Strafen in der Schule

Geht es nicht ohne Strafen?

Unterrichtsbeginn nach den Ferien, Einschulung, Schulwechsel – fast alle Schülerinnen und Schüler Deutschlands haben die Sommerferien beendet und drücken jetzt wieder die Schulbank. Das bedeutet lernen, lernen, lernen…. und sich gut benehmen. Denn schlechtes Verhalten wird oft bestraft. Welche Strafen in der Schule überhaupt erlaubt sind und welche nicht, ist kein Allgemeinwissen.

Strafen in der Schule
Noch 5 mal abschreiben…

Strafen in der Schule? Erlaubte und verbotene

In der Schule gehört die Strafarbeit nicht der Vergangenheit an, sondern ist für viele Lehrerinnen und Lehrer noch ein probates Mittel, um die Ruhe und Ordnung im Klassenraum zu gewährleisten. Nachsitzen und Strafarbeiten, Ohrenkneifer und Klassenbucheinträge – alles kommt auch heute noch in modernen Klassenzimmern vor. Und selbstverständlich werden täglich in deutschen Schulen hunderte Smartphones konfisziert, weil Schülerinnen und Schüler sich damit vom Unterricht ablenken.

Dürfen Schlüssel fliegen?

Es klingt unglaublich, aber ich höre immer wieder von Kindern, die vom Lehrer mit einem Schlüssel beworfen worden sind, zum Beispiel wenn sie träumen und die mündliche Mitarbeit verweigern. Definitiv ein No Go, denn Gewalt gegen Kinder geht gar nicht. Da könnten wir ja gleich den Prügelstock oder die Strafarbeit „100mal etwas abschreiben“ wieder aus der Mottenkiste des letzten Jahrhunderts holen.

Apropos Mottenkiste – manches ist unglaublich

„Mein Klassenlehrer hat die Mädchen absichtlich deklassiert und die Jungen manipuliert. Es gab leichtere Aufgaben für die Mädchen und anspruchsvolle für die Jungen. Er machte Witze über die Menstruatuion und sogar über mögliche Schwangerschaften (in Klasse 8 bis 10). Seine Lieblinge, zwei oder drei Jungen, durften mit ihm im Sportwagen fahren.“

Heute undenkbar, oder?

Lehrerinnen und Lehrer, die zu solchen Mitteln greifen, sind in der Regel ratlos, überfordert und im falschen Job. Doch generell sind Strafen und Strafarbeiten in der Schule nicht verboten. Um die Störungsfreiheit im Klassenzimmer zu bewahren, dürfen Lehrkräfte zu Sanktionen greifen. Allerdings müssen gewisse Grundregeln laut Schulgesetz in allen Bundesländern eingehalten werden. 

Strafarbeit und Nachsitzen
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Strafen sollten logisch sein

So sollten Strafen sein

  • … sie dürfen nicht willkürlich sein, sondern müssen im Zusammenhang mit einem Fehlverhalten stehen.
  • … sie müssen angemessen sein, wenn das Kind beispielsweise mehrfach gegen eine Regel verstoßen hat.
  • …sie sollten unmittelbar nach einem störenden Vorfall verhängt werden.
  • … und sie sollten einen Sinn und einen Bezug zum Fehlverhalten haben.

 

Diese Strafen und Strafarbeiten sind erlaubt

  • Nachsitzen: Sofern die Eltern vorher informiert wurden und ihre Einwilligung gegeben haben.
  • zusätzliche Hausaufgaben
  • Störende Dinge oder Gegenstände wegnehmen: Nur für die Dauer eines Schultages.
  • Strafarbeiten im Rahmen des Lernstoffs aufgeben.
  • Umsetzen im Klassenzimmer.
  • Bei Fehlverhalten Eintrag ins Klassenbuch.
  • Verursachte Schäden beheben lassen.
  • In die Parallelklasse schicken.
  • Von Schulveranstaltungen (Klassenfahrt, Wandertag) ausschließen.

Auf der Webseite der Kultusministerkonferenz stehen die Schulgesetze der Bundesländer www.kmk.org

Strafen in der Schule

Diese Strafen dürfen Lehrer nicht verhängen

  • Kollektivstrafen: Es dürfen keine Kinder bestraft werden, die sich korrekt verhalten haben.
  • Gewalt: Jede Form von Gewalt, auch das Schlüsselbundwerfen, ist verboten.
  • Beschimpfungen: Lehrer dürfen Kinder nicht vor anderen schlecht machen oder beleidigen.
  • Privatsphäre stören: Das eingezogene Handy darf nicht vom Lehrer gelesen werden.
  • Mittelalterliche Strafen: In der Ecke stehen oder Stockschläge sind verboten.

Ungerechte Strafen nicht hinnehmen

Die gute, alte Strafarbeit hat also auch heute noch lange nicht ausgedient. Alles muss ein Kind sich aber nicht gefallen lassen. Sind die Strafen zu heftig oder unangemessen, können Eltern einschreiten und sich auch bei der Schulleitung beschweren.