Spielen besser als fördern? Forscher schlagen Alarm

Der amerikanische Verband der Kinderärzte meldet sich mit einer erstaunlichen Aufforderung zum Thema „spielen statt fördern“ zu Wort. “ Lasst eure Kinder wieder mehr spielen!“ Gemeinsam mit Medizinern und Wissenschaftlern fordern sie, die totale Verplanung der Kindheit zurück zu drehen. Die Fachleute stellen fest, dass Kinder immer mehr Freizeit verlieren. Noch vor 20 Jahren konnten Kinder 12 Stunden pro Woche länger spielen, heute ist diese ehemals freie Zeit komplett verplant. Förderprogramme, Vereine, Kurse in der Schule oder Nachhilfe – zu viel Förderung tut den Kindern nicht gut.

Spielen hilft dem Gehirn, sich zu entfalten

spielen statt fördernHintergrund dieser Forderung ist die Erkenntnis, dass Spielen wichtige Botenstoffe freisetzt. Diese körpereigenen Opiate und andere Stoffe fördern neue Vernetzungen im kindlichen Gehirn. Das freie Spielen lässt also das Gehirn der Kinder wachsen. Je verplanter die Freizeit eines Kindes ist, desto mehr behindern die Verpflichtungen die kindliche Aufmerksamkeit daran, sich frei zu entfalten. Es fehlt ihm schlichtweg die Fantasie – und der Raum, diese zu entwickeln. Kreativität kann sich nicht entfalten, wenn jeder Schritt verplant wird.

Schimpansen machen es vor

In Versuchen hat man herausgefunden, dass sich die Großhirnrinde bei Tieren nicht richtig ausbildet, wenn sie am Spielen gehindert werden. Unter anderem leiden die Tiere, auch Schimpansen, an gestörten Sozialverhalten. Das fehlende gemeinsame Spiel wirkt sich negativ aus. Menschen und Schimpansen haben ein zu 98 % übereinstimmendes Genom, eine Übertragung der Auswirkungen fehlenden Spieles also kein Wunder. Auch Kinder können keine verschiedenen Rollen ausprobieren und lernen so das soziale Miteinander nicht.

Spielen statt fördern – das können Sie tun

Überprüfen Sie die außerschulischen Verpflichtungen Ihres Kindes. Machen Sie beim allgemeinen Förderwahnsin einfach nicht mit. Ein Kindergartenkind muss noch nicht Englisch lernen, Klavier spielen oder schwimmen. Und auch ein Schulkind braucht viel freie Zeit, um sich mit seinen Freunden zu treffen oder einfach nur vor sich hin zu träumen. Wenn Ihnen dieses Verhalten ein schlechtes Gewissen macht, seien Sie unbesorgt. In der Tierwelt bekommen die Tiere den höchsten Rang, die am längsten machen konnten, was sie wollten.

Mehr spielen bedeutet nicht das Ende der Förderung

Bei allem geht es nicht um das eine oder das andere. Die gesunde Mischung macht es. Kinder  brauchen Anregungen und Förderung, aber auch Freizeit und unverplante Lebenszeit. Sie müssen sich mal langweilen, Freunde treffen und einfach nur mit anderen zusammen sein. Lernen kann nicht immer das Ziel sein.