Mehr Zeit bei einer Klassenarbeit, eine übersichtlichere Aufgabenstellung oder ein geeignetes Hilfsmittel: Ein Nachteilsausgleich kann Kindern mit ausgeprägten Schwierigkeiten beim Lesen oder Rechtschreiben helfen, ihr tatsächliches Wissen unter angemessenen Bedingungen zu zeigen.
Was bedeutet Nachteilsausgleich?
Die Grundidee ist einfach: Eine bestehende Schwierigkeit soll nicht dazu führen, dass dein Kind sein eigentliches Wissen oder Können schlechter zeigen kann.
Lesen oder Schreiben erschwert die Bearbeitung.
Die Bedingungen werden – soweit vorgesehen – angepasst.
In erster Linie geht es darum, die Bedingungen der Leistungserbringung so anzupassen, dass die bestehende Schwierigkeit nicht unangemessen das Ergebnis bestimmt.
Nachteilsausgleich: 4 Schritte für Eltern
Bevor über einzelne Maßnahmen gesprochen wird, sollte möglichst genau geklärt sein, wo dein Kind Unterstützung benötigt. Liest es beispielsweise sehr langsam? Verliert es beim Lesen längerer Aufgabenstellungen viel Zeit? Oder benötigt das Schreiben ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit?
Welche Formen des Nachteilsausgleichs können möglich sein?
Je nach geltender Regelung und individuellem Bedarf kommen unterschiedliche Maßnahmen infrage. Die folgenden Beispiele sind deshalb keine Liste automatisch bestehender Ansprüche.
Mehr Bearbeitungszeit
Eine Zeitzugabe kann infrage kommen, wenn langsames Lesen oder Schreiben die Bearbeitung erheblich verzögert.
Aufgaben übersichtlicher gestalten
Je nach Regelung können Darstellung, Schriftgröße oder Struktur von Aufgaben angepasst werden.
Technische Hilfsmittel
In bestimmten Situationen können Computer oder andere zugelassene technische Hilfsmittel eingesetzt werden.
Aufgaben zugänglich machen
Bei Leseschwierigkeiten kann – wenn die zu prüfende Leistung dies zulässt und die Landesregelung es vorsieht – auch die Präsentation einer Aufgabe angepasst werden.
Andere Leistungsformen
Je nach schulrechtlicher Regelung können in bestimmten Situationen auch andere Formen der Leistungserbringung vorgesehen sein.
Auch andere Fächer beachten
Leseschwierigkeiten können beispielsweise auch Textaufgaben oder schriftliche Aufgaben in Sachfächern erschweren.
Nachteilsausgleich und Notenschutz: Was ist der Unterschied?
Diese Begriffe werden häufig miteinander vermischt. Für Eltern ist die Unterscheidung wichtig, weil sie unterschiedliche Bereiche betreffen.
Nachteilsausgleich
Hier geht es grundsätzlich um die Bedingungen, unter denen dein Kind eine Leistung erbringt – beispielsweise Bearbeitungszeit, Darstellung oder zugelassene Hilfsmittel.
Notenschutz
Hier geht es um die Bewertung einer Leistung – beispielsweise darum, ob und wie Rechtschreibleistungen bei einer Bewertung berücksichtigt werden.
Ob und unter welchen Voraussetzungen solche Maßnahmen möglich sind, richtet sich nach den jeweils geltenden schulrechtlichen Bestimmungen.
Was solltest du die Schule konkret fragen?
Statt nur zu fragen „Bekommt mein Kind einen Nachteilsausgleich?“, lohnt es sich, das Gespräch konkreter zu führen.
- Welche Schwierigkeiten beobachtet die Schule bei meinem Kind?
- Welche Voraussetzungen gelten bei uns für einen Nachteilsausgleich?
- Welche Unterlagen oder Nachweise werden benötigt?
- Wer entscheidet über die Maßnahmen?
- Welche konkrete Unterstützung ist vorgesehen?
- Für welche Fächer und Leistungsnachweise gilt sie?
- Wie wird sichergestellt, dass alle beteiligten Lehrkräfte Bescheid wissen?
- Wie lange gilt die Vereinbarung?
- Wann wird überprüft, ob die Maßnahmen noch passen?
Lass dir möglichst konkret erklären, was vereinbart wurde und wie es im Schulalltag umgesetzt werden soll. Das reduziert Missverständnisse zwischen Eltern, Kind und verschiedenen Lehrkräften.
16 Bundesländer – unterschiedliche Regelungen
In Deutschland gibt es keine einzige identische Regelung zum Umgang mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, die an allen Schulen genauso umgesetzt wird.
📍 Prüfe die Regelung deines Bundeslandes
Voraussetzungen, Nachweise, mögliche Maßnahmen und die Dauer einer Unterstützung können sich unterscheiden. Deshalb solltest du bei einer konkreten Entscheidung immer die aktuell geltenden Vorgaben für dein Bundesland und deine Schulform prüfen.
Regelungen der Bundesländer ansehen →Was ein Nachteilsausgleich leisten kann – und was nicht
Er kann Barrieren verringern
Wenn beispielsweise langsames Lesen viel Zeit kostet, können passende Bedingungen verhindern, dass allein diese Schwierigkeit das Ergebnis unangemessen beeinflusst.
Er ersetzt keine Förderung
Ein Nachteilsausgleich verbessert nicht automatisch die Lese- oder Rechtschreibfähigkeit. Gezielte Förderung kann weiterhin notwendig sein.
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