Es gibt immer lauter werdende Stimmen, die bestreiten, dass die Rechtschreibung im digitalen Zeitalter noch wichtig ist. “Wird doch eh alles aufgesprochen und vom Computer getippt!” Das stimmt zwar, aber wäre es nicht schade, wenn eine alte Kulturtechnik ausstirbt? Und mit ihr vielleicht auch ein Teil unseres Intellektes?

Denken heißt Handeln

Unser Gehirn lernt durch Bewegung. Wenn Kinder keine Anregung bekommen und sich nicht bewegen, sterben sie oder verkümmern. Rennen, laufen und springen sie jedoch, entwickeln sie sich weiter. Auch das Schreiben ist eine Form der Bewegung – und schon alleine deswegen wichtig.

Rechtschreibung üben in den Ferien

 

Die gemeinsame Rechtschreibung ist noch gar nicht so alt

Erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gibt es eine einigermaßen einheitliche Rechtschreibung. Das bedeutet, wenn jemand das Wort Pferdekutsche aufgeschrieben hat, konnten andere erkennen, was er damit meint. Obwohl in deutscher Sprache schon seit ungefähr 1200 Jahren geschrieben wird, gab es lange keine Einheitlichkeit.

Warum Rechtschreibung wichtig ist, fragten sich zunächst die Mönche, die in den Klöstern hauptsächlich Lateinisch schrieben. Dann versuchten es einige Mönche auch in Deutsch und stellten fest, dass eine einheitliche Rechtschreibung für das Verständnis wichtig ist

 

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Die Mönche wollten eine einheitliche Rechtschreibung

Warum Rechtschreibung wichtig ist

Doch wie sollte die neue Rechtschreibung aussehen? Clevere Mönche übertrugen einfach das lateinische Alphabet ins Deutsche. Bei dieser Form der Rechtschreibung gab es natürlich Probleme.

Für manche Laute, die im Deutschen gesprochen wurden, gab es überhaupt keine Buchstaben. Für andere Laute gab es zu viele (beispielsweise k., c. und q).

 

Die Rechtschreibung veränderte sich ständig

Rechtschreibprobleme gab es von Anfang an. Die Mönche und ihre Leser fanden viele Argumente dafür, warum Rechtschreibung wichtig ist. Früher waren diese Argumente gar nicht so anders als heute. Je mehr Leute überhaupt lesen und schreiben lernten, desto brennender wurde das Problem der Rechtschreibung.

 

Kinderleicht: 3 Schritte zum korrekten Schreiben

 

Argumente für eine einheitliche Rechtschreibung: warum Rechtschreibung wichtig ist
  • Die deutsche Rechtschreibung wurde als barbarisch empfunden, sie sollte anspruchsvoller werden und einen besseren Ruf bekommen.
  • Eine uneinheitliche Schreibweise und Rechtschreibfehler machen keinen kompetenten Eindruck.
  • Die unterschiedlichen Schreibweisen der Wörter führten dazu, dass Texte nicht verstanden wurden.
  • Die Setzer mussten sich verschiedenen Regeln fügen, und ihre Texte immer wieder neu zusammensetzen.
  • Im Unterricht konnten keine Rechtschreibregeln vermittelt werden, die für alle gültig waren.
  • Lesen und schreiben lernen war extrem schwierig, da Texte immer wieder anders aussahen.

 

Orthographische Konferenz erstellt 1901 verbindliche Rechtschreibregeln

Duden: Warum Rechtschreibung wichtig istSchon 1872 gab es eine Schulkonferenz der deutschen Länder, die sich mit der Vereinheitlichung der Rechtschreibung befasste. Erfolge gab es nicht zu verzeichnen, die Teilnehmer konnten sich über eine einheitliche Rechtschreibung nicht einigen.

Warum Rechtschreibung wichtig ist, war nicht die Frage. Aber zu viele Forderungen und Bedenken konnten nicht unter einen Hut gebracht werden.

Erst 1901 konnte sich die Schreibweise von Konrad Dudens Wörterbuch durchsetzen. Sie lag bereits seit 20 Jahren vor, denn Duden hatte die erste Konferenz interessiert verfolgt und sich dann an die Arbeit gemacht, die Rechtschreibung zu vereinheitlichen.

Schon ein Jahr später wurde diese Schreibweise aller deutschen Wörter für alle Bundesländer als verbindlich erklärt. Auch Österreich und die Schweiz schlossen sich an.

Rechtschreibung: 100 Jahre kaum verändert

Warum ist Rechtschreibung wichtigNiemand konnte ahnen, dass dieser Beschluss fast 100 Jahre lang bestehen bleiben sollte. Die deutsche Rechtschreibung wurde nicht weiter entwickelt. Warum Rechtschreibung wichtig ist, war Konsens.

Doch nun gab es einen Beschluss, der zunächst einmal alle zufrieden stellte. Die Reformvorschläge im Verlauf der nächsten 100 Jahre hatten alle keinen Erfolg. Man musste sich von den zähen Verhandlungen erst einmal erholen.

 

Diese Reformvorschläge der Rechtschreibung konnten sich nicht durchsetzen
  • Die gemäßigte Kleinschreibung sah vor, nur noch Satzanfänge, Eigennamen und Anredepronomen groß zu schreiben.
  • Die Großschreibung, bzw. Kleinschreibung in der deutschen Rechtschreibung wurde zu einer ideologischen Diskussion. Wer kleinschreiben wollte, wurde der linken politischen Ecke zugeordnet.
  • Kompliziertere Regeln sollten vereinfacht werden, beispielsweise im Bereich der Worttrennung, der Zeichensetzung der Getrenntschreibung und Zusammenschreibung sowie der Laut Buchstabenbeziehungen und der Fremdfortschreibung.

 

Neuregelung der Rechtschreibung erschien 1996

Nach jahrelangen Diskussionen einigte sich die Kommission zur Verbesserung der Rechtschreibung auf angepasste Regeln. In dem ganzen Prozess wurde deutlich, dass man die Rechtschreibung nur schwer verändern kann.

Letztlich setzt sich nur eine Anpassung an die Entwicklung durch, die von den ausübenden Menschen in der Praxis umgesetzt wird. Und selbst dann wird die Diskussion über eine Veränderung der Rechtschreibung sehr emotional geführt. Letztlich hat das dazu geführt, dass die Rechtschreibreform nur in wenigen, kleinen Punkten Erleichterung und Verbesserung bewirkt hat.

 

 

Wieso gibt es Rechtschreibung?

Blöde RechtschreibungLukas ist genervt. Ständig bekommt er schlechte Noten, weil er so viele Fehler macht. Seine Aufsätze sind fantasievoll und kreativ, aber seine Rechtschreibung ist schrecklich. Regelmäßig werden ihm Punkte abgezogen. Ihn nervt die Rechtschreibung und er würde sie am liebsten komplett abschaffen. “Wer meine Texte liest, versteht auch, was ich damit meine. Wenn das so weitergeht, schreibe ich überhaupt nicht mehr.”

Es macht Spaß, richtig zu schreiben

Tolle rECHTSCHREIBUNGSandra mag es, richtig zu schreiben. Ihre Aufsätze sind gut und die Lehrerin lobt sie oft dafür. Sandra findet es schön, ein Buch zu lesen, in dem alles richtig geschrieben ist. Jeder Fehler nervt sie, denn er lenkt sie vom Inhalt ab. Sie argumentiert: “Rechtschreibregeln kann man doch einfach lernen. Und viele Wörter werden sowieso genauso geschrieben, wie man sie spricht. Ich finde das nicht so schwer.”

 

Warum ist die Rechtschreibung trotzdem notwendig?

Rechtschreibung

Stellen Sie sich vor, jeder würde schreiben, wie er wollte. Schon jetzt ist die Rechtschreibung, durch die Zunahme digitaler Medien, ein Minenfeld geworden. Die Schüler von heute machen immer mehr Fehler und schreiben immer weniger.

Sie erschaffen sich eigene Wortgebilde, die sich in der digitalen Welt blitzschnell verbreiten. Dadurch wird die Rechtschreibung immer schlechter, denn dem Leser werden ständig falsche Wortbilder präsentiert.

Wer jahrelang das Wort net anstelle von nicht  liest, weiß irgendwann auch nicht mehr, was eigentlich richtig ist. Nur clevere Schülerinnen und Schüler können beides – Slangsprache und korrekte Rechtschreibung. Darüber hinaus wird auch immer weniger gelesen.

 

Brauchen wir die Rechtschreibung überhaupt noch?

Der Sinn eines Textes erschließt sich oft nur, wenn er weitgehend korrekt geschrieben wurde. Ein lustiges Beispiel, das im Netz kursiert, ist der folgende Satz:

Komm, wir essen, Opa!

Komm, wir essen Opa!

In dem einen Fall wird Opa zum Essen gerufen, in dem anderen Fall soll Opa verspeist werden. Hier macht die Interpunktion durchaus Sinn. Aber auch bei anderen Wörtern, die gelesen werden, macht die Rechtschreibung einen großen Unterschied.

 

Wein trinken in Massen ist ratsam.

Es muss natürlich “in Maßen” heißen, da nach einem langen Vokal nicht zwei Konsonanten stehen.

 

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