Immer wieder PISA

Seit nunmehr 16 Jahren werden die Leistungen von Schülerinnen und Schülern in 72 Ländern getestet. PISA (Programme for International Student Assessment) ist seit den ersten Ergebnissen in aller Munde. Deutschland hat nicht so gut abgeschnitten wie erwartet. Wie konnte das kommen? Seitdem wird im Bildungssystem daran geschraubt, das Leistungsniveau der deutschen 15-jährigen zu verbessern. Doch die Ergebnisse sind nicht beeindruckend.

Ein bisschen besser als der Durchschnitt, mehr wird´s nicht

PISA? Lieber daddeln!Seit einigen Jahren ist Deutschland zwar besser als der Durchschnitt, vielmehr wird es allerdings nicht. Und 10.000 Schülerinnen und Schüler wurden im letzten Jahr in den Fächern Naturwissenschaften, Lesekompetenz und Mathematik überprüft. Ja prima, wir liegen über dem Durchschnitt. Überall. Doch von den anderen Ländern heben wir uns nicht ab. Müsste so ein reiches Land wie unseres nicht viel, viel besser sein? Vergleicht man die Ergebnisse der vergangenen Jahre hat sich Deutschland sogar leicht verschlechtert. Die mittlere Punktzahl ist auf 15 Punkte zurückgegangen. Mehr Geld in die Bildung! Lehrerausbildung verbessern! Ruf der Pädagogen stärken!

Meine Oma hätte das auch gewusst

PISA LeistungsstarkeDie Ergebnisse sind nicht überraschend. Lesen können Mädchen besser als Jungen, in den Naturwissenschaften sind sie schlechter. Ein bisschen haben sich die Leistungen der Geschlechter angenähert, aber nur ein bisschen. Wo bleibt die Emanzipation?Wer fördert die Jungens, wer die Mädchen? Wo bleiben die spezifischen Angebote, die Motivation, die Anreize? In deutschen Schulen können immer noch die Jungen besser rechnen und die Mädchen besser lesen. Das ist schlechter als in anderen Ländern, Deutschland ist nicht sehr fortschrittlich. Das muss sich ändern, finde ich!

Was ist mit den besonders Leistungsstarken?

Davon gibt es unter den 10.000 getesteten Schülerinnen und Schülern lediglich 13 %. In Singapur beispielsweise sind es 30 %. Aber auch Belgien oder Macau liegen vor den deutschen Ergebnissen. Das können wir doch besser? Oder auch nicht. Noch immer sind die Bildungschancen in Deutschland von der sozialen Herkunft abhängig. Ein bisschen was haben die Reformen geändert, aber nicht viel.

Wir sollten Äpfel nicht mit Birnen vergleichen

Finnland hat seine eigenen Probleme, Deutschland hat ganz andere. Eine Bildungsreform muss her, das ist keine Frage. Doch sie muss sich an den deutschen Gegebenheiten orientieren. 10-15 Jahre wird es dauern, bis die positiven und auch die negativen Folgen von Reformen sichtbar werden. Spucken wir in die Hände und packen es endlich richtig an! Kleinere Klassen! Engagierte Pädagogen! Einzelförderung für schwache Kinder!

PISA kostet viel Energie, aber bringt es auch was?

Die Ergebnisse von PISA sind mit Vorsicht zu genießen. Immerhin können sich die deutschen Bildungspolitiker auf die Schulter klopfen, denn ein wenig verbessert haben sich die Ergebnisse in den letzten Jahren. Spitzenplätze sind allerdings nicht drin. Besonders gut schnitten bisher Singapur, Japan, Estland, Finnland und Kanada. Vielleicht sollte man sich von diesen Bildungssysteme ein wenig abgucken. Oder eher nicht?

Finnland ist keine Erfolgsgeschichte

Finnland wird bei PISA schlechterSehen wir uns einmal Finnland an. Im Jahr 2000 haben die Finnen fantastisch abgeschnitten. Sie führten die Spitze des „Pisaberges“ an. Skeptiker meinten:“ Dieses Land hat weniger Einwohner und ebenfalls wenig Licht. Was sollen die Kinder großartig anderes machen, als sich in der langen, dunklen Jahreszeit fortzubilden?“ Aber Bildungspolitiker, Bildungsexperten und Bildungserklärer aller Länder reisten in den Norden, um sich das Wunder anzusehen. Dann wurde das finnische Konzept in anderen Ländern kopiert. Inzwischen hat Finnland rund 25 Punkte (der Lernerfolg eines ganzen Schuljahres) eingebüßt, und ist von Jahr zu Jahr schlechter geworden. Zwar liegen die Finnen immer noch über dem Durchschnitt, aber von der Spitze sind inzwischen weit entfernt. Das finnische Bildungssystem ist längst nicht so gut, wie man denkt. Bei der ersten Untersuchung profitierten die Schüler noch vom autoritären Frontalunterricht. Der offene, freie Unterricht, der später kam, führte nun zu dem Niedergang. Und noch etwas ist erstaunlich: in keinem Land gehen Schüler so ungerne zur Schule wie in Finnland.