Inklusion oder Konfusion?

Meine beste Freundin arbeitet seit vielen Jahren an einer Förderschule in Hessen. Im Zuge der Inklusion wird ihre Schule nun zum Sommer geschlossen. Alle Lehrerinnen und Lehrer werden verteilt und kommen entweder an eine andere Förderschule oder werden als Inklusionskraft „verliehen“. Wie das genau vor sich gehen wird, ist jedoch noch völlig unklar. Und im Kollegium stößt diese Veränderung auf großen Widerstand.

Inklusion ist in jedem Bundesland anders

In Hessen scheint der Inklusionsgedanke noch sehr neu zu sein. Momentan bekommt eine Schule pro Inklusionskind 4!!! sonderpädagogische Lehrerstunden pro Woche zugeteilt. Die Schulen bemühen sich also, mehrere Inklusionskinder in einer Klasse zusammenzufassen, sodass sie dann mit einer halben zusätzlichen Lehrerstelle an ihrer Schule fest rechnen können. Träger der Lehrerstunden ist das Schulamt. Doch die Anzahl der angemeldeten Inklusions-Kinder richtet sich nicht nach den Bedürfnissen der Schule.

Rheinland-Pfalz arbeitet anders

Eine junge Erzieherin in Mainz arbeitet im Zuge der Inklusion vollkommen anders. Sie betreut mit einer Kollegin jeweils zur Hälfte einen autistischen Jungen, und zwar rund um seinen Schulbesuch. Er wird vom Bus abgeholt und während der gesamten Unterrichtszeit in der Regelschule betreut und unterstützt. Träger der Maßnahme ist die Lebenshilfe, also das Jugendamt.

Besser ein behindertes Kind in Mainz als in Wiesbaden?

Obwohl beide Städte aneinander grenzen, wird der Inklusionsgedanke völlig unterschiedlich umgesetzt. Ein Wiesbadener Kind besucht entweder weiterhin eine Förderschule, oder es wird in einer Regelschule mit NUR 4 Stunden pro Woche betreut. Ein Mainzer Kind bekommt hingegen eine lückenlose Betreuung.

Lehrer werden unzureichend vorbereitet

Rund ein Viertel aller Kinder mit besonderem Förderbedarf (mehr als 100.000) werden inzwischen in Deutschland inklusiv unterrichtet (Quelle: Monitor Lehrerbildung). Doch wer unterrichtet diese Kinder? Lediglich sieben Prozent aller Hochschulen haben Inklusion im Curriculum, also sowohl in den Bildungswissenschaften als auch in den Fachwissenschaften und der Fachdidaktik verankert. Behinderte Kinder werden also zum Großteil von Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet, die dafür nicht ausgebildet wurden.

Sie wollen mehr wissen?

Weitere Untersuchungsergebnisse und Empfehlungen beinhaltet die aktuelle Publikation des Monitors Lehrerbildung „Inklusionsorientierte Lehrerbildung – vom Schlagwort zur Realität?!“. Diese liefert erstmalig Daten zum Thema auf Grundlage einer Befragung, an der sich 65 von 70 deutschen Hochschulen und alle 16 Länder beteiligt haben. Ab dem 11. Mai hier www.monitor-lehrerbildung.de zu finden.

 Der Monitor Lehrerbildung ist ein gemeinsames Projekt von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Weitere Informationen unter www.monitor-lehrerbildung.de