Neben den Eltern sind es vor allem Lehrer, die fast täglich mit hyperaktiven Kindern konfrontiert sind. Besonders bei großen Klassen leiden sie unter dem Druck, den Lehrplan einhalten zu müssen. Wie gehen sie am besten mit dem Klassenkasper um, dem Kind, das permanent den Unterricht stört? Ein Autorenteam um die Psychologin Margarete Imhoff hat für das Bayerische Kulturministerium folgende Tipps für den Unterricht zusammengestellt.
Genaues Hinsehen
Der schlechte Ruf eilt hyperaktiven Kindern voraus. Deshalb ist es nötig, ihnen möglichst unvoreingenommen zu begegnen, sie dennoch von Anfang an genau zu beobachten und ihr Verhalten detailliert zu beschreiben. Informieren Sie sich: Welche Erfahrungen haben andere Lehrer bereits gemacht? In welchenSituationen ist der Schüler besonders aufgefallen? Welche Maßnahmen wurden mit welchem Erfolg ausprobiert? Was wurde bisher mit den Eltern vereinbart? |
Eindeutige Strukturen
Hyperaktive Kinder sind auf äußere Strukturen angewiesen. Rituelle Begrüßungen und Verabschiedungen sowie Tagespläne, die vor dem Unterricht an die Tafel geschrieben werden, sind ihnen eine wichtige Orientierungshilfe. |
Weniger ist mehr
Beschränken Sie sich auf einige wenige, aber wichtige Regeln. Diese sollten konsequent eingehalten werden. |
Ein langer Atem
Hyperaktive Kinder beanspruchen sehr viel Geduld. Deshalb sollten Sie, auch wenn es schwer ist,
Regeln bestimmt wiederholen, ohne laut zu werden oder zu schreien. Ermahnungen helfen oft nur für Minuten. |
Ignorieren, ignorieren ...
Solange die Klasse oder ein anderes Kind nicht übermäßig unter störendem Verhalten leidet, ist das Ignorieren von Clownereien oft effektiver als ständiges Ermahnen. |
Vertrauen vermitteln
Hyperaktive Kinder und Jugendliche haben ein angeschlagenes Selbstwertgefühl. Daher brauchen Sie vor allem Ermutigung und jemanden, der an sie glaubt. Die Kinder merken, wenn man sie "abgeschrieben" hat. Zu besseren Leistungen trägt dies nicht bei. |
Nicht absichtlich opportunistisch
Sie können meist nicht anders. Schon dieses Wissen kann dazu beitragen, um die Beziehung zu
den Kindern zu entspannen. |
Positive Fähigkeiten registrieren
Schreiben Sie auf, welche positiven Eigenschaften Ihnen bei hyperaktiven Schülern auffallen. Nur durch solches Niederschreiben - und das gelegentliche Nachlesen - besteht die Chance, positive Gefühle für diese Kinder zu entwickeln. Bauen Sie Spiele in den Unterricht ein, die diese Fähigkeiten berücksichtigen. |
Ohne Hilfe geht es nicht
Schöpfen Sie alle Möglichkeiten aus, die bei der Bewältigung der Probleme helfen können. Neben
Beratungslehrern und Schulpsychologen ist auch dieZusammenarbeit mit außerschulischen Diensten sinnvoll. Die Kooperation mit Erziehungsberatungsstellen, Jugendämtern, Ärzten, Kliniken und Therapeuten erfordert jedoch das schriftliche Einverständnis der Eltern. |
Schuldgefühle helfen keinem
Das tägliche Gefühl, versagt zu haben, wirkt sich lähmend auf den Unterricht aus. Eine Möglichkeit der Auseinandersetzung mit dieser Situation bieten Fallbesprechungs- und Supervisionsgruppen. |
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