Legasthenie – bald schon kein Problem mehr für Legastheniker!

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Als ich vor 35 Jahren als junge Diplom Pädagogin damit begann Kinder mit Lese- Rechtschreibproblemen zu therapieren, also Legastheniker, war das Leid groß. Rund 100 Jahre kannte man damals schon die Teilleistungsstörung Legasthenie, aber eine wirklich schnelle und effektive Lösung war nicht in Sicht. Und wenn ich ehrlich bin, ist das heute nicht anders.

Hat die Forschung den Legasthenikern wirklich etwas gebracht?

Klar, die Legasthenie ist besser erforscht, betroffene Kinder und Jugendliche genießen einen gewissen Schutz und manche Lerntherapiekosten werden sogar von den Jugendämtern übernommen. Das entlastet Familien, nimmt etwas Druck von ihnen und vermittelt den Betroffenen zumindest, dass sie nicht alleine mit der Problematik dastehen. Aber schon in der Benennung des Problems gibt es keine Einheitlichkeit. Im schulischen Zusammenhang heißt es Lese- Rechtschreibschwäche, im medizinischen Legasthenie. Manche bezeichnen es auch als LRS und im englischsprachigen Ausland heißt es Dyslexie.

Neue Medien machen es einfacher

Diagnose ist Glücksspiel

Ein Test auf Legasthenie oder die Diagnose einer Legasthenie oder auch einer Dyskalkulie (Rechenschwäche) ist ebenfalls noch immer ein Glücksspiel. Längst nicht alle Kinder mit diesen Problemen werden begutachtet und getestet. Und steht die Diagnose fest, heißt das noch nicht, dass eine Förderung stattfinden kann. Hier muss zunächst die Kostenfrage geklärt werden, und das ist ein großes Thema für sich.

Gibt es wirkungsvolle Therapiekonzepte?

Doch wie weit sind wir mit der Therapie? Unzählige Konzepte wurden in lerntherapeutischen Praxen, bei PsychologInnen und von Eltern ausprobiert. Allen gemeinsam ist die liebevolle Zuwendung zum Kind, das Verständnis und der Wille, etwas (letztlich die Note) zu verbessern. Hilfreich, natürlich. Doch ist es damit gelungen, das Problem an der Wurzel zu packen? Hilft auch nur eine der vielen Therapieformen sicherer und schneller als normaler Unterricht, der nur langsamer und auf die Bedürfnisse des Kindes ausgerichtet stattfindet?

Mit diesen 33 Lerntechniken besser lernen


  Uta Reimann-Höhn: „Gute Lerntechniken sind wirkungsvolle Geheimwaffen, um die eigenen Leistungen nachhaltig zu verbessern.“
★  Das gute Noten Prinzip mit 33 einfachen Lerntechniken
Uta Reimann-Höhn
Dipl. Päd. Uta Reimann-Höhn

Bei guten Lernkonzepten lernen alle besser

Ich denke nicht! Eine strategiegeleitete Lerntherapie hilft besser als jede andere. Das zeigen Studien. Doch auch strategiegeleiteter Unterricht ist besser als anderer. Mit einer klaren Strategie an der Hand lernen alle Menschen besser, auch Legastheniker. Garniert werden die Methoden mit Wahrnehmungstraining, um die Laute besser erkennen zu können. Auch nicht schlecht, aber ist das der Durchbruch?

Legastheniker werden bestraft

Letztlich bleibt es dabei, Legastheniker verbringen wesentlich mehr Zeit mit dem Lernen als Kinder ohne eine Teilleistungsstörung. Das hat Nachteile:

  • Ihre Freizeit wird durch Therapien, Test und Lernbeschnitten
  • Sie empfinden sich oft als dumm und wertlos
  • Auf ihren Lernfortschritt wird genauer geschaut als bei anderen
  • Die Legasthenie als Defizit ist ständig Thema
  • Ihre Stärken werden oft weniger gewertschätzt
  • Die weitere Schullaufbahn und Ausbildung sind unsicher

Ein Hoch auf die Digitalisierung

Dabei ist es doch inzwischen so einfach. Alexa, Siri und Co. Brauchen keine schriftliche Aufforderung, um eine Frage zu beantworten oder eine Webseite auszurufen. Texte werden gesprochen statt geschrieben, außer in der Schule. Die Spracherkennungssoftware ist inzwischen so gut, dass sie mitlernt und Fehler immer seltener werden – Dank KI (künstlicher Intelligenz). All das, was Legastheniker das Leben so schwer macht, könnte umgehend beendet werden.

Legastheniker Pedro hat keine Probleme mehr

Pedro folgt dem Schulunterricht ohne Probleme. Texte aus Büchern oder von der Whiteboard lässt er sich einfach vorlesen. Aufsätze oder Berichte diktiert er in seinen Computer. Schreibt er selber, aktiviert er die Korrekturfunktionen und lernt so ganz nebenbei die richtige Rechtschreibung. Er erstellt sogar eigene E-Books mit dem Book-Creator und vernetzt sich mit der Klasse über Padlets. Obwohl Pedro sehr langsam liest und viele Rechtschreibfehler macht, ein klassischer Legastheniker, liebt er es selber Geschichte zu erfinden und kleine Bücher zu gestalten. Dabei integriert er Texte, Fotos und Videos.

Stigmatisierung ade´!

Die Entwicklung geht so schnell voran, dass die bisherigen Erleichterungen für Kinder und Jugendliche mit einer LRS | Legasthenie oder Lese- Rechtschreibschwäche immer besser werden.  Nicht nur sie, sondern flächendeckend die gesamte Generation der Heranwachsenden beherrscht die Rechtschreibung immer weniger. Generell wird getextet, gesprochen oder Informationen über Videos aufgenommen. Bald werden Legastheniker überhaupt nicht mehr auffallen – außer in der Schule.

Letzter Ort des Leidens sind die Schulen

So langsam wie die Digitalisierung im deutschen Bildungssystem voran geht, so zäh bleiben Legastheniker eine der „Problemgruppen“ im Bildungssystem. Während die Schulen sehr langsam auf Whitboards umstellen und um flächendeckendes W-Lan kämpfen, Legasthenie-Beauftragte einsetzen und das Thema Teilleistungsstörungen auch ins Lehramt Studium Einlass finden, so schnell verschwindet die „Behinderung“ nach der Ausbildung aus dem Alltag.