Dreipunktgriff oder Pinzettengriff: Wie schreibt mein Kind korrekt?

So schreibt es sich gut, der klassische Pinzettengriff

Immer mehr Lehrer*innen beschweren sich über die miserable Handschrift vieler Schulkinder. Schon in der Grundschule, aber ganz intensiv dann ab der fünften Klasse, müssen die Kinder immer längere Texte mit der Hand schreiben. Doch das Schriftbild ist oft unleserlich, einfach kaum zu entziffern. Die langen Texte und Aufsätze sollen Lehrer*innen korrigieren. Das funktioniert aber nur, wenn die Handschrift lesbar ist.

Ursachen für eine schlechte Schreibhaltung

Wer selten schreibt, nicht malt oder auch sonst eher „wischt“ als mit einem Stift zu hantieren, dem fehlt einfach die Übung. Und da sind in jedem Fall die erwachsenen Vorbilder gefragt, die zunehmend Zeit am Smartphone oder vor einem Bildschirm verbringen. Viele spielen lieber online als analog, seien es Gesellschaftsspiele, Kniffliges oder auch Wettbewerbe. Das Schreiben oder der Umgang mit einem Stift ist dabei nicht gefordert, es würde viel zu viel Zeit kosten.

Diese Fehler sind häufig anzutreffen

Da immer mehr Kinder den Pinzettengriff oder Dreipunktgriff nicht mehr beherrschen, sieht auch ihr Schriftbild chaotisch aus. Das zeigt sich in einer Vielzahl von unterschiedlichen Fehlern.

  • Sie schreiben über den Rand des Heftes hinaus.
  • Sie streichen sehr viel durch oder überschreiben Teile ihrer Texte.
  • Sie halten die Zeilen nicht ein.
  • Sie üben zu viel Druck aus, so das es Löcher im Heft gibt.
  • Sie schreiben viel zu langsam und können den Anforderungen nicht gerecht werden.
  • Sie streichen viel durch und kritzeln dann daneben eine weitere Schreibweise.

Muss es immer der Pinzettengriff sein?

Ein Teil dieser Fehler ist darauf zurückzuführen, dass die Stifthaltung der Kinder falsch ist. Ob es immer der Pinzetten- oder Dreipunktgrifff sein muss, ist dabei nicht sicher. Es gibt durchaus auch flüssige und weniger anstrengende Stifthaltungen, die sehr individuell sind. Wichtig bei der ganzen Diskussion ist auf jeden Fall, dass die Schrift lesbar ist und auch längere Texte ohne Mühe verfasst werden können.

Individueller Griff, kein Pinzettengriff

Sollen Eltern den Pinzettengriff üben?

Schon im Kindergarten beginnen die Kleinen damit, Stifte zum Malen in die Hand zu nehmen. Hier wird bereits die richtige Stifthaltung angelegt. Wenn Kinder nicht frühzeitig korrigiert werden, verfestigt sich möglicherweise eine verkrampfte und falsche Haltung. Es gibt einige Hilfsmittel, um die richtige Stifthaltung zu unterstützen. Das sind beispielsweise dicke Stifte, auf steckbare Keile aus Gummi oder sogenannte Malbirnen. Damit fällt es den Kindern viel leichter, den gewünschten Pinzettengriff anzuwenden.

Auch beim Schreiben gibt es individuelle Unterschiede

Doch was ist mit Kindern, die eine andere Art der Stifthaltung für sich entdeckt haben und damit gut klarkommen? Solange sich ein flüssiges Schriftbild ergibt, beispielsweise bei Mitschriften, und die Hand des Kindes nicht ändert, sind noch andere Stifthaltungen erlaubt. Fast alle Alternativen bauen jedoch auf die Haltung mit drei Fingern. Dabei geht es um den Zeigefinger, den Daumen und den Mittelfinger. Beim Pinzettengriff greifen Daumen und Zeigefinger den Stift, der locker auf dem Mittelfinger aufliegt. Auch die Hand liegt auf dem Tisch auf. Nun führen Daumen und Zeigefinger den Stift über das Papier.

Josies Stifthaltung ist eigenwillig

Josie ist 6 Jahre alt, Linkshänderin und im letzten Sommer in die Schule gekommen, eigentlich sollte sie den Dreipunktgriff beherrschen. Wenn sie malt, sieht es wie folgt aus. Zunge zwischen die Zähne, und dann klemmt sie den Stift zwischen Zeigefinger und Mittelfinger. Trotzdem malt sie sehr detailliert und über einen wirklich langen Zeitraum. Sie kann sich wunderbar konzentrieren und auch ihre Feinmotorik lässt keine Wünsche offen.

Dreipunktgriff
Dreipunkt individuell angepasst

Das halten Eltern und Pädagog*innen vom Pinzettengriff

Längst sind die Meinungen gegenüber der Notwendigkeit des Pinzettengriffs nicht mehr so starr wie früher. Das mag auch daran liegen, dass Erwachsene immer weniger mit der Hand schreiben. Viele haben es fast schon verlernt, verkrampfen selber schnell und haben ein krakeliges Schriftbild. Bei Kindern führt die ständige Ermahnung durch Eltern oder Lehrkräfte dadurch, dass sie möglicherweise die Lust am Halten eines Stiftes verlieren. Es gibt jedoch einige wichtige Punkte, die für den Pinzettengriff sprechen:

  • Das Kind sollte beim Schreiben auf das Heft sehen können, ohne dass seine Hand es verdeckt.
  • Drei Finger sind in der Regel notwendig, um flüssig und unverkrampft schreiben zu können.
  • Der Stift sollte locker in der Hand liegen, um nicht zu viel Druck auszuüben.
  • Die erlernte Schreibhaltung sollte es dem Kind ermöglichen, über eine Schulstunde lang flüssig zu schreiben, ohne zu ermüden.

Übung für eine bessere Stifthaltung

Zeigefinger und Mittelfinger greifen den Stift so, dass er locker dazwischen liegt. Der Daumen steht gegenüber. Nun wandern die Finger den Stift von unten nach oben und umgekehrt. Am besten gleich beide Hände gleichzeitig nutzen, dann kann die andere Hand nicht zur Hilfe eingesetzt werden.

Pinzettengriff

Spracherkennung: Immer öfter wird diktiert

Es gibt viele Möglichkeiten, das Schreiben mit der Hand im Alltag zu umgehen. Am PC oder am Smartphone kann fast alles über Sprachsteuerung erledigt werden und auch die übrige Haustechnik wird immer stärker in die Sprachsteuerung eingebunden. Alexa und Siri sind nur der Anfang einer rasanten Entwicklung, bei der das Schreiben mit Stift und Papier keine Rolle mehr spielt. In Zuge dieser Entwicklung kann sich auch die Schule nicht endlos dagegen wehren. Eine Handschrift mag für die Entwicklung zahlreicher Fähigkeiten hilfreich sein, solange sie aber im Alltag überhaupt nicht mehr gefordert ist, wird sie sich langfristig nicht durchsetzen – ob mit oder ohne Pinzettengriff.