Leseziele für den Übertritt in die 5. Klasse

Lesen
Ohne Motivation wird das nichts mit dem Lesen

Immer wenn ich mit Grundschullehrern der dritten oder vierten Klasse spreche, kommt früher oder später das Thema Lesen auf den Tisch. Alle Lehrkräfte sind sich einig, dass ihre Schüler längst nicht mehr so flüssig und schnell lesen wie früher. Auch das Verstehen der Texte bereitet ihnen zunehmend Schwierigkeiten. Außerdem verringert sich die Konzentrationsfähigkeit und die Lust am Lesen geht generell zurück. Wie gut liest Ihr Kind? Machen Sie hier den kostenlosen Lesetest [weiter zum Lesetest].

Lesefähigkeit im Sinkflug

Was die Lehrerinnen und Lehrer besonders besorgt, sind die Auswirkungen der sinkenden Lesefähigkeit auf den Bildungserfolg. Immer mehr Studien belegen, dass dieser signifikant mit der Lesekompetenz zusammenhängt. Das bedeutet, wer wenig und schlecht liest, hat auch schlechtere Erfolgsaussichten in Schule und Beruf.

Manche Kinder brauchen wirklich lange, bis sie herausfinden, dass Lesen richtig Spaß machen kann. Die mühsame Zeit des langsamen Lesens, das stolpernde Entschlüsseln von längeren Wörtern und das Erfassen des Sinnes hinter den Buchstaben kann dauern. Nur gut, wenn Sie Ihrem Kind dann geduldig und kreativ dabei helfen, ein sicherer Leser zu werden. Ihre Unterstützung und Vorbildfunktion sind beim Lesen gar nicht stark genug zu betonen. 

Die Lesekompetenz entscheidet (auch) über die Schullaufbahn

Die vierte Klasse ist ein Wendepunkt im Leben eines Schulkindes. Mit dem Halbjahreszeugnis entscheidet sich, welche Schulform der Schüler im nächsten Schuljahr besuchen wird (ausgenommen Berlin und Brandenburg mit sechs Grundschulklassen). Leseschwache Kinder werden im Gymnasium größte Probleme bekommen. Häufig kommen sie allerdings gar nicht so weit. Wer nicht gut liest, versteht weder Texte noch Textaufgaben, und erhält in der Regel keine Gymnasial- Empfehlung.

Diese Leseziele sollten Kinder am Ende der vierten Klasse erreicht haben

Lesen
Lesen ist online und offline gefragt

1. Lesestoff strukturieren

Satzzeichen beachten

Nutzt es die Strukturierungshilfe der Satzzeichen?

Sprechpausen machen

Liest ist es den Text beim laut Lesen mit Sprechpausen an den richtigen Stellen?

Sinneinheiten erkennen

Kann Ihr Kind den gelesenen Text in Sinnabschnitte einteilen? Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Gutes Buch fürs Kind finden
Lesen geht fast überall

2. Sinn verstehen

sinnerfassend lesen

Versteht Ihr Kind, was es liest? Kann es Fragen zum Text beantworten?

Sinnstützen anwenden

Unterstreicht oder markiert Ihr Kind wichtige Passagen, um den gesamten Text besser zu verstehen?

Schlüsselwörter erkennen

Kann es für den Text wichtige Schlüsselwörter zum Verständnis nutzen?

3. verschiedene Textarten lesen und verstehen

Handlungsanweisungen lesen

Ist das in der Lage ein Rezept, eine Bauanleitung oder eine Wegbeschreibung nach dem Lesen umzusetzen?

regionale Texte lesen

Kann Ihr Kind auch Texte lesen, die mit regionalem oder mundartlichem Wortschatz arbeiten?

in versch. Medien lesen

Liest und versteht Ihr Kind auch Texte in Zeitungen, in E-Books oder im Internet?

 Wie gut liest Ihr Kind? Machen Sie hier den kostenlosen Lesetest [weiter zum Lesetest].

4. Lesehilfen kennen und anwenden

Lesestrategien anwenden, z.B.

·        … Fragen zum Text stellen.

·        … Vermutungen äußern, wie die Geschichte weitergehen könnte.

·        … Vorwissen für den aktuellen Text nutzen.

versch. Lesetechniken anwenden, z.B.

·        …sich an Überschriften orientieren.

·        …den Text überfliegen.

·        …gezielt nach wichtigen Informationen suchen.

Zusatzinformationen nutzen

·        … Bildunterschriften

·        … Klappentext

Lesen heißt auch verstehen

Diese Fähigkeiten gehen weit über das reine Handwerk des Lesens hinaus. Leider gibt es immer noch genug Schulabgänger, die als so genannte funktionale Analphabeten ins Leben starten. Sie können zwar alle Buchstaben und können auch einfache Wörter und Texte lesen, der Sinnzusammenhang des Gelesenen erschließt sich Ihnen jedoch nicht. Für den Leseanfänger ist das noch ein normaler Entwicklungsschritt, für den Schulabgänger jedoch eine Katastrophe.

7 Schritte zur Lesekompetenz

  1. Denke über die Überschrift nach! Ihr Kind soll vor dem eigentlichen Lesen erst einmal nachdenken und sich verdeutlichen, auf welchen Inhalt die Überschrift hinweisen könnte.
  2. Kläre alle unbekannten Wörter und Begriffe! Beim Lesen eines Textes muss Ihr Kind zunächst einmal klären, ob es alle verwendeten Begriffe kennt. Häufig, aber nicht immer, verhindern unbekannte Wörter im Text, dass ein Kind versteht, worum es geht.
  3. Finde die Signalwörter! Besonders in Sachtexten gibt es Begriffe oder Wörter, die sehr hilfreich für das Textverständnis sind. Diese Signalwörter kann Ihr Kind farbig markieren.
  4. Bilde Zwischenüberschriften! Bei längeren Texten ist es sehr hilfreich, diese noch einmal in kleinere Abschnitte zu unterteilen. Am besten gelingt das mit aussagekräftigen Zwischenüberschriften.
  5. Fasse den Text kurz zusammen! Nach dem ersten Lesen soll Ihr Kind versuchen, die wichtigsten Aussagen des Textes mit eigenen Worten wiederzugeben. Dabei wird schnell deutlich, wo noch Verständnislücken sind.
  6. Beantworte die 6 W-Fragen! Nach dem ersten oder auch zweiten Lesen sollte Ihr Kind in der Lage sein, die folgenden Fragen zu beantworten.
  • Was ist passiert?
  • Wann ist es passiert?
  • Wo ist es passiert?
  • Wem ist es passiert?
  • Warum ist es passiert
  • Wie ist es passiert?
  1. Erkläre die Bilder! Oft unterstreichen Fotos oder Bilder wichtige Informationen, die im Text vermittelt werden. Es lohnt sich, alle Bilder, Grafiken oder Zeichnungen genau anzusehen und zu erklären.