Früher habe ich ihn gehasst und gleichzeitig respektiert, den Bademeister im Schwimmbad. Besonders im Freibad, Erlebnisbad oder im Freizeitbad hat er immer in den schönsten Momenten eingegriffen und unser Spiel unterbunden. Wenn Lukas und Leon die tollsten Wasserbomben vom Dreier gezeigt haben, Leonie mit frischen Pommes und einer großen Flasche Cola zur Stärkung ankam oder Sven Fotos von den Mädels gemacht hat. Das fand ich gar nicht gut!

Viel Verantwortung und wenig Wertschätzung

Schwimmbad, Freibad

 

Heute bin ich älter, klüger und haben mehr Lebenserfahrung. Ich weiß, dass es den Bademeistern im Schwimmbad oder im Freibad in aller erster Linie darum geht, dass niemand zu Schaden kommt. Auf keinen Fall darf jemand ertrinken, auf schmierigen Pommes ausrutschen, die ein hungriges Kind am Beckenrand verloren hat oder durch eine Glasscherbe zu Schaden kommen, die von einer zerbrochenen Flasche übrig geblieben ist.

Auch durch ein Video aus dem Schwimmbad per Cybermobbing verfolgt zu werden, muss er verhindern. Um diese Ziele zu erreichen, muss der Bademeister im Schwimmbad in vielen Situationen hart durchgreifen.

 

 

Fünf Ziele des Bademeisters im Freibad

Weil ich es genau wissen wollte, habe ich einen Bademeister zur Auftakt der Freibad und Schwimmbadsaison befragt. Ja, er war bereits braun gebrannt und sah sehr sportlich aus. Wie früher dachte ich: „Was für ein cooler Job, immer im Schwimmbad, immer in der Sonne und schönen Mädchen nachschauen.“ Aber dann habe ich mich mit dem wirklich sehr netten Bademeister lange unterhalten.

 

 

Und das sind seine 5 No-Gos:

1. Nichtschwimmer im Schwimmerbecken (warum, muss nicht erklärt werden, oder?)

2. Handy am Pool, weil er dann ständig überprüfen muss, ob damit Fotos gemacht werden oder gefilmt wird.

3. Essen und Trinken am Beckenrand und auf der Freifläche neben den Schwimmbecken. Besonders den Kindern fällt gerne mal etwas hin, Flaschen zerbrechen und Getränke kippen um. Das heruntergefalle Essen lockt Wespen an und kann zu Unfällen führen.

4. Fluchtwege müssen freigehalten werden. Das bedeutet, rund um die Schwimmbecken dürfen keine Handtuchlager aufgebaut werden, sondern nur auf den Liegeflächen.

5. Streit zwischen den vielen unterschiedlichen Schwimmbadbesuchern, die ganz verschiedene Vorstellungen von einem schönen Tag im Freibad haben.

 

Der Umgangston ist ganz schön rau im Schwimmbad

Im Freibad, im Schwimmbad, in der Therme, im Erlebnisbad, im Freizeitbad und im Hallenbad kommen sehr unterschiedliche Menschen nah zusammen.

  • Eltern mit ihren kleinen Kindern
  • ältere Menschen, die schwimmen, um ihre Beweglichkeit zu erhalten
  • Jugendliche, die richtig Radau machen möchten
  • Sportschwimmer, die ihre Bahnen ziehen möchten
  • Pärchen, die ein Schwimmbadbesuch romantisch finden
  • Grundschulkinder, die endlich alleine ins Schwimmbad gehen dürfen
  • sogenannte Integrationsgruppen von Flüchtlingen
  • Großfamilien, die ihre Ferien im Schwimmbad verbringen

 

Alle diese Gruppen haben unterschiedliche Vorstellungen vom Schwimmbad. In der Folge kommt es ständig zu Auseinandersetzungen, weil die Fläche nicht groß genug ist, um allen Ansprüchen gerecht zu werden. Wenn der Konflikt nicht gelöst werden kann, muss der Bademeister her. Und das passiert im Minutentakt.

Er kann es nicht allen recht machen, zieht also auf jeden Fall den Ärger von irgendeiner Personengruppe auf sich. Nicht selten verbinden sich dann die Konfliktparteien und schimpfen gemeinsam auf den Bademeister.

 

 

Ich möchte den Job nicht haben

Ganz ehrlich, früher konnte ich Bademeister nicht leiden und heute möchte ich nicht mit ihnen tauschen. Den ganzen Tag die Verantwortung dafür zu tragen, dass niemand ertrinkt, ist schon nicht leicht. Aber auch noch ständig Konflikte lösen zu müssen und dumm angemacht zu werden, das macht einfach keinen Spaß.

Wenn ich könnte, würde ich allen Schwimmbadbesuchern laut zu rufen: „Denkt doch nicht nur an euch, sondern auch an die anderen. Alle wollen Spaß im Schwimmbad haben. Jeder muss ein bisschen zurückstecken. Freut euch doch lieber darüber, dass wir überhaupt Freibäder haben, das ist nicht in jedem Land selbstverständlich.“

Aber wer würde mir schon zuhören? Deshalb habe ich meine eigenen Schwimmbadregeln aufgestellt und halte sie auch diszipliniert ein. Wer will, kann es mir nachmachen.

 

 

Meine Regeln im Schwimmbad
  1. Wenn ich meine Ruhe im Freibad haben möchte, besuche ich es zu den Schulzeiten und außerhalb der Schulferien.
  2. Essen tue ich lieber zu Hause, denn fettige Pommes und salzhaltige Würstchen sind sowieso ungesund. Als Getränk ziehe ich Wasser vor, das klebt nicht und ist günstig.
  3. Wenn ich lange Haare habe, binde ich sie mit einem Gummi zusammen. Ich möchte auch nicht in den haarigen Tentakeln anderer Schwimmbadbenutzer herum kraulen.
  4. Wenn mir jemand in den Weg schwimmt, lächle ich ihn freundlich an und suche mir eine andere Bahn. Ich will im Schwimmbad keinen Streit, sondern ich suche Erholung.
  5. Jubelnde, spritzende und lachende Kinder sehe ich gerne. Ich möchte, dass Kinder Spaß haben und im Freibad oder im Schwimmbad den Stress der Schule vergessen können. Sie knüpfen hier soziale Kontakte und manchmal kann man ihnen sogar vermitteln, dass sie auf ältere Leute ein wenig Rücksicht nehmen sollten. Manchmal.
  6. Mein Handy lass ich im Auto oder nehme es überhaupt nicht mit. Zur Beschäftigung packe ich das gute alte Taschenbuch ein, weil das auch mal nass werden kann.

 

Bei mir hätte der Bademeister nicht so viel zu tun

Ohrstöpsel fürs SchwimmbadDenke ich jedenfalls. Vielleicht würde ich ihn zutexten, wie herrlich das Wasser ist, wie warm die Sonne und wie wundervoll das Leben. Er würde mir lächelnd zuhören und dabei denken: „Manche Leute haben doch wirklich nichts anderes zu tun als im Freibad schwimmen zu gehen.“

Dann sehe ich eine Sorgenfalte auf seiner Stirn. Er setzt sich in Bewegung und steuert zielstrebig auf zwei Jugendliche zu, die lässig am Beckenrand sitzen und eine Zigarette rauchen.

Also stecke ich meine Ohrstöpsel wieder ein, tauche den großen Zeh ins Becken und entscheide, noch ein, zwei oder drei Bahnen zu ziehen.

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