korrigieren

Auch ein mitlesender Erwachsener kann eine Lesehilfe sein. Ihr könnt schwierige Stellen gemeinsam bewältigen, statt dein Kind immer wieder alleine kämpfen zu lassen.

1

Gemeinsam beginnen

Lest einen kurzen Abschnitt zusammen oder wechselt euch beim Lesen ab.

2

Bei schwierigen Stellen unterstützen

Wenn dein Kind feststeckt, hilfst du weiter, statt es lange mit einem einzelnen Wort kämpfen zu lassen.

3

Wieder übernehmen lassen

Sobald die schwierige Stelle überwunden ist, liest dein Kind wieder selbst weiter.

4

Über den Inhalt sprechen

Frage anschließend kurz, was passiert ist. So bleibt neben der Lesetechnik auch das Textverständnis im Blick.

Kleine Hilfe – große Entlastung

Eine Lesehilfe soll dein Kind nicht abhängig machen, sondern ihm das Lesen zunächst übersichtlicher und leichter machen. Im Video findest du weitere praktische Ideen für das Lesenlernen.

Lesehilfe selber machen

Der Lesefinger: einfach und persönlich

Eine besonders einfache Variante des Lesepfeils ist ein Lesefinger. Er wandert beim Lesen unter der Zeile oder von Wort zu Wort mit.

Das kannst du sogar mit deinem Kind gemeinsam gestalten. Ein selbst gemachter oder gehäkelter Lesefinger verbindet die praktische Orientierung mit etwas Persönlichem.

Wichtig ist, dass der Finger ruhig mitwandert und nicht möglichst schnell über die Wörter huscht. Er soll Orientierung geben, nicht das Lesetempo antreiben.

Lesefinger selber machen

Was ist mit farbigen Lesefolien?

Vielleicht hast du schon von transparenten farbigen Folien gehört, die über eine Buchseite gelegt werden. Manche Kinder empfinden bestimmte Farben oder geringere Kontraste subjektiv als angenehmer.

Du kannst deshalb durchaus ausprobieren, ob dein Kind einen Text mit einer bestimmten Folie angenehmer findet. Daraus sollte aber nicht automatisch geschlossen werden, dass die Folie eine Leseschwäche behebt oder die Lesefähigkeit grundsätzlich verbessert.

Praktisch gedacht: Wenn dein Kind sagt: „Damit kann ich besser hinschauen“, kann die Folie als persönliche Hilfe genutzt werden. Sie ersetzt aber kein gezieltes Lesetraining und keine fachliche Abklärung bei anhaltenden Schwierigkeiten.

So findest du heraus, ob eine Lesehilfe wirklich hilft

Nicht jede Hilfe passt zu jedem Kind. Mach deshalb einen kleinen Alltagstest.

1

Problem beobachten

Verliert dein Kind die Zeile? Ist die Seite zu unübersichtlich? Oder stockt es vor allem bei schwierigen Wörtern?

2

Eine Hilfe auswählen

Probiert zunächst nur eine Veränderung aus, zum Beispiel ein Leselineal.

3

Kurz ausprobieren

Lass dein Kind einige Minuten damit lesen. Ein kurzer Text reicht für den ersten Eindruck.

4

Kind fragen

„Was war damit leichter?“ ist hilfreicher als „Damit kannst du doch besser lesen, oder?“

5

Ohne Hilfe vergleichen

Probiert gelegentlich aus, ob dein Kind die Unterstützung überhaupt noch benötigt.

6

Schrittweise abbauen

Wird dein Kind sicherer, kann die Lesehilfe nach und nach weniger eingesetzt werden.

Lesehilfen: Was sinnvoll ist – und was nicht

Eine gute Lesehilfe entlastet. Sie sollte aber nicht zu einem neuen Leistungsdruck werden.

Hilfreich

das konkrete Leseproblem beobachten

eine einfache Hilfe ausprobieren

das Kind nach seiner Wahrnehmung fragen

passende, nicht zu schwierige Texte auswählen

kurze und entspannte Lesezeiten

Hilfen wieder abbauen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden

Eher nicht hilfreich

gleich mehrere Hilfsmittel gleichzeitig einsetzen

ein Kind zum schnellen Lesen drängen

zu schwierige Bücher durch Hilfsmittel „passend machen“

aus jeder Leseschwierigkeit sofort eine Diagnose ableiten

eine Lesehilfe gegen den Willen des Kindes erzwingen

Leselineal oder Folie als Therapie verstehen

Eine Lesehilfe soll das Lesen leichter machen

Leselineal, Lesefenster oder Lesefinger sind keine Therapie und kein Zaubermittel. Aber die richtige kleine Unterstützung kann deinem Kind genau die Entlastung geben, die es im Moment braucht.

Beobachte deshalb zuerst das Problem, probiert eine passende Hilfe aus und schaut gemeinsam, ob das Lesen damit tatsächlich angenehmer wird.

Problem erkennen → passende Hilfe wählen → ausprobieren → Wirkung beobachten

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