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Du liest einen Sachtext, sollst eine Analyse schreiben und plötzlich steht da: „Untersuche die Gestaltungsmerkmale des Textes.“
Und du denkst dir nur: Was genau soll ich jetzt finden?
Keine Panik. Gestaltungsmerkmale klingen komplizierter, als sie sind. Eigentlich geht es darum, herauszufinden, wie ein Text gemacht ist und warum der Autor oder die Autorin genau diese sprachlichen Mittel benutzt.
In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du Gestaltungsmerkmale in Sachtexten erkennst und ihre Wirkung richtig erklärst.
Was sind Gestaltungsmerkmale?
Gestaltungsmerkmale sind sprachliche Mittel, mit denen ein Text gestaltet wird. Sie zeigen dir, wie der Autor schreibt, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.
Dabei geht es vor allem um drei Bereiche:
Wortwahl
Welche Wörter werden benutzt?
Satzbau
Wie sind die Sätze aufgebaut?
Rhetorische Mittel
Welche sprachlichen Tricks oder Stilmittel werden eingesetzt?
Wichtig ist: In einer Klassenarbeit reicht es nicht, ein Gestaltungsmerkmal nur zu nennen. Du musst auch erklären, welche Wirkung es auf die Leserinnen und Leser hat.

Die drei wichtigsten Gestaltungsmerkmale in Sachtexten
1. Wortwahl: Welche Wörter fallen auf?
Die Wortwahl zeigt dir oft sehr schnell, wie ein Text wirken soll. Achte darauf, ob der Autor eher sachlich, emotional, warnend oder überzeugend schreibt.
Typische Merkmale der Wortwahl sind:
- wertende Wörter
- starke Adjektive
- Schlüsselbegriffe
- Jugendsprache oder lockere Sprache
- besonders sachliche oder emotionale Begriffe
Ein Beispiel:
„Unsere Erde ist ein kostbarer Schatz.“
Das Wort „kostbar“ ist ein wertendes Adjektiv. Es zeigt, dass die Erde als besonders wertvoll dargestellt wird. Dadurch soll die Leserin oder der Leser stärker darüber nachdenken, wie wichtig Umweltschutz ist.
Ein guter Analysesatz könnte lauten:
Durch das wertende Adjektiv „kostbar“ wird die Erde als besonders wertvoll dargestellt. Dadurch wirkt die Aussage eindringlicher und die Leserinnen und Leser sollen zum Nachdenken angeregt werden.

2. Satzbau: Wie sind die Sätze aufgebaut?
Auch der Satzbau beeinflusst die Wirkung eines Textes. Du solltest darauf achten, ob die Sätze eher einfach, lang, verschachtelt oder ausführlich sind.
Wichtige Begriffe sind:
Parataxe
Das bedeutet: kurze, aneinandergereihte Hauptsätze.
Beispiel:
„Wir verbrauchen zu viel. Wir verschwenden Ressourcen.“
Solche Sätze wirken oft klar, direkt und eindringlich.
Hypotaxe
Das bedeutet: längere Satzgefüge mit Hauptsatz und Nebensatz.
Beispiel:
„Obwohl überall über Umweltschutz gesprochen wird, rollt noch immer eine Plastikflut durch Meere und Städte.“
Solche Sätze wirken oft erklärend, ausführlich oder differenziert.
Ein guter Analysesatz könnte lauten:
Durch den längeren Satzbau mit Nebensatz wirkt die Aussage erklärender und zeigt, dass das Problem genauer beschrieben wird.

3. Rhetorische Mittel: Welche sprachlichen Tricks werden benutzt?
Rhetorische Mittel machen einen Text anschaulicher, eindringlicher oder überzeugender. In Sachtexten kommen besonders häufig diese Mittel vor:
Metapher
Ein bildlicher Ausdruck.
Beispiel:
„Plastikflut“
Damit ist keine echte Flut gemeint. Das Wort zeigt bildlich, dass es sehr viel Plastik gibt. Die Aussage wirkt dadurch anschaulicher und dramatischer.
Vergleich
Etwas wird mit etwas anderem verglichen.
Beispiel:
„schnell wie ein Blitz“
Ein Vergleich hilft, sich etwas besser vorzustellen.
Rhetorische Frage
Eine Frage, auf die keine echte Antwort erwartet wird.
Beispiel:
„Müssen wir wirklich warten, bis Tiere ihren Lebensraum verlieren?“
Diese Frage soll die Aufmerksamkeit lenken und die Leserinnen und Leser zum Nachdenken bringen.
Wiederholung
Ein Wort oder Satzteil wird mehrfach verwendet.
Beispiel:
„Immer mehr, immer schneller, immer gefährlicher.“
Wiederholungen verstärken eine Aussage.
Der wichtigste Tipp: Erkläre immer die Wirkung
Viele Schülerinnen und Schüler machen in der Analyse denselben Fehler: Sie finden ein Gestaltungsmerkmal, erklären aber nicht die Wirkung.
Schwach wäre zum Beispiel:
Der Autor benutzt eine Metapher.
Das ist zwar richtig, aber noch keine gute Analyse.
Besser ist:
Durch die Metapher „Plastikflut“ verdeutlicht der Autor, dass die Menge an Plastik überwältigend wirkt. Dadurch erscheint das Problem besonders groß und bedrohlich.
Du siehst: Der zweite Satz erklärt nicht nur, was benutzt wird, sondern auch, warum es benutzt wird.


Formulierungshilfen für deine Klassenarbeit
Diese Satzanfänge kannst du dir merken:
Durch die Verwendung von … erreicht der Autor, dass …
Das Wort … wirkt auf die Leserinnen und Leser …
Die Metapher … macht deutlich, dass …
Der kurze Satzbau sorgt dafür, dass …
Die rhetorische Frage lenkt die Aufmerksamkeit auf …
Dadurch wirkt der Text …
Passende Wirkungen können sein:
- anschaulich
- eindringlich
- überzeugend
- sachlich
- emotional
- warnend
- dramatisch
- verständlich
- nachdenklich machend
- aufmerksamkeitslenkend
Beispiel: Gestaltungsmerkmale im Sachtext erkenne
Schau dir diesen kurzen Beispieltext an:
Unsere Erde ist ein kostbarer Schatz, den wir nicht länger sorglos behandeln dürfen. Obwohl überall über Umweltschutz gesprochen wird, rollt noch immer eine Plastikflut durch Meere und Städte. Müssen wir wirklich warten, bis Tiere ihren Lebensraum verlieren? Jeder kann heute etwas verändern.
Mögliche Gestaltungsmerkmale:
Wortwahl:
„kostbarer Schatz“, „sorglos“, „Umweltschutz“
Satzbau:
längerer Satz mit Nebensatz: „Obwohl überall über Umweltschutz gesprochen wird …“
Rhetorische Mittel:
Metapher: „kostbarer Schatz“
Metapher: „Plastikflut“
rhetorische Frage: „Müssen wir wirklich warten …?“
Ein vollständiger Analysesatz könnte so aussehen:
Durch die Metapher „Plastikflut“ verdeutlicht der Autor, dass sehr große Mengen Plastik in die Umwelt gelangen. Dadurch wirkt das Problem besonders anschaulich und bedrohlich.

Mini-Checkliste: So findest du Gestaltungsmerkmale
Gehe in der Klassenarbeit am besten Schritt für Schritt vor:
- Lies den Text gründlich.
- Markiere auffällige Wörter.
- Achte auf lange oder auffällige Satzstrukturen.
- Suche nach rhetorischen Mitteln.
- Frage dich immer: Welche Wirkung hat das?
- Formuliere einen vollständigen Analysesatz.
Merke dir besonders diesen Satz:
Gestaltungsmerkmal finden – benennen – Wirkung erklären.Genau das ist der Schlüssel zu einer guten Sachtextanalyse.
Gestaltungsmerkmale sind kein Hexenwerk
Gestaltungsmerkmale helfen dir zu verstehen, wie ein Text wirkt. Wenn du auf Wortwahl, Satzbau und rhetorische Mittel achtest, findest du schnell wichtige Stellen für deine Analyse.
Am wichtigsten ist aber immer die Wirkung. Frage dich also bei jeder markierten Stelle:
Warum schreibt der Autor das genau so?
Wenn du diese Frage beantworten kannst, bist du bei der Analyse schon einen großen Schritt weiter.
Übungsfrage für dich
Welche Wirkung hat eine rhetorische Frage in einem Sachtext?
Überlege kurz:
Lenkt sie die Aufmerksamkeit? Verstärkt sie eine Aussage? Bringt sie die Leserinnen und Leser zum Nachdenken?
Genau darum geht es bei Gestaltungsmerkmalen: nicht nur finden, sondern verstehen.




