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Letztens habe ich eine meiner Lernvideos mit dem Google Translater ins Englische übersetzen lassen. Einfach den Text kopieren und bei Google in das deutsche Feld eintragen. Fast sofort erscheint die englische Übersetzung, und die ist gar nicht schlecht. Was früher vor Fehlern strotzte, ist heute bereits erstaunlich fehlerfrei. Da ich mich auf eine Maschine nicht verlassen wollte, fragte ich eine gute Freundin von mir, deren Muttersprache Englisch ist. Meine Freundin, ich nenne sie mal Kim, las den Text und fand nicht einen einzigen Fehler.

Okay, es handelte sich nicht um einen langen Text. Und es war auch kein schwieriger Text, es ging lediglich darum zu erklären, wie eine Bildergeschichte geschrieben wird. In kurzen Sätzen und mit einfachen Worten. Schließlich handelte es sich nur um den Begleittext zu einem Video, das den Vorgang sowieso bildlich verdeutlicht. Trotzdem war ich sehr erstaunt, denn noch vor kurzem konnte Google diese Leistung nicht erbringen.

„Mama, warum kann ich das nicht Google übersetzen lassen?“

How to write a picture story with GoogleWas bedeutet das jetzt für den Sprachenunterricht in der Schule? Muss mein Kind sich wirklich jahrelang mühsam damit herumplagen, die wahnsinnig vielen Vokabeln von fremden Sprache zu lernen? Der Fremdsprachenunterricht nimmt ja ab der dritten Klasse sehr viel Zeit ein. Oder wäre diese Zeit nicht viel besser nutzbar, in dem andere Skills vermittelt werden. Und Sprachen lernen nur noch Experten, die sich später auch beruflich damit befassen möchten?

Denn es ist ja nicht sehr schwer vorstellbar, dass in naher Zukunft ein kleiner Knopf im Ohr dabei behilflich sein wird, jede nur erdenkliche Sprache korrekt zu übersetzen. Dann brauchen wir nur noch Experten für komplexe und schwierige Zusammenhänge, für zwischenmenschliche Töne oder sehr schwer übersetzbare Texte.

Google Translator kann viel Zeit sparen

Aber muss Lukas, der sowieso nicht gerne liest und schreibt, einen Großteil seiner Schulzeit wirklich darauf verwenden, Englisch, Französisch und vielleicht Spanisch und Latein zu lernen? Wäre Marie nicht viel besser dran, wenn sie in der freiwerdenden Zeit das Programmieren lernen könnte oder in einem Kreativkurs beim Basteln ihre Feinmotorik verbessert?

Die künstliche Intelligenz ist schon in sehr viele Bereiche des täglichen Lebens vorgedrungen. Dieser Text wird beispielsweise von mir diktiert, so wie ich es seit einigen Jahren all meinen Manuskripten mache. Mein bester Freund trägt ein Armband, das ihm in jeder Sekunde genau zeigt, wie seine Gesundheitswerte sind. Hat er sich zu wenig bewegt, schiebt er noch eine Runde Sport ans Ende des Tages. So kontrolliert eine Maschine sein Blutdruck und seine Gesundheit. Autos parken selber ein, erinnern daran Pausen zu machen und werden schon bald ganz ohne Fahrer funktionieren.

Fremdsprache lernen oder Google bemühen?

Eine Fremdsprache nahezu perfekt zu übersetzen ist für die modernen Computer kein Problem mehr. Übrig bleibt der soziale Aspekt, denn das Sprechen mit Menschen aus fremden Kulturen muss geübt und praktiziert werden. Allerdings ist das Ziel dabei nicht den anderen immer besser zu verstehen, sondern die Völkerverständigung ganz allgemein. Soziale Kompetenzen werden immer wichtiger, wer es schafft gute Beziehungen zu knüpfen und mit anderen zu kommunizieren, wird erfolgreich sein.

Ich komme noch einmal auf die Überschrift zurück, und beantworte die Frage meines Sohnes wie folgt: „Ja, du kannst es von Google übersetzen lassen. Aber vorher probierst du es selber und überprüft dann, welche Unterschiede es gibt. Diese zeigst du in der Schule deinem Lehrer an und fragst, welche Übersetzung richtig ist. So bist du schlauer als der Computer.“

Gedanken zur Digitalisierung, zur künstlichen Intelligenz und zum Alltag von Schulkindern von Uta R.-H.
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