Lautes Vorlesen quält SchülerInnen

Im Deutschunterricht in der Grundschule wird seit langer Zeit eine klassische Übung genutzt: Kinder lesen nacheinander laut aus einem Text vor, damit Lehrkräfte nachprüfen können, wie gut sie lesen. Doch genau diese Aufgabe im Deutschunterricht wird derzeit von einer erfahrenen Schulleiterin als problematisch und sogar lernschädlich bezeichnet – mit guten Gründen. Diese Einstellung über lautes Vorlesen entspricht auch unserer Erfahrung.

In diesem Beitrag erfährst du, warum diese Methode im Unterricht kritisch gesehen wird, was Forschung und Pädagogik dazu sagen und wie du dein Kind beim Lesenlernen besser unterstützen kannst.

Was ist das Problem mit lautem Vorlesen im Deutschunterricht?

Viele Kinder kennen die klassische Situation: Es wird gemeinsam ein Text gelesen und jede Schülerin und jeder Schüler muss „reihum“ laut einen Abschnitt vorlesen. Doch genau diese Art des Lesens hat laut einer Schulleiterin Nachteile.

Kritikpunkte:

Die Schulleiterin aus Hessen, die sich im Artikel äußert, bezeichnet das Vorlesen im Klassenverband sogar als „Katastrophe“, weil es in dieser Form nicht dem sinnerfassenden Lesen dient, das eigentlich das Ziel jeder Leseförderung sein sollte.

Was sagen Pädagogik und Forschung?

Aus bildungswissenschaftlicher Sicht ist längst klar, dass laut lesen nicht automatisch Verstehen bedeutet. Leises und sinnerfassendes Lesen ist die Form, die wir im Alltag tatsächlich brauchen – niemand steht vor einer Speisekarte und liest diese laut vor.

Fachdidaktisch gilt heute Konsens, dass lautes Vorlesen alleine keine zuverlässige Lesekompetenz messbar macht. Stattdessen sollte der Fokus auf Verständnissicherung liegen, also darauf, ob Kinder Inhalte erfassen, interpretieren und darüber sprechen können.

Was bedeutet das für dein Kind?

Wenn du merkst, dass dein Kind zu Hause zwar laut vorlesen kann, den Text aber nicht versteht, ist das kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, dass Lesekompetenz mehr umfasst als korrekte Aussprache.

Hier sind einige Fragen, die du deinem Kind nach dem Lesen stellen kannst, um das Verständnis zu fördern:

  • Worum geht es in dem Text?
  • Was denkst du, ist die Hauptaussage?
  • Was würdest du der Figur raten, wenn sie ein Problem hat?

Solche offenen Fragen helfen deinem Kind, über den Text nachzudenken und Zusammenhänge zu erkennen – was wesentlich tiefer geht als nur das laute Wiedergeben von Wörtern.

Alternative Methoden im Deutschunterricht

Statt „lautes Vorlesen“ im Klassenverband gibt es viele andere, pädagogisch sinnvolle Zugänge im Deutschunterricht, die den Fokus auf Verstehen und kommunikative Fähigkeiten legen:

  • Partnerlesen: Kinder lesen sich gegenseitig leise vor und sprechen danach über den Inhalt.
  • Lese-Tandems: Tadeln oder Bewerten gehört hier nicht – es geht um Austausch und Verständnis.
  • Textgespräche: Die Lehrkraft moderiert ein Gespräch über den Text, seine Bedeutung und Wirkung.

Solche Methoden fördern sowohl die sprachliche Kompetenz als auch das Textverständnis und die Freude am Lesen – zwei zentrale Ziele guter Leseförderung.

Wie kannst du dein Kind unterstützen?

Du kannst auch zu Hause gezielt unterstützen, ohne Druck aufzubauen:

  • Lese gemeinsam mit deinem Kind Texte, die seinem Niveau entsprechen.
  • Frage nach dem Sinn und ermutige zur eigenen Meinung über den Text.
  • Spiele Leseverständnis-Spiele, zum Beispiel: „Was passiert als Nächstes?“ oder „Warum hat die Figur so reagiert?“.

Achte darauf, dass Lesen Spaß macht und nicht zu einer stressigen Pflichtübung wird.

Denkt doch einfach mal um

Das klassische laute Vorlesen im Deutschunterricht an Grundschulen ist pädagogisch umstritten, weil es nicht zwangsläufig zeigt, ob Kinder wirklich verstehen, was sie lesen. Viel wichtiger ist heute ein sinnerfassender Unterricht, der Verständnis, Austausch und Freude am Lesen in den Mittelpunkt stellt.

Als Eltern kannst du dein Kind unterstützen, indem du mit ihm Gespräche über Texte führst und nicht nur auf Lautstärke oder korrekte Aussprache achtest.

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