Angst vor den Sommerferien: Wovor SchülerInnen wirklich Angst haben

Sommerferien klingen nach Ausschlafen, Freibad, Eis und endlich keiner Schule. Für viele SchülerInnen stimmt das auch. Aber nicht für alle. Manche Kinder und Jugendliche werden kurz vor den Sommerferien nervös, gereizt oder still. Sie schlafen schlechter, bekommen Bauchschmerzen oder ziehen sich zurück.

Der Grund ist oft nicht „keine Lust auf Ferien“, sondern Angst. Angst vor dem Zeugnis. Angst vor Ärger zu Hause. Angst vor dem Sitzenbleiben. Angst davor, nach den Ferien in eine neue Klasse zu kommen. Oder Angst, dass die freie Zeit gar nicht so schön wird, wie alle erwarten.

Leistungsdruck und Schulstress sind für viele Kinder und Jugendliche ein echtes Thema. Das Deutsche Schulportal beschreibt Schulangst als ein relevantes Problem, das Kinder, Jugendliche und auch Lehrkräfte betreffen kann. Auch Pro Juventute weist darauf hin, dass steigender Leistungsdruck SchülerInnen langfristig belasten kann.

1. Angst vor dem Zeugnis

Die größte Angst vor den Sommerferien ist für viele SchülerInnen das Zeugnis. Kurz vor Ferienbeginn wird sichtbar, was über Monate gelaufen ist: Noten, Fehlzeiten, Bemerkungen und manchmal auch die Frage, ob die Versetzung klappt.

Besonders belastend ist das für SchülerInnen, die schon wissen, dass es in Mathe, Deutsch, Englisch oder einem anderen Hauptfach knapp wird. Sie haben Angst vor Sätzen wie:

„Warum hast du dich nicht mehr angestrengt?“
„Mit diesen Noten wird das nichts.“
„Jetzt ist der Urlaub gestrichen.“

Für Kinder fühlt sich ein schlechtes Zeugnis schnell wie ein persönliches Versagen an. Dabei zeigt es erst einmal nur, wo Unterstützung nötig ist.

2. Angst vor Ärger zu Hause

Viele SchülerInnen haben weniger Angst vor der Note selbst als vor der Reaktion der Eltern. Wenn zu Hause geschimpft, gedroht oder verglichen wird, steigt der Druck enorm.

Gerade vor den Sommerferien wünschen sich Kinder eigentlich Entlastung. Wenn sie aber befürchten, dass das Zeugnis die Stimmung in der Familie zerstört, können die letzten Schultage sehr belastend werden.

Hilfreich ist ein Satz wie:
„Wir schauen uns das zusammen an. Du bist mehr als deine Noten.“

Das bedeutet nicht, dass schlechte Leistungen egal sind. Es bedeutet nur: Erst Beziehung, dann Lösung.

3. Angst vor dem Sitzenbleiben

Für manche SchülerInnen steht die Versetzung auf der Kippe. Das kann sehr beängstigend sein. Sitzenbleiben bedeutet nicht nur, ein Schuljahr zu wiederholen. Es bedeutet oft auch: FreundInnen verlieren, sich schämen, neu anfangen müssen.

Elternportale weisen darauf hin, dass Sitzenbleiben für das Selbstbewusstsein eines Kindes eine schwierige Prüfung sein kann und familiäre Unterstützung dann besonders wichtig ist.

Wichtig: Sitzenbleiben ist kein Ende. Manchmal ist es sogar eine Chance, Lernlücken zu schließen und mit weniger Druck neu zu starten. Aber emotional fühlt es sich für viele SchülerInnen erst einmal wie eine Niederlage an.

4. Angst vor dem neuen Schuljahr

Nicht jede Angst richtet sich auf die Ferien selbst. Viele SchülerInnen denken schon an das Danach:

Werde ich die neue Klasse schaffen?
Bekomme ich neue LehrerInnen?
Was ist, wenn meine FreundInnen in eine andere Klasse kommen?
Wird der Stoff noch schwerer?
Schaffe ich den Übergang auf die weiterführende Schule?

Besonders nach Klasse 4, Klasse 6, Klasse 10 oder beim Wechsel auf eine neue Schule können Sommerferien wie eine unsichere Zwischenzeit wirken. Äußerlich ist Pause, innerlich läuft der Kopf weiter.

5. Angst vor Langeweile und Einsamkeit

Nicht alle Kinder erleben Ferien als schöne Familienzeit. Manche SchülerInnen haben wenig Kontakt zu FreundInnen, verbringen viel Zeit allein oder fühlen sich ohne Schulstruktur verloren.

Schule ist nicht nur Lernen. Schule ist auch Alltag, Kontakt, Rhythmus und manchmal ein sicherer Ort. Wenn diese Struktur plötzlich wegfällt, kann das verunsichern.

Gerade SchülerInnen, die sozial unsicher sind oder Mobbing erlebt haben, können vor den Ferien gemischte Gefühle haben: Einerseits Erleichterung, weil Schule pausiert. Andererseits Angst, in der freien Zeit allein zu sein.

6. Angst vor Streit, Armut oder schwierigen Ferien zu Hause

Für manche Familien sind Sommerferien organisatorisch und finanziell anstrengend. Nicht jedes Kind fährt in den Urlaub. Nicht jede Familie kann Ausflüge, Feriencamps oder Nachhilfe bezahlen.

SchülerInnen vergleichen sich:
„Alle fahren weg, nur ich nicht.“
„Alle haben tolle Ferien, ich sitze zu Hause.“
„Nach den Ferien muss ich erzählen, was ich gemacht habe.“

Das kann Scham auslösen. Deshalb ist es wichtig, Ferien nicht nur über Reisen und Erlebnisse zu definieren. Auch kleine Rituale können wertvoll sein: ein Picknick, ein Bibliotheksbesuch, gemeinsames Kochen, Radfahren oder ein fester Spieleabend.

7. Angst, in den Ferien lernen zu müssen

Viele SchülerInnen wissen schon vor Ferienbeginn: Die Ferien werden nicht komplett frei. Nachprüfungen, Lernpläne, Nachhilfe oder Lücken aus dem Schuljahr stehen an.

Lernen in den Ferien ist nicht grundsätzlich schlecht. Es sollte aber dosiert sein. Ferien brauchen Erholung. Wer sechs Wochen lang jeden Tag Druck bekommt, startet nicht gestärkt ins neue Schuljahr.

Besser ist ein klarer, kleiner Plan: zum Beispiel drei- bis viermal pro Woche 30 Minuten Wiederholung. Danach ist wirklich frei.

Tabelle: Wovor SchülerInnen vor den Sommerferien Angst haben

AngstWoran du sie erkennstWas helfen kann
ZeugnisangstBauchschmerzen, Reizbarkeit, RückzugRuhig bleiben, gemeinsam Lösungen suchen
Angst vor ÄrgerKind verschweigt Noten, wirkt angespanntErst zuhören, nicht sofort schimpfen
Angst vor SitzenbleibenScham, Tränen, VermeidungSelbstwert stärken, Perspektive geben
Angst vor dem neuen SchuljahrGrübeln, SchlafproblemeÜber konkrete nächste Schritte sprechen
Angst vor EinsamkeitRückzug, viel BildschirmzeitKontakte, kleine Ferienrituale planen
Angst vor Lernen in den FerienWiderstand, FrustKurze Lernzeiten, feste freie Tage
Angst vor VergleichenScham über „langweilige“ FerienFerien nicht als Wettbewerb darstellen

Checkliste für Eltern: So kannst du dein Kind unterstützen

☐ Frage nicht nur: „Welche Note bekommst du?“, sondern: „Wie geht es dir gerade?“
☐ Reagiere auf schlechte Noten nicht im ersten Schreck.
☐ Vermeide Vergleiche mit Geschwistern oder KlassenkameradInnen.
☐ Plane Lernzeiten in den Ferien klein und realistisch.
☐ Sorge für echte Erholung ohne ständigen Schuldruck.
☐ Sprich früh über das neue Schuljahr, aber nicht jeden Tag.
☐ Stärke dein Kind mit konkretem Lob: „Du hast nicht aufgegeben.“
☐ Hole Hilfe, wenn Angst, Schlafprobleme oder Rückzug länger anhalten.

Was SchülerInnen selbst tun können

Du musst mit deiner Angst nicht allein bleiben. Sprich mit jemandem, dem du vertraust: Eltern, Großeltern, FreundInnen, LehrerInnen oder SchulsozialarbeiterInnen. Manchmal wird Angst kleiner, sobald sie ausgesprochen ist.

Du kannst dir auch drei Fragen stellen:

  1. Wovor genau habe ich Angst?
  2. Was davon kann ich beeinflussen?
  3. Wer kann mir helfen?

Wenn du Angst vor dem Zeugnis hast, ist das verständlich. Aber ein Zeugnis entscheidet nicht darüber, wie viel du wert bist. Es zeigt nur, wo du gerade stehst.

Sommerferien sind nicht für alle unbeschwert

Viele SchülerInnen freuen sich auf die Sommerferien. Andere haben Angst vor Zeugnissen, Streit, Sitzenbleiben, Einsamkeit oder dem neuen Schuljahr. Wichtig ist, diese Angst ernst zu nehmen.

Eltern helfen am meisten, wenn sie ruhig bleiben, zuhören und gemeinsam nach Lösungen suchen. SchülerInnen brauchen vor den Sommerferien nicht noch mehr Druck. Sie brauchen Sicherheit, Orientierung und das Gefühl: Ich bin nicht allein – auch wenn nicht alles perfekt gelaufen ist.

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