Schüchtern und introvertiert, das brauchen leise Kinder

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Lukas ist schüchtern und seine Eltern machen sich Sorgen, ob das seinen Schulerfolg behindern wird. Schüchternheit kann für Kinder in der Schule ein echtes Problem sein. Sowohl die mündliche Mitarbeit als auch der Kontakt zu den Mitschülerinnen und Mitschülern entscheidet nicht selten über den Schulerfolg. Doch Kinder sind nicht alle gleich. Manche sind forsch, neugierig und mutig, sehr kontaktfreudig und genießen das Bad in der Menge. Andere hingegen trauen sich einfach nicht vor anderen laut zu sprechen oder ihre Meinung im Unterricht zu vertreten. Sie haben Angst, sich zu blamieren. Es entspricht nicht ihrer Persönlichkeit, sich in den Vordergrund zu stellen und ihre Wünsche, Ideen und Bedürfnisse ständig allen mitzuteilen. Diese Kinder gelten als schüchtern, und das ist eine negativ belegte Eigenschaft. Schade eigentlich, denn wer schüchtern ist, ist noch lange nicht uninteressant, langweilig oder dumm.

Daran erkennst du schüchterne Kinder

Schüchterne Kinder zeichnen sich oft durch bestimmte Verhaltensweisen und Merkmale aus. Hier sind einige Anzeichen, an denen man schüchterne Kinder erkennen kann:

  1. Zurückhaltendes Verhalten: Schüchterne Kinder neigen dazu, sich in sozialen Situationen zurückzuhalten. Sie wirken oft ruhig, beobachten mehr, bevor sie sich aktiv beteiligen.
  2. Geringes Selbstbewusstsein: Ein Mangel an Selbstbewusstsein ist ein häufiges Merkmal. Schüchterne Kinder zweifeln oft an ihren Fähigkeiten und haben möglicherweise Schwierigkeiten, ihre Meinung auszudrücken.
  3. Vermeidung von Blickkontakt: Schüchterne Kinder meiden manchmal den direkten Blickkontakt. Das kann darauf hindeuten, dass sie unsicher sind oder Schwierigkeiten haben, sich in der Kommunikation zu öffnen.
  4. Leise oder zögernde Sprache: Beim Sprechen können schüchterne Kinder leise oder zögerlich wirken. Sie wählen vielleicht ihre Worte sorgfältig aus und drücken sich möglicherweise nicht so deutlich aus wie selbstbewusstere Kinder.
  5. Angst vor Kritik: Schüchterne Kinder haben oft eine ausgeprägte Angst vor Kritik oder Ablehnung. Diese Angst kann dazu führen, dass sie sich zurückziehen und weniger bereit sind, sich in Gruppen zu engagieren.
  6. Vermehrte Körperhaltung: Schüchterne Kinder neigen dazu, sich in sich selbst zurückzuziehen. Ihre Körperhaltung ist möglicherweise eher zurückgelehnt, und sie versuchen, sich kleinzumachen, um weniger Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
  7. Schwierigkeiten beim Anschließen: Das Knüpfen von Freundschaften kann für schüchterne Kinder herausfordernd sein. Sie können Schwierigkeiten haben, sich in Gruppen zu integrieren oder neue Kontakte zu knüpfen.
  8. Angst vor neuen Situationen: Schüchterne Kinder fühlen sich oft unwohl in neuen oder unbekannten Situationen. Veränderungen oder unerwartete Ereignisse können ihre Ängstlichkeit verstärken.
  9. Selbstisolation: Manchmal ziehen sich schüchterne Kinder selbst in sozialen Situationen zurück. Sie isolieren sich möglicherweise, um unangenehme Interaktionen zu vermeiden.
  10. Starke Bindung zu Vertrauenspersonen: Schüchterne Kinder neigen dazu, starke Bindungen zu wenigen Vertrauenspersonen, wie zum Beispiel Eltern oder engen Freunden, zu haben. Diese Beziehungen bieten ihnen oft Sicherheit und Unterstützung.

Es ist wichtig zu betonen, dass Schüchternheit eine normale und akzeptable Persönlichkeitseigenschaft ist. Ein unterstützendes Umfeld kann dazu beitragen, schüchterne Kinder zu stärken und ihr Selbstbewusstsein zu fördern.

Schüchternheit ist ein Persönlichkeitsmerkmal

Schüchterne Kinder sind nicht nur im Unterricht still. Auch im Kontakt mit Freundinnen und Freunden, im Verein oder in der Familie halten sie sich meistens sehr zurück. Erst wenn sie sich ganz sicher sind, dass sie gehört und nicht ausgelacht werden, trauen sie sich ihre Meinung zu vertreten. Manche Eltern wissen überhaupt nicht, dass ihr Kind in der Schule extrem schüchtern ist. Zu Hause sprudelt es möglicherweise über vor Ideen und Mitteilungsbedürfnis, weil es sich sicher, geborgen und aufgehoben fühlt. In der Schule kann die Situation ganz anders sein. Die vielen Kinder in der Klasse, unterschiedliche Lehrerinnen und Lehrer und natürlich auch die Leistungsanforderungen können Kinder verschrecken. Besonders schüchterne Kinder trauen sich dann einfach nicht, ihre Meinung vor anderen zu sagen.

Schüchterne Kinder brauchen mehr Sicherheit

Es ist also durchaus sinnvoll, ab und zu die Lehrerinnen und Lehrer deines Kindes zu fragen, wie es sich im Klassenverband verhält. Wenn du eine große Diskrepanz feststellst, solltest du darüber nachdenken, dein Kind unterstützen. Oft sind es ganz kleine Dinge, die ihm helfen, sich auch in der Schule freier zu äußern.

5 Tipps gegen die Schüchternheit im Unterricht

  1. Du kannst du zu Hause ganz präzise üben, wie es auf eine Frage der Lehrerin in der Schule reagieren kann. Dazu eignet es sich beispielsweise, eine Hausaufgabe vorzubereiten.
  2. Überlege mit deinem Kind auch einmal, was passieren kann, wenn es eine falsche Antwort gibt. Versuche ihm klarzumachen, dass Fehler zum Lernen dazugehören.
  3. Vielleicht hilft deinem Kind ein kleiner Glücksbringer, den es im Unterricht in der Hosentasche festhält. Dieser Glücksbringer unterstützt es dabei, sich mutig zu melden.
  4. Auch kleine Ziele bringen dein Kind weiter. Vielleicht übt es erst einmal, sich jeden Tag einmal in irgendeiner Unterrichtsstunde zu melden. Wenn ihm das in einer Woche jeden Tag geglückt ist, kann es in der nächsten Woche die Zahl ein bisschen erhöhen.
  5. Ebenfalls hilfreich sind Geschichten von Vorbildern, die auch mit Schüchternheit in der Schule gekämpft haben.

Der stille Lukas wird nie ein Draufgänger

Aber es ist auch klar, dass ein schüchternes Kind normal kein forsches Kind wird. Selbst wenn alle Sorgen, Probleme und Fragen geklärt sind, wird dein Kind trotzdem eher still sein und seine Meinung oft für sich behalten. Es handelt sich eben um ein Persönlichkeitsprofil, das nicht ohne weiteres zu verändern ist. Und mal ehrlich, das wollen wir doch auch gar nicht. Stell dir einmal vor, in der Klasse wären alle Kinder total schüchtern und würden nicht sagen. Oder sie wären alle total aufgedreht und würden ständig durcheinander reden. Beides ist nicht gut. Deshalb hat die Unterschiedlichkeit von Schülerinnen und Schülern durchaus etwas Gutes für den Unterricht.

Schüchternheit müssen LehrerInnen akzeptieren

Wenn dein Kind es einfach nicht über sich bringt, vor der Sprachklasse zu sprechen, ist das auch in Ordnung. Sprich auf jeden Fall mit den Lehrerinnen und Lehrern, damit dein Kind nicht vor der Klasse beschämt wird. Es gibt immer eine Möglichkeit, das Leistungsvermögen eines Kindes festzustellen. Wer sich nicht melden will, kann durch schriftliche Arbeiten ebenfalls seine Note verbessern. Falls du doch einmal auf Lehrkräfte triffst, die dafür nicht offen sind, scheue dich nicht die Schulleitung anzusprechen. Zur mündlichen Mitarbeit gehört nicht nur das aktive Melden, sondern auch die Hausaufgaben sind ein wichtiger Teil davon.

Schüchternheit ist keine Schande

Unterschiedliche Persönlichkeiten ergänzen sich

Allerdings sollte dieses unterschiedliche Verhalten nicht bewertet werden. Natürlich ist ein schüchternes Kind nicht schlechter als ein forsches Kind. Selbstbewusste, extrovertierte, aufgeschlossene und offene Kinder fallen jedem auf. Sie sind sehr präsent und wahrscheinlich kennen die Lehrerinnen und Lehrer ihren Namen als erstes. Das bedeutet aber nicht, dass diese Kinder besonders clever und beliebt sind oder dass sie die Schullaufbahn erfolgreicher durchlaufen als andere. Häufig sind es genau diese Kinder, die den Unterricht der Lehrkräfte stören und sich damit selber schaden. Sie schießen sozusagen über das Ziel hinaus, und das ist auch nicht gut.

Fördern und bremsen, je nach Bedarf

Doch was ist die goldene Mitte? Die dominanten und schlagfertigen Kinder sollten etwas weniger präsent sein, die schüchternen sich etwas mehr trauen. Insgesamt ist es eine herausfordernde Aufgabe für Lehrerinnen und Lehrer, alle Schülerinnen und Schüler gerecht zu behandeln. Das bedeutet auch, die extrovertierten Kinder etwas zu drosseln und die schüchternen zu unterstützen. Doch wie werden schüchterne Kinder richtig unterstützt? Auf keinen Fall sollten sie ständig dazu aufgefordert werden, ihre Meinung zu sagen oder vor der ganzen Klasse etwas zu präsentieren. Das ist für schüchterne Kinder eine Qual.

Warum sind schüchterne Kinder viel besser als ihr Ruf?

Schüchterne Kinder haben oft viele positive Eigenschaften und Fähigkeiten, die über den oft negativen Ruf hinausgehen, der mit Schüchternheit verbunden sein kann. Hier sind einige Gründe, warum schüchterne Kinder besser sind als ihr Ruf:

  1. Empathie und Sensibilität: Schüchterne Kinder sind oft sehr empathisch und sensibel. Sie können sich gut in die Gefühle anderer hineinversetzen und haben oft ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen.
  2. Beobachtungsgabe: Aufgrund ihrer zurückhaltenden Natur beobachten schüchterne Kinder oft sehr genau ihre Umgebung. Diese Beobachtungsgabe kann dazu führen, dass sie feine Details wahrnehmen, die anderen möglicherweise entgehen.
  3. Selbstreflexion: Schüchterne Kinder neigen dazu, über ihre Gedanken und Handlungen nachzudenken. Diese Selbstreflexion kann zu einem tieferen Verständnis der eigenen Gefühle und des eigenen Verhaltens führen.
  4. Kreativität: Schüchterne Kinder haben oft eine lebhafte Fantasie und Kreativität. Sie können sich in ihre eigene Welt vertiefen und haben die Fähigkeit, innovative Ideen zu entwickeln.
  5. Zuverlässigkeit: Schüchterne Kinder sind oft zuverlässig und gewissenhaft. Sie neigen dazu, Verantwortung ernst zu nehmen und ihre Aufgaben gewissenhaft zu erledigen.
  6. Selbstständigkeit: Aufgrund ihrer Zurückhaltung entwickeln schüchterne Kinder oft eine gewisse Selbstständigkeit. Sie sind in der Lage, alleine zu arbeiten und eigene Entscheidungen zu treffen.
  7. Loyalität in Beziehungen: Schüchterne Kinder bauen oft tiefe und langanhaltende Beziehungen auf. Ihre Loyalität und ihre Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen, können zu starken Bindungen führen.
  8. Hohes Maß an Konzentration: Schüchterne Kinder können sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren. Der Mangel an Ablenkungen in sozialen Situationen ermöglicht es ihnen oft, sich auf ihre Arbeit zu fokussieren.
  9. Respektvoller Umgang mit anderen: Schüchterne Kinder neigen dazu, respektvoll mit anderen umzugehen. Sie sind oft höflich und nehmen die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen ernst.
  10. Hervorragende Zuhörer: Schüchterne Kinder sind oft ausgezeichnete Zuhörer. Sie geben anderen die Möglichkeit, sich auszudrücken, und schaffen so eine unterstützende Atmosphäre.

Es ist wichtig zu erkennen, dass Schüchternheit eine Persönlichkeitseigenschaft ist und nicht unbedingt eine Schwäche darstellt. Indem wir die positiven Aspekte der Schüchternheit würdigen und schätzen, können wir dazu beitragen, das Selbstwertgefühl schüchterner Kinder zu stärken und ihre individuellen Stärken zu fördern.