Wenn Kinder lügen: 10 Tipps für den richtigen Umgang

 Solange Kinder noch nicht zwischen sich selber und ihrer Umwelt unterscheiden können, sind sie zu Unwahrheiten oder Lügen überhaupt nicht in der Lage. Doch mit dem Bewusstsein des eigenen Ichs wird das anders. Plötzlich bleibt der kleine Sonnenschein nicht mehr bei der Wahrheit, lügt zwar ungeschickt und offensichtlich, aber er lügt. Was passiert, wenn Kinder lügen?

4 Gründe für die Lüge bei Kindern

Für Kinder ist es gar nicht so einfach zu entscheiden, wann Lügen erlaubt ist und wann nicht. Immerhin gehen sie mit offenen Augen und Ohren durchs Leben und bekommen natürlich mit, dass ihre Eltern und andere Erwachsene immer wieder zu Notlügen greifen. Außerdem hören sie Märchen und Geschichten, in denen es bei weitem nicht immer mit der Wahrheit zu geht. Im Laufe der Jahre, ungefähr mit Eintritt der Schulreife, sollten sie lernen zu unterscheiden, wann das Verbiegen der Wahrheit in Ordnung ist und wann Lügen unangemessen sind. Greifen sie dennoch immer wieder zu Unwahrheiten, kann das verschiedene Gründe haben.

1. Lügen aus Angst vor Strafe

Obwohl in den meisten Familien heutzutage das Bestrafen für kleine Unfälle, wie zerbrochenes Geschirr oder eine bemalte Tapete, keine allzu große Rolle mehr spielt, gibt es doch noch viele Kinder, die sich nicht trauen solche Ungeschicke zuzugeben. Sie schieben die Schuld auf andere, denn sie schätzen die Reaktion ihrer Eltern falsch ein und haben Angst, sich den Konsequenzen ihrer Tat zu stellen. Auch bei anderen Personen, zum Beispiel bei Freunden oder Bekannten, trauen sie sich nicht Fehler zuzugeben. Sie möchten die Verantwortung nicht übernehmen und lassen sich lieber zu unbedachten Lügen hinreißen.

Mit der Zeit lernen sie jedoch, dass die erste Lüge eine weitere nach sich zieht, bis sie sich in einem Geflecht aus Unwahrheiten verstrickt haben, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Eltern können ihren Kindern helfen, in dem sie ihnen den Weg zur Wahrheit ebnen und auf das Beichten aller „Vergehen“ verständnisvoll und straffrei reagieren. Geht es ohne Strafe nicht, so sind logische Konsequenzen für Kinder am besten nachzuvollziehen. Das zerbrochene Glas soll selber zusammen gefegt werden, der verdreckte Teppich gesaugt und die stibitzten Süßigkeiten vom eigenen Taschengeld neu gekauft werden.

Wenn Kinder lügen

2. Lügen aus Angeberei und dem Wunsch nach Anerkennung

Kinder mit einem schwachen Selbstbewusstsein suchen oft immer wieder die Anerkennung anderer, indem sie mehr oder weniger fantasievolle Geschichten erfinden. Da wird dann der Vater zum Bankdirektor gemacht, die Eigentumswohnung als Schloss mit Park verkauft oder ein imaginärer Schäferhund angepriesen. Natürlich sind diese Lügen nicht von langer Dauer, den schnell bekommen die anderen heraus, dass es sich dabei nur um Hirngespinste handelt. Wenn ein Kind mit diesen Übertreibungen nicht von selber aufhört, braucht es oft mehr Selbstbestätigung als es bekommt. Eltern sollten dann darauf achten, die Stärken und Talente ihres Kindes häufiger hervorzuheben und ihm zu Erfolgserlebnissen verhelfen. Füllt ein Kind sich stark und selbstbewusst, braucht es keine Lügengeschichten mehr zu erfinden.

3. Lügen aus Überforderung

Manche Kinder lügen, weil sie den alltäglichen Anforderungen nicht gewachsen sind. Verträumte und langsame Kinder behaupten oft, sie hätten längst die Zähne geputzt oder ihre Spielsachen weggeräumt, obwohl dies nicht stimmt. In der Schule werden schlechte Noten verschwiegenen, um die Eltern nicht zu enttäuschen oder Konflikte geleugnet, weil Streit unerwünscht ist. Diese Kinder lügen nicht aus böser Absicht, sondern sie wissen sich einfach nicht anders zu helfen. Sich selbst und ihren Eltern einzugestehen, dass sie mehr Zeit brauchen, jemanden doof finden oder leistungsmäßig an ihrer Grenze sind, überfordert sie. Eltern sollten in diesem Fall die Anforderungen herunter schrauben und ihrem Kind mehr Luft zum Entwickeln geben.

4. Lügen aus Höflichkeit und Rücksichtnahme (Notlügen)

Gegen Notlügen ist überhaupt nichts einzuwenden, denn ohne sie wäre ein friedliches Zusammenleben im Alltag wohl kaum denkbar. Um so besser, wenn Kinder schon früh erkennen, wann die Wahrheit angebracht ist und wann sie besser zu einer Flunkerei greifen. Es ist für alle Beteiligten besser, wenn das Nachbarkind aus Zeitmangel weggeschickt wird, als wenn es immer wieder hört, wie blöd es ist.

Je öfter Kinder positive Reaktionen auf ihre eigene Ehrlichkeit erleben, desto eher hören sie mit dem Lügen auf. Eltern sind gut beraten, kleine Flunkereien nicht zu ernst zu nehmen, Kinder beim Ertappen einer Lüge nicht bloß zu stellen sondern gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Das können Sie tun, wenn Sie Ihr Kind bei einer Lüge ertappen

1. Eltern haben Vorbildfunktion. Überlegen Sie, wie Ihr eigenes Verhalten in Bezug auf das Lügen aussieht. Bemühen Sie sich um Ehrlichkeit und Offenheit und lügen Sie Ihr Kind nicht an.  Das gilt auch bei peinlichen Fragen und schmerzhaften Wahrheiten.

2. Helfen Sie Ihrem Kind Alternativen zur Lüge zu finden. Wie kann es in einer ähnlichen Situation ohne Lüge bestehen?

3. Bestrafen Sie Lügen nicht zu hart. Zieht das Verhalten Ihres Kindes Konsequenzen nach sich, begründen Sie diese.

4. Beschämen Sie Ihr Kind nicht durch das strikte Einfordern von Schuldgeständnissen. Geben Sie ihm die Möglichkeit sein Gesicht zu wahren.

5. Leugnet Ihr Kind hartnäckig, lassen Sie sich erzählen, was passieren könnte, wenn die Sache ans Licht käme. So erfahren Sie auch, warum das Kind lügt. Darauf können Sie dann einfühlsam reagieren.

 6. Behandeln Sie Ihr Kind gerecht und stellen Sie ihm keine Falle. Es ist immer geschickter, das Thema direkt anzusprechen.

 7. Ist die Situation für Ihr Kind völlig verfahren, schaffen Sie die Sache gemeinsam aus der Welt. Es lernt so Lösungswege kennen und dass es mit der Wahrheit weiter kommt als mit einer Lüge.

8. Blamieren Sie Ihr Kind nicht vor anderen, indem Sie seine Lüge bloßstellen. Klären Sie die Situation unter vier Augen.

9. Belohnen und loben Sie Ihr Kind häufiger, wenn es mutig die Wahrheit sagt.

10. Haben Sie selbst einmal geschwindelt, müssen Sie Ihrem Kind erklären warum. Es soll verstehen, dass lügen vorkommen kann, aber nicht in Ordnung ist.