Tagung Rechenschwäche 2005

Schulische Diagnostik und Förderung bei Rechenschwäche

Herr Prof. Dr. Lorenz, Jens Holger; Pädagogische Hochschule für Mathematik Heidelberg

– Früherkennung sollte bereits im Kindergarten erfolgen
– Förderung muss schon im ersten Schuljahr einsetzten
– Zahlenraumvorstellungen entstehen im Kopf über geometrische Eigenschaften
– Analoge Größenrepräsentationen ( über Zahlenvorstellungen)
– Auditive – verbale, über das nennen der Zahlen
– Visuell arabische, über das sehen der geschrieben Zahl
– Während es noch vor kurzer Zeit hieß, diese Kinder sollten sehr lange mit Anschauungsmaterial arbeiten, so weiß man heute, dass sich die mathematischen Strukturen im Gehirn erst dann entwickeln, wenn das Kind von dem Material weg kommt und versucht die Rechnungen in der Vorstellung zu erfassen.
Das Kind sollte also erst mit Material arbeiten und sich dann langsam davon lösen, indem es sagt, was es jetzt macht, es aufschreibt, oder auch mit dem Material unter einem Tuch hantiert, so dass es nicht hinschauen kann.

Diagnostik

– durch Fehlerfeflexion: Worauf beruhen die Fehler?
o Auf falscher Strategie
o Auf ungenügenden kognitiven Fähigkeiten
o Auf mangelnde Beherrschung des Rechenweges
o Auf mangelndem Sprach- oder/und Textverständnis

Kognitive Bereiche für das Rechnen

– Größenvergleiche ( Welches der Bilder ist das Größte?)
– Ein mal Eins Zuordnungen ( Eine Reihe Teller und eine Reihe Tassen darüber, auf welchen Bild sind genau so viele Tassen wie Teller?)
– Suchbilder
– Gegenstände in Vorstellung drehen ( 75 % der Kinder hat damit Schwierigkeiten)
– Rechts Links Schwäche ( die Kinder sollten aus dem normalen Unterricht raus genommen werden und erst mal an Hand er Rechts, Links Schwäche gearbeitet werden)
– Puzzle
– Mosaik ( nicht mit Steinen sondern nur mit Abbildungen um die Vorstellung wo liegt was im Raum zu fördern)
– Mathematisches Sprachverständnis ( Anforderungen auf diesem Gebiet sehr hoch, weil viele präpositionale Begriffe: vor, hinter, unter..)
extreme Fähigkeit sprachliche Nuancen zu differenzieren, werden gestellt
– Bilder sortieren ( Handlungsabläufe erkennen)
– Vergleichen von Mengen ( erfassen, nicht abzählen)
– Größere Zahl umkreisen

– diese Kinder werden auch beim Aufsatzschreiben auffällig, da sie die Handlungen nicht in die richtige Reihenfolge bringen können
– oft sind es auch die Kinder, die keine Geschichten hören wollten, weil sie auch dort die Handlungen der gesprochenen Sprache nicht in ihre Vorstellungskraft übertragen konnten

Was tun?

– Entwicklungsunterschiede der Kinder, die in die erste Klasse kommen sind extrem
– Würfelbilder (Wie viele Würfel sind auf dem Bild? Erst nur in Vorstellung, wenn es gar nicht klappt, dann nachbauen um Vorstellung zu fördern.)
– Würfelnetz (Welches Netz ergibt einen Würfel?)
– Operationen finden: 25 5=5
– Zahlenstrahlarbeiten
– Arbeiten im Hunderterquadrat
– Was ist die Mitte der Strecke
– Halbieren einer Strecke
– Was liegt in der Mitte von 80 und 120

– den Kindern beim Problemlösen zusehen
– ungeahnte Denkprozesse wahrnehmen
– wie kamen die Fehler zustande
– eigenständiges richtiges Denken anregen
– lange im Bereich bis 20 bleiben, bzw. immer wieder darauf zurück gehen