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Die meisten Schüler*innen haben große Probleme damit, eine Kurzgeschichte oder eine kurze Geschichte zu schreiben. Vielleicht haben sie eine gute Idee, aber die Ausführung gelingt ihnen nicht. Dabei ist es gar nicht so schwer, eine gute Kurzgeschichte zu schreiben, wenn Ihr Kind oder Teenager die wichtigsten Punkte befolgt.

Der Unterschied zwischen Kurzgeschichte und kurzer Geschichte

Bei beiden Formen handelt es sich um einen Aufsatz. Die kurze Geschichte muss sich allerdings nicht an die etwas strengeren Richtlinien der KURZGESCHICHTE halten. Sie muss eben einfach nur kurz sein, darf ruhig mit einer Hinführung zum Thema (also einer Einleitung) beginnen und auch in einer frei gewählten Erzählzeit spielen. Es ist eben eine eine kurze Geschichte, keine eigene Erzählform wie die Kurzgeschichte. Aber natürlich gibt es auch Gemeinsamkeiten.

Kurzgeschichte Punkt 1: Thema und Ort finden

Zunächst muss Ihr Kind einmal ein Thema finden, über das es die Geschichte verfassen möchte. Vielleichtdenkt es kurz über die letzte Woche nach und sucht sich eine Situation heraus, die es beschreiben möchte. Oder es hat eine ganz andere Aufsatzidee. Wie es die findet, ist hier ausführlich beschrieben.

Oder es wählt zwei oder drei verschiedene Ereignisse und überlegt dann, welches das interessanteste war.

Nehmen wir einmal an, Ihr Kind möchte über ein Ereignis bei seinem letzten Fußballtraining schreiben. Vielleicht hat es während des Spiels einen Schuh verloren und musste für den Rest auf der Ersatzbank sitzen.

Das Ereignis wäre also ein Fußballspiel und der Ort wäre der Sportplatz hinter der Schule.

  • Für ein Thema und einen Ort entscheiden – nicht mehr!

Kurzgeschichte Punkt 2: Hauptfigur schaffen

Im zweiten Schritt geht es darum, eine Hauptperson zu beschreiben. In der Kurzgeschichte darf diese Person nicht detailliert beschrieben werden, sondern lediglich mit einem auffallenden Charakterzug.

In dieser Geschichte könnte die Hauptperson der kleine Junge sein, der seinen Schuh bei einem Fußballspiel verliert. Als Hauptcharakterzug könnte herausgestellt werden, dass er neu in der Stadt ist und noch keine Freunde hat.

Das macht ihn traurig, denn er fühlt sich einsam. Er hofft, durch den Fußball neue Freunde zu finden und strengt sich beim Spiel besonders an.

  • wenige Protagonisten, nur ein bis drei Figuren
Merkmale Kurzgeschichte

Kurzgeschichte Punkt 3: Alltagsproblem beschreiben

Nun benötigt die Kurzgeschichte noch ein Alltagsproblem als Höhepunkt. Ihr Kind kann schildern, wie der Junge seinen Schuh verliert und dadurch ganz verzweifelt ist. Es ist ihm peinlich, in seiner neuen Mannschaft gleich so einen Fehler zu machen.

Traurig setzt er sich auf die Ersatzbank und hofft, dass das Spiel bald vorbei ist.

Plötzlich spürt er einen Ellenbogen in seiner Seite, jemand sitzt neben ihm und stumpt ihn an. „Hast du das gesehen?“ fragt der fremde Junge. „Eben ist mir bei einem Torschuss mein Schuh vom Fuß geflogen! So ein Mist!“

  • das Ende bei einer Kurzgeschichte ist stets offen, vielleicht entsteht eine Freundschaft, vielleicht aber auch nicht

Das Fazit der Kurzgeschichte könnte sein: Ein Kind konnte eine neue Freundschaft schließen, obwohl ihm etwas echt Doofes passiert ist. Alles hat doch etwas Gutes!

Merkmale einer Kurzgeschichte

Beginne mit dem Schreiben deiner Kurzgeschichte und achte auf Folgendes:

  • 2000 Wörter sind genug, du kannst aber auch mehr schreiben.
  • Steige sofort in die Story ein, eine Einleitung ist überflüssig.
  • Halte die Erzählzeit ein, wechsele die Zeiten auf keinen Fall.
  • Wähle ein Alltagsproblem.
  • Beschränke dich auf ein Thema und wenige Figuren.
  • Schreibe in Alltagssprache oder Umgangssprache.
  • Lasse das Ende offen.

Kurzgeschichte Beispiel 1

Petro fühlt sich etwas einsam, denn er hat noch keinen Freund in der neuen Stadt gefunden. Deswegen strengt er sich beim Fußballspielen sehr an, um einen guten Eindruck zu machen.

Als er eine tolle Torchance wittert, holt er aus und will den Ball genau treffen. Dabei passiert ihm etwas ganz blödes, sein rechter Schuh fliegt vom Fuß. Verdattert schauen Pedro und die anderen Spieler dem fliegenden Schuh nach, der weit hinter dem gegnerischen Tor landet. Sofort wird der Trainer Pedro raus. Er muss den Rest des Spiels auf der Ersatzbank sitzen. Petro ist total enttäuscht und ärgert sich. Er wollte doch einen guten Eindruck machen, das ist ja gründlich daneben gegangen.

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Plötzlich spürt er einen Ellenbogen in seiner Seite, jemand stupst ihn an. Neben Petro sitzt ein Fußballspieler der gegnerischen Mannschaft und grinst ihn an. „Hast du das gesehen? Mir ist eben genau das gleiche mit ihr passiert. Auch ich habe im Spiel meinen Schuh verloren. Ist das nicht lustig?“ Pedro findet das nicht zum Lachen, aber er will nett sein und nicht zeigen, wie traurig er eigentlich ist. Der andere Spieler fragt ihn: „Wie heißt du? Ich bin Sandro.“

Zwischen den Jungen entwickelt sich ein Gespräch und Pedro findet den anderen immer netter. Bald vergessen sie sogar, ihren­­­ Mannschaften zu zujubeln. Nach dem Spiel verlassen sie gemeinsam den Sportplatz und stellen fest, dass sie fast Nachbarn sind. Sie verabreden sich für den nächsten Tag zum Fahrradfahren.

Kurzgeschichte Beispiel 2

Langsam macht Lukas seine Augen auf und blinzelt in das helle Licht. Dann wandert sein Blick auf den Wecker, es ist erst 6:50 Uhr. Ärgerlich schaut er wieder zum Fenster. Die Vorhänge sind nicht ganz zugezogen, sodass das Tageslicht ins Zimmer dringen kann.

Lukas merkt, wie sich ein wütender Druck in seinem Bauch ausbreitet. Er hätte noch mindestens 10 Minuten länger schlafen können. Der Druck wird stärker, als er die Bettdecke zurück stößt und sich aufrichtet. Konnte seine Mutter denn nicht aufpassen? Sie wusste doch, dass er es beim Schlafen gerne dunkel hatten.

Lukas ist nun hellwach. Zornig stapft er ins Badezimmer und schaut in den Spiegel. Was er dort sieht, macht ihn noch aggressiver. Seine roten Locken stehen nach allen Seiten ab. Können Haare auch wütend sein? Er reißt sich den Schlafanzug vom Körper und schmeißt ihn auf die Erde. Soll Papa doch aufräumen!

Dann geht Lukas auf die Toilette und knallt den Deckel danach feste zu. Sollen die anderen doch auch früher aufwachen! Schnell springt er unter die Dusche und putzt sich danach die Zähne. Er reißt seinen Bademantel vom Haken, entwickelt sich ein und öffnet dann mit einem Ruck die Badezimmertür.

Lachend und vor Freude strahlend stehen Mama, Papa und sein kleiner Bruder Simon vor der Tür. Gemeinsam rufen sie: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Lukas! Heute ist ein herrlicher Sommertag und wir sind froh, dass es dich gibt!“ Simon hält einen Kuchen in seinen kleinen Händen, auf dem acht Kerzen brennen. Lukas bleibt überrascht mit der Türklinke in der Hand stehen.

Probleme bei einer Kurzgeschichte

Viele Schüler*innen haben Schwierigkeiten damit, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Wie der Name schon sagt, muss die Geschichte kurz sein, aber trotzdem vollständig. Das bedeutet, eine Kurzgeschichte benötigt auch einen schnellen Anfang, einen Mittelteil und einen offenen Schluss. Außerdem ist das Thema wichtig, es muss alltäglich und trotzdem interessant sein.

Ben: „Eigentlich macht mir das Schreiben schon Spaß, aber mir fällt halt immer erst mal nichts ein. Wenn ich dann eine gute Idee habe und einen Anfang gefunden habe, dann finde ich das Schreiben richtig gut.“

Vor dem Schreiben muss sich ein Kind unbedingt überlegen, was die Essenz seiner Kurzgeschichte sein soll. Es denkt sozusagen vom Schluss aus. In einer Kurzgeschichte ist kein Platz dafür, eine Handlung langwierig aufzubauen und langsam zu entwickeln. Dafür eignet sich eher eine Fantasiegeschichte, ein Erlebnisbericht oder eine Science-Fiction Story.

So findet Ihr Kind Themen für eine Kurzgeschichte
  • Aus dem Fenster schauen und sich eine Person aussuchen, die interessant aussieht. Was könnte ihr gerade passiert?
  • Im Supermarkt eine Person für 5 Minuten verfolgen und sich überlegen, was ihre Einkäufe bedeuten.
  • Sich vorstellen, dass etwas wichtiges im eigen Leben von einem Moment auf den anderen nicht mehr da wäre.
  • Sich in das Leben eines Tieres versetzen und darüber schreiben, was Menschen für komische Dinge machen.
  • Ein Buch aufschlagen und den Finger auf eine beliebige Stelle legen. Was wird dort gerade beschreiben?
  • Sich für einen Beruf entscheiden und darüber schreiben. Zum Beispiel: Was erlebt der Kaufhausdetektiv Tag für Tag und wie wäre es, wenn er selber Dinge stiehlt?
  • Im Internet nach Kurzgeschichten suchen, ein Thema auswählen und selber darüber schreiben.
  • Verschiedene Podcasts durchstöbern nach spannenden Themen.

Natürlich kann Ihr Kind auch andere Menschen befragen, über welches Thema sie gerne eine Kurzgeschichte lesen würden.

So helfen Sie Ihrem Kind, eine gute Kurzgeschichte zu schreiben

Vermutlich wird Ihr Kind seine Kurzgeschichte zunächst einmal zu Hause präsentieren, also Ihnen vorlesen. Und ebenso sicher ist es, dass es eine Reihe von Anfängerfehler gemacht hat. Diese sollten Sie aber auf gar keinen Fall alle sofort bemängeln. Hören Sie sich die Geschichte in Ruhe an, unterbrechen Sie Ihr Kind nicht und runzeln Sie nicht kritisch die Stirn. Denken Sie daran, es ist ein Erstlingswerk.

So korrigieren Sie richtig

Drücken Sie anschließend Ihre Anerkennung aus, dass Ihr Kind sich an das schwierige Thema des Kurzgeschichte Schreibens heran gewagt hat. Picken Sie dann den gröbsten Fehler heraus und sprechen Sie darüber. Ein Punkt reicht für den Anfang, sonst zerstören Sie die Motivation Ihres Kindes. Sagen Sie zum Beispiel:

„Deine Geschichte hat ja ein tolles Thema, wie bist denn darauf gekommen? Ich finde es total schön, wenn der Anfang ein bisschen kürzer und der Hauptteil ein bisschen länger wäre. So kannst du dein eigentliches Thema noch ein bisschen besser ausweiten. Was hältst du davon?“