Luca ist hyperaktiv – was tun?

hyperaktiv
Schwer zu motivieren

Luca ist hyperaktiv und ständig in Bewegung. Schon morgens, wenn er sich für die Schule anziehen soll, vollbringt der schmächtige Junge akrobatische Meisterleistungen. Er hängt sich dann mit einer Hand an sein Hochbett und zieht sich in dieser Position seine Hose und die Strümpfe an. Dann springt er noch ein wenig auf der Matratze herum und ignoriert hartnäckig das Rufen zum Frühstück.

ADHS kann zermürbend sein

Sein Schulranzen, den er am Vortag achtlos in eine Ecke seines Zimmers geworfen hat, muss noch gepackt werden und auch die Zähne sind noch nicht geputzt. Doch die Uhr läuft, der Unterricht wartet, und Lucas Eltern sind schon kurz nach dem Aufstehen erschöpft. Jeden Morgen braucht Luca zahlreiche Ermahnungen, um sich für die Schule fertig zu machen und endlich am Frühstückstisch zu erscheinen.

Luca ist hyperaktiv und alles ist interessant

Erst wenn Luca endlich die Wohnung verlassen hat und mit dem Nachbarjungen gemeinsamen die wenigen Meter zur Grundschule läuft, können seine Eltern etwas aufatmen und noch in Ruhe einen Kaffee trinken. Doch oft ist der Frieden nur von kurzer Dauer, denn auch in der Schule macht Luca Probleme. Mindestens einmal pro Woche ruft seine Lehrerin die Eltern an. Erfreuliches hat sie selten zu berichten. Luca stört den Unterricht durch Hineinrufen, er ärgert andere Kinder, ist häufig in Streitereien verwickelt und vergisst regelmäßig seine Hausaufgaben. Im Unterricht hört er nicht zu und den Anweisungen der Lehrerin folgt er nur sporadisch. Dabei macht Luca das alles nicht extra und leidet selber unter den ständigen Ermahnungen. Doch er weiß einfach nicht, wie er sich besser konzentrieren kann. Er findet einfach alles interessant, was um ihn herum vor sich geht. Wie soll er da ruhig und konzentriert der Lehrerin zuhören? [ADHS – 7 Tipps für Lehrer]

Hyperaktiv – das hilft: Energieventil und ein fester Rahmen

Kinder mit einem hohen Bewegungsdrang und einer schlechten Konzentrationsleistung brauchen intensive Hilfe und Unterstützung von Elternhaus und Schule. Je geregelter ihr Tagesablauf ist, desto leichter können sie sich darin zurechtfinden – die sportliche Freizeitbetätigung sollte Bestandteil des Nachmittags sein. Hyperaktive Kinder müssen Gelegenheit haben ihren Bewegungsdrang auszuleben. Es nutzt nichts, sie zu zwingen, lange still zu sitzen. Besser ist es, ihrer Energie ein Ventil zu verschaffen. Versuchen Sie, auch das Lernen mit Bewegung zu verknüpfen.

  • Ein Sitzball als Schreibtischstuhl
  • Laufdiktate
  • Entspannungstechnik
  • Ruhige Musik
  • Gelegenheit zur Bewegung, z.B. ein Buch aus dem Regal nehmen
  • Kurze Lerneinheiten

Klare Regeln helfen

Darüber hinaus ist ein liebevolles und konsequentes Verhalten dem hyperaktiven Kind gegenüber enorm wichtig. Auch wenn es wirklich mühsam ist, helfen klare Regeln und Absprachen den Kindern sehr beim Lernen. Z.B.

  • Belohnungssystem / Punktepläne
  • Pläne für Handlungsabläufe erstellen (möglichst nicht mehr als drei Dinge nacheinander, z.B. Bett machen, Ranzen packen, Meerschwein füttern)
  • Rituale zur Strukturierung des Tagesablaufes

Nicht jedes Energiebündel ist gleich hyperaktiv

Nicht jedes unruhige Kind ist gleich verhaltensauffällig oder hat ADHS. Vielmehr besteht heute eine Tendenz dazu, bewegungsfreudige und neugierige, kontaktfreudige Kinder skeptisch zu betrachten. Die beschränkten Möglichkeiten, sich im Freien auszutoben, und der stetig wachsende schulische Leistungsdruck, erfordern schon von kleinen Kindern eine hohe Selbstkontrolle. Diese gelingt nicht allen sofort, was auch völlig normal ist. Wenn sich jedoch die Anzeichen auf Hyperaktivität mehren und das Verhalten eines Kindes auf Dauer unangemessen ist, sollten unbedingt Fachleute zurate gezogen werden. Ein erfahrener Kinderarzt, ein sozialpädiatrisches Zentrum oder eine Erziehungsberatungsstelle können die auftretenden Fragen meist schnell beantworten.

Testen Sie schon mal vorab: Könnte mein Kind hyperaktiv sein?