Mehr Zeit bei einer Klassenarbeit, eine übersichtlichere Aufgabenstellung oder ein geeignetes Hilfsmittel: Ein Nachteilsausgleich kann Kindern mit ausgeprägten Schwierigkeiten beim Lesen oder Rechtschreiben helfen, ihr tatsächliches Wissen unter angemessenen Bedingungen zu zeigen.

Aber wichtig: Es gibt nicht den einen Nachteilsausgleich bei Legasthenie. Welche Voraussetzungen gelten und welche Maßnahmen möglich sind, hängt unter anderem vom Bundesland, der Schulform, der Jahrgangsstufe und der individuellen Situation deines Kindes ab.

Was bedeutet Nachteilsausgleich?

Die Grundidee ist einfach: Eine bestehende Schwierigkeit soll nicht dazu führen, dass dein Kind sein eigentliches Wissen oder Können schlechter zeigen kann.

🚧 Bestehende Barriere

Lesen oder Schreiben erschwert die Bearbeitung.

→
⚖️ Passende Bedingungen

Die Bedingungen werden – soweit vorgesehen – angepasst.

Nachteilsausgleich bedeutet nicht: weniger lernen müssen.
In erster Linie geht es darum, die Bedingungen der Leistungserbringung so anzupassen, dass die bestehende Schwierigkeit nicht unangemessen das Ergebnis bestimmt.

Nachteilsausgleich: 4 Schritte für Eltern

1
Bedarf genau klären
2
Schule ansprechen
3
Landesregelung prüfen
4
Maßnahmen festlegen

Bevor über einzelne Maßnahmen gesprochen wird, sollte möglichst genau geklärt sein, wo dein Kind Unterstützung benötigt. Liest es beispielsweise sehr langsam? Verliert es beim Lesen längerer Aufgabenstellungen viel Zeit? Oder benötigt das Schreiben ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit?

Welche Formen des Nachteilsausgleichs können möglich sein?

Je nach geltender Regelung und individuellem Bedarf kommen unterschiedliche Maßnahmen infrage. Die folgenden Beispiele sind deshalb keine Liste automatisch bestehender Ansprüche.

⏱️

Mehr Bearbeitungszeit

Eine Zeitzugabe kann infrage kommen, wenn langsames Lesen oder Schreiben die Bearbeitung erheblich verzögert.

📄

Aufgaben übersichtlicher gestalten

Je nach Regelung können Darstellung, Schriftgröße oder Struktur von Aufgaben angepasst werden.

💻

Technische Hilfsmittel

In bestimmten Situationen können Computer oder andere zugelassene technische Hilfsmittel eingesetzt werden.

🔊

Aufgaben zugänglich machen

Bei Leseschwierigkeiten kann – wenn die zu prüfende Leistung dies zulässt und die Landesregelung es vorsieht – auch die Präsentation einer Aufgabe angepasst werden.

🗣️

Andere Leistungsformen

Je nach schulrechtlicher Regelung können in bestimmten Situationen auch andere Formen der Leistungserbringung vorgesehen sein.

📚

Auch andere Fächer beachten

Leseschwierigkeiten können beispielsweise auch Textaufgaben oder schriftliche Aufgaben in Sachfächern erschweren.

Keine pauschalen Prozentzahlen: Aussagen wie „Bei Legasthenie bekommt ein Kind immer 25 oder 50 Prozent mehr Zeit“ sind zu allgemein. Art und Umfang einer Maßnahme müssen zu den geltenden Regelungen und zur konkreten Situation passen.

Nachteilsausgleich und Notenschutz: Was ist der Unterschied?

Diese Begriffe werden häufig miteinander vermischt. Für Eltern ist die Unterscheidung wichtig, weil sie unterschiedliche Bereiche betreffen.

⚖️

Nachteilsausgleich

Hier geht es grundsätzlich um die Bedingungen, unter denen dein Kind eine Leistung erbringt – beispielsweise Bearbeitungszeit, Darstellung oder zugelassene Hilfsmittel.

📝

Notenschutz

Hier geht es um die Bewertung einer Leistung – beispielsweise darum, ob und wie Rechtschreibleistungen bei einer Bewertung berücksichtigt werden.

Ob und unter welchen Voraussetzungen solche Maßnahmen möglich sind, richtet sich nach den jeweils geltenden schulrechtlichen Bestimmungen.

Was solltest du die Schule konkret fragen?

Statt nur zu fragen „Bekommt mein Kind einen Nachteilsausgleich?“, lohnt es sich, das Gespräch konkreter zu führen.

  • Welche Schwierigkeiten beobachtet die Schule bei meinem Kind?
  • Welche Voraussetzungen gelten bei uns für einen Nachteilsausgleich?
  • Welche Unterlagen oder Nachweise werden benötigt?
  • Wer entscheidet über die Maßnahmen?
  • Welche konkrete Unterstützung ist vorgesehen?
  • Für welche Fächer und Leistungsnachweise gilt sie?
  • Wie wird sichergestellt, dass alle beteiligten Lehrkräfte Bescheid wissen?
  • Wie lange gilt die Vereinbarung?
  • Wann wird überprüft, ob die Maßnahmen noch passen?

Lass dir möglichst konkret erklären, was vereinbart wurde und wie es im Schulalltag umgesetzt werden soll. Das reduziert Missverständnisse zwischen Eltern, Kind und verschiedenen Lehrkräften.

16 Bundesländer – unterschiedliche Regelungen

In Deutschland gibt es keine einzige identische Regelung zum Umgang mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, die an allen Schulen genauso umgesetzt wird.

📍 Prüfe die Regelung deines Bundeslandes

Voraussetzungen, Nachweise, mögliche Maßnahmen und die Dauer einer Unterstützung können sich unterscheiden. Deshalb solltest du bei einer konkreten Entscheidung immer die aktuell geltenden Vorgaben für dein Bundesland und deine Schulform prüfen.

Regelungen der Bundesländer ansehen →

Was ein Nachteilsausgleich leisten kann – und was nicht

✓

Er kann Barrieren verringern

Wenn beispielsweise langsames Lesen viel Zeit kostet, können passende Bedingungen verhindern, dass allein diese Schwierigkeit das Ergebnis unangemessen beeinflusst.

🎯

Er ersetzt keine Förderung

Ein Nachteilsausgleich verbessert nicht automatisch die Lese- oder Rechtschreibfähigkeit. Gezielte Förderung kann weiterhin notwendig sein.

Der sinnvolle Weg für Eltern

🔎Bedarf klären
🏫Schule ansprechen
📋Regelung prüfen
🤝Maßnahmen vereinbaren
🌱Wirkung überprüfen

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